Nach dem abermaligen Einmischen des Investors in aller Öffentlichkeit: Sollte der HSV trotz finanzieller Notlage künftig auf das Geld von Klaus-Michael Kühne verzichten? Bei dieser Frage sind sich die Fans offenbar uneins, wie eine HSV24-Umfrage mit bislang rund 7000 Teilnehmern ergeben hat.  Rund die Hälfte sagt Ja, die andere sagt Nein…

Die neueste kuriose Wendung in Sachen Klaus-Michael Kühne: Der Verein hat auf seiner eigenen Homepage ein Interview mit dem unzufriedenen Investor geführt! Hier der genaue Wortlaut:

„hsv.de: Herr Kühne, warum haben Sie sich mit Ihrer Rückzugsankündigung an die Hamburger Medien gewendet, wenn es Ihnen um das Wohl des HSV geht?

Klaus-Michael Kühne: Das habe ich getan, weil mich der Prozess rund um die Auswahl des neuen Aufsichtsrats extrem ärgert und ich gleichfalls nicht verstehen kann, wie zu Beginn dieser Woche sämtliche Kandidatennamen, die eigentlich nur einer erlesenen Anzahl von Vereinsverantwortlichen bekannt sein sollte, an die Öffentlichkeit gelangten. Ungeachtet dieser Namen frage ich mich, ob es hier wirklich um das Wohl der HSV Fußball AG geht. Ich sehe die Grundausrichtung der HSV Fußball AG stark gefährdet. Und das werde ich als Gesellschafter und auch als Fan doch wohl sagen dürfen.

Ihre Kritik und Ankündigung werden von vielen Beobachtern als weiterer Beleg gewertet, dass womöglich Sie das Kernproblem des HSV seien.

Kühne: Ich habe das schon häufiger gehört und gelesen, aber es erschließt sich mir nicht. Ich habe mich vor einiger Zeit dazu entschlossen, dem offensichtlich in finanzieller Schräglage befindlichen Club meines Herzens zu helfen. Ich greife dabei nicht ins operative Geschäft ein, was auch rechtlich gar nicht möglich ist. Natürlich hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Verantwortlichen bei der einen oder anderen Entscheidung meinem Wunsch entsprochen hätten. Aber das haben sie nicht, und das ist in jedem Vertrag schriftlich fixiert. Meine finanzielle Unterstützung hat dem HSV keine zusätzlichen Probleme beschert, sondern einige davon beseitigt, andere gelindert. Und nach wie vor ist es so, dass ich mich nicht für neue Investments aufdränge. Mir wäre es am liebsten, wenn es mehrere Geldgeber neben mir gäbe, die in den Club investierten, damit er auf Sicht wieder etwas mehr Größe und Glanz ausstrahlen könnte als in den letzten Jahren und aktuell.

Dennoch wird Ihr Engagement für den HSV immer wieder extrem kritisch bewertet, weil Ihre Einflussnahme auf den Kernbereich Fußball-Bundesliga befürchtet wird. Dazu trägt auch die aktuelle Kritik am Vorstand und am Sportdirektor bei.

Kühne: Auch diese Wahrnehmung verwundert mich sehr. Ich pflege mit dem aktuellen Vorstand und dem sportlichen Bereich des HSV einen professionellen, inhaltlichen und sehr vertraulichen Austausch, bei dem es weder um Einflussnahme noch um grundsätzliche Manöverkritik der Verantwortlichen geht. Und diese ist auch nicht mit meiner gestrigen Erklärung gemeint. Mir geht es vielmehr um einen bestmöglich aufgestellten Aufsichtsrat, in dem maximale Managementqualität und -erfahrung vertreten sein sollten. Und auch wenn ich keinen Einfluss auf die operativen Geschicke des HSV nehmen kann und möchte, so werde ich sicherlich eigenständig entscheiden, unter welcher personellen Konstellation in der Führung ich mir weitere Investitionen vorstellen kann. Mir leuchtet in Anbetracht des vergangenen Jahres seit Heribert Bruchhagens Übernahme des Vorstandspostens nicht ein, warum die Besetzung des wichtigsten Clubgremiums komplett neu gestaltet werden müsste. Und Sie können sicher sein, dass ich mich durch Herrn Gernandt zwar ausgezeichnet vertreten gesehen habe, es mir aber in erster Linie auf die Gesamtbesetzung des Aufsichtsrats ankommt. Wenn es adäquate, neutrale Alternativen gäbe, die einen sofortigen Fortschritt für die HSV Fußball AG bedeuteten, dann würde ich mich sehr darüber freuen. Ich sehe diese aber nicht. Warum setzt der Club jetzt nicht mal auf Kontinuität?!

