In der vergangenen Saison hielt der HSV die Klasse, nachdem im Winter mit Kyriakos Papadopoulos und Mergim Mavraj zwei Stabilisatoren für die Abwehr verpflichtet wurden. Doch daran kann sich Heribert Bruchhagen offenbar nicht mehr erinnern. Beim Jahresempfang des „Abendblatts“ wurde der Vorstands-Boss nach möglichen Zugängen gefragt. „Ich kann ich mir nicht vorstellen, dass wir noch jemanden verpflichten – denn wer bekommt schon Verstärkungen im Winter?“, fragte Bruchhagen zurück und führte aus: „Im Winter stehen Stammspieler nicht zur Verfügung.“ Ein Hintertürchen ließ sich der HSV-Boss offen: „Wir haben unser Budget ausgeschöpft. Ich will es nicht ganz ausschließen, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß.“

In der Rückrunde soll Kyriakos Papadopoulos nicht nur die Abwehr des HSV zusammenhalten, sondern auch die Rolle als Führungskraft noch stärker annehmen. Schon im Test gegen Freiburg (1:1) dirigierte der Grieche lautstark, was Trainer Markus Gisdol gefällt: „Papa war auffällig engagiert. Er hat die Führungsrolle angenommen. Auch in der Halbzeitpause hat er mit einzelnen Spielern gesprochen. Das fand ich sehr gut. Schon direkt nach der Hinrunde habe ich den Jungs gesagt, dass ich genau das erwarte.“

Der frühere HSV-Profi Nigel de Jong soll Mainz 05 zum Klassenerhalt führen. Nach seinem Debüt im Test gegen Gladbach (0:3) wehrte sich der 33-Jährige gegen den Vorwurf, ein Auslaufmodell zu sein. „Das Alter hat nichts zu sagen, ich habe alle Tests ge­macht, bin 100-pro­zen­tig fit. Und ich bin noch lange nicht fer­tig!“ Zuletzt bei Galatasaray Istanbul war er aus dem Kader gestrichen worden. Warum? „Das hatte nichts mit Fuß­ball zu tun!“ Er hatte sich mit dem in­zwi­schen ge­feu­er­ten Trai­ner Igor Tudor überworfen. De Jong: „Manch­mal trage ich mein Herz auf der Zunge, das passt nicht jedem.“

Ohne neue Spieler wird der HSV am Sonnabend in Augsburg in die Rückrunde starten. Die Hoffnung auf eine Verstärkung für das Team bleibt bei Gisdol allerdings unverändert. „Das Thema ist hinlänglich bekannt. Wir halten die Augen offen. Wir würden uns eine gute Lösung wünschen. Aber die gute Lösung hinzubekommen, ist im Winter auch eine große Herausforderung“, sagt der Coach.

In Mexiko hat die zweite Saisonhälfte begonnen – und Ex-HSV-Profi Marcelo Díaz feierte gleich einen 3:2-Erfolg mit den UNAM Pumas in Pachuca. Fast genau so sehr freute sich der frühere Retter des HSV darüber, dass er sein Team nun als Kapitän auf den Platz führen darf. „Ich bin glücklich und stolz und werde die Werte unseres Vereins mit Respekt behüten“, erklärte der Chilene (Foto, dritter von links).

Seit einigen Tagen gibt es eine hitzige Debatte um die Mitgliedschaft von AfD-Wählern bei Eintracht Frankfurt, nachdem sich Klub-Präsident Peter Fischer offen gegen Anhänger der Partei gestellt hatte. „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“, so Fischer. In seiner Amtszeit würde es „keine Nazis bei Eintracht Frankfurt“ geben: „Es gibt für die braune Brut keinen Platz.“ Er „schäme“ sich für „13 Prozent der Bevölkerung, die die AfD gewählt haben. Ich will ihnen keinen Millimeter Fläche geben“. Die „Frankfurter Rundschau“ bat um eine Stellungnahme anderer Bundesliga-Klubs, die HSV-Führung positionierte sich in ihrer Antwort „generell klar gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass, Rassismus und jede Form der Diskriminierung. Wir übernehmen als multikultureller Verein Verantwortung, zum Beispiel mit verschiedenen Sportangeboten für Geflüchtete und über gelebte Integration im Verein. Unsere Mitglieder tragen und leben diese Grundwerte im HSV. Sollten Mitglieder mit ihrem Handeln dagegen verstoßen, gehen wir gegen ein solches Verhalten bis hin zu einem Ausschluss aus dem Verein konsequent vor.“

Am Sonnabend startet der HSV in Augsburg in die Rückrunde. Der Gegner im Fakten-Check: Was gibt’s Neues? Der Torjäger ist verletzt. Bei Alfred Finnbogason schmerzt die Achillessehne, ein Einsatz gegen den HSV ist mehr als fraglich. Mit elf Treffern war der Isländer einer der Garanten für eine starke Hinrunde. Wie ist die Form? Schwer zu sagen, auf ein Testspiel verzichtete der FCA. Trainer Manuel Baum setzte in der kurzen Pause auf Detailarbeit. Wo liegen die Probleme? Siehe oben, Finnbogason. Sollte der Torjäger länger fehlen, ist insbesondere Ex-Hamburger Michael Gregoritsch gefordert, mit acht Toren der bisher zweitbeste FCA-Schütze. Zitat der Vorbereitung von Coach Baum: „Wir sind in Top-Verfassung und gut gerüstet, auch wenn Alfred ausfallen sollte.“