Ist Ihre Unterstützung für den HSV damit nun endgültig beendet?

Kühne: Ich kann es Ihnen noch nicht sagen. Ich werde mir die weitere Entwicklung sehr genau ansehen. Ich traue starken Leuten an der Spitze und entscheidungsfreudigen sportlich Verantwortlichen sowie Trainer Markus Gisdol zu, dass sie in dieser Saison einen weiteren wichtigen Schritt aus dem Tabellenkeller machen werden. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Auswahlprozesse für die Aufsichtsratswahl schnell professioneller werden und das Kontrollgremium der HSV Fußball AG bestmöglich zusammengestellt wird.

Haben Sie noch einen besonderen Wunsch an den HSV?

Kühne: Punkte, Punkte, Punkte, und dass sich Aufsichtsrat, Vorstand und Sportdirektor handlungs- und entscheidungsfreudig zeigen, was die Vertragssituation von Nicolai Müller und Fiete Arp angeht.

Gewaltigen Ärger hat sich Ex-HSV-Profi Valon Behrami eingehandelt. Der Schweizer Nationalspieler bereitet sich gerade mit seinem Team in Belfast auf das morgige Play-off-Hinspiel der WM-Quali in Nordirland vor – nun fordert sein Klub Udinese Calcio seine sofortige Abreise. Hintergrund: Die Vereinsärzte sagten ihm wegen einer Oberschenkelverletzung eine mehrwöchige Pause voraus. Der Schweizer Verband wiederum versäumte es, Udinese fristgerecht die Nominierung Behramis zukommen zu lassen, kann sich nun nicht mehr auf die Abstellungspflicht berufen. Der Mittelfeldmann will jedoch auf keinen Fall abreisen, sagte der Zeitung „Blick“: „Ich entscheide selber, ob ich spiele!“

Seine gestrige Mitteilung nutzte Klaus-Michael Kühne auch für Kritik an Heribert Bruchhagen und Jens Todt. Der 80-Jährige attestierte der Klubführung, in der vorigen Saison im Abstiegskampf erfolgreich gewesen zu sein. Sie habe die Mannschaft aber nicht verbessert. Das Thema Abstieg sei wieder akut. Bruchhagen bemühte sich in einer ersten Reaktion um Gelassenheit. „Es ist ein Austausch zwischen dem Gesellschafter Herrn Kühne und dem Aufsichtsrat. Der Vorstand hat nicht das Recht und nicht die Pflicht, zu diesen Dingen Stellung zu nehmen“, sagte der HSV-Boss bei Sport1. „Ich habe mit Herrn Kühne einen sehr guten und freundschaftlichen Austausch.“

Der Kader ist in der Länderspielpause dünn besetzt, daher hat Markus Gisdol auch heute wieder einige Nachwuchsspieler zum Profitraining eingeladen. Auf dem Platz dabei sind Mats Köhlert (19, Linksaußen), Stephan Ambrosius (18, Innenverteidiger), Tobias Knost (17, Rechtsverteidiger), Marco Drawz (18, Stürmer) und Josha Vagnoman (16, Rechtsverteidiger), der zuletzt bei der U17-WM in Indien gemeinsam mit Fiete Arp (17) zum Einsatz gekommen war.

Beim HSV wurde er in der Jugend ausgebildet, dann ging es für Levin Öztunali über Leverkusen und Bremen nach Mainz. In Hamburg wäre der Druck auf den Enkel von Uwe Seeler wohl zu groß gewesen. „Ich denke, mit 17 war es noch interessanter, über meinen Opa zu schreiben als über mich“, sagte nun der „Sport Bild“. Und weiter: „Jetzt geht es um mich und meine Person, die Leistung, die ich erbringe, und das ist auch der richtige Weg.“ Seine Zielsetzung: „Ich möchte jedes Jahr einen Schritt nach vorne machen und meine Leistung steigern. Bis jetzt ist mir das jede Saison gelungen.“ Irgendwann möchte der 21-Jährige wie einst sein Opa für das A-Nationalteam auflaufen: „Das ist ein Fernziel, aber erst mal muss ich meine Leistung im Verein und der U 21 bringen.“