Vor dem Nordderby wollte Werder-Coach Florian Kohfeldt seine Mannschaft am Mittwoch in einer Einheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf die Partie vorbereiten. Doch plötzlich entdeckten die Bremer am Rande des Übungsplatzes elf einen Mann in einem Versteck, der ihnen irgendwie komisch vorkam. „Wir haben den Herrn gerade noch in der Hecke gesehen und ihn weggeschickt“, berichtete Kohfeldt am Donnerstag. Auf Nachfrage, was er wolle, habe sich der Mann als Autogrammjäger ausgegeben. Doch für die Werder-Verantwortlichen ist klar, dass es sich um einen Spion des HSV gehandelt hat. „Die Hamburger haben versucht, unsere nicht-öffentliche Trainingseinheit öffentlich zu machen“, sagte Kohfeldt. „Wegen der kurzen Entfernung gehe ich davon aus, dass der HSV jedes Training von uns beobachtet.“ HSV-Trainer Bernd Hollerbach wurde   bei der Pressekonferenz zum Spiel auf den Vorfall angesprochen und gefragt, ob ihm denn auch ein Bremer Spion beim HSV-Training aufgefallen sei. „Heutzutage gibt es doch keine Spione mehr“, antwortete der Ex-Profi dazu staubtrocken. Und fügte mit einem leichten Grinsen hinzu: „Das läuft doch jetzt alles mit Drohnen ab, oder?“

Seit nun zehn Spielen wartet der HSV auf einen Sieg. Der Abstand zum Relegationsplatz ist auf sechs Zähler angewachsen. Unter den Fans brodelt es, die Stimmung im Volkspark ist angespannt. Am Sonnabend (18.30 Uhr) reist der Liga-Dino zum wichtigen Nordderby nach Bremen. Ein Sieg ist Pflicht, um den Abstand auf Rang 16 nicht noch größer werden zu lassen. Auf der Pressekonferenz vor dem Kracher gegen Werder spricht Coach Bernd Hollerbach über…

Konsequenzen einer möglichen Niederlage: Nein, wir wären nicht weg. Danach gibt es noch zehn Spiele, Chancen gibt es genug. Es ist noch lange nicht vorbei und immer ans sich glaube. Die Messe ist noch lange nicht gelesen.

Bremens Coach Florian Kohfeldt: Ich kenne ihn nicht, aber ich kenne Frank Baumann gut. Ich denke, dass die Bremer immer Geschlossenheit ausgezeichnet hat, sie stehen in schwierigen Situationen zusammen. Auffällig, wenn es spitz auf Knopf ist, wachsen sie zusammen.

Ex-Bremer Aaron Hunt: Aaron Hunt ist besonders motiviert gegen seinen Ex-Klub. Er ist einer der erfahrenen Spieler bei uns, der mit solchen Situationen sehr gut umgehen kann. Er hat sich ein paar junge Spieler geschnappt und mit ihnen über die Lage gesprochen.

das brisanteste Derby aller Zeiten: Derbys waren immer brisant. Ich glaube, dass sich die Jungs schon bewusst sind, dass es ein wichtiges Spiel ist – auch für unsere tollen Fans. Sie haben uns bisher sensationell unterstützt und werden es auch weiterhin tun. Derby ist ein Spiel, dass man nicht gerne verlieren möchte.

persönlichen Druck: Als Spieler war es einfacher, da konnte ich direkt eingreifen. Jetzt bleibt mir nur die Halbzeit. Ich freue mich riesig auf das Derby, deshalb liebe ich den Fußball. Ich bin früher positiv rangegangen, je mehr gepfiffen wurde, umso motivierter war ich.

das Vertrauen zu Walace: Ich hatte einmal Kontakt mit ihm, Frau und Kind geht es sehr gut. Die Situation hatte ihn zu Beginn meiner Zeit belastet. Walace hat sich hier eingesetzt, ich reagiere immer daran, wie sich die Spieler einsetzen. Er ist ein einwandfreier Junge, ich habe ihm Vertrauen gegeben und er hat es zurückbezahlt.

den Druck in Bremen: Ich hoffe die Mannschaft kann den Druck positiv auf den Platz umwandeln. Das Vorgeplänkel ist nicht entscheidend, sondern die Leistung auf dem Platz. Ich habe das Gefühl, dass alle breit sind, am Samstag ein heißes Match zu spielen.

den Druck aufs Team: Ich erwarte, dass wir so auftreten wie gegen Leipzig und Dortmund. Ich kann der Mannschaft bislang keinen Vorwurf machen. Wir müssen uns das Glück wieder erarbeiten. Unsere Einstellung wird sein, dass wir alles raushauen. Ich bin mir sicher, dass die Spieler im Derby brennen werden.

die Personalsituation: Albin Ekdal geht es viel besser, hatte heute morgen Reha. Morgen müssen wir noch abwarten, ich rechne aber erst gegen Mainz mit ihm. Nicolai Müller macht weiter Fortschritte, Bjarne Thoelke war krank, ist aber wieder zurück. Lewis Holtby kommt heute auch in den Volkspark, aber wir müssen uns die Wunde genau ansehen. Da kann ich erst nach dem Training etwas zu sagen.

Samba-Kicker Walace: Ich vertraue Walace, dass er rechtzeitig wieder zurückkommt. Erwarte ihn Freitagabend in Bremen und werde ihn mir dann genau ansehen. Ich werde diesmal 19 Spieler mitnehmen. Aber wenn er gut drauf ist, wird er auch spielen.

das Derby: Ich erwarte ein emotionales Spiel, kenne es aus meiner aktiven Zeit. Es ist ein wichtiges Spiel, in dem die Tabellensituation nicht im Vordergrund steht. Im Derby stecken viele Emotionen. Ein Psychospiel ist es aber nicht.

Zahlen lügen nicht. Und mit seinem zehnten Saisontor für Leeds United machte Pierre-Michel Lasogga ein weiteres Mal auf sich aufmerksam. Nachdem die HSV-Leihgabe auch beim 2:2 bei Derby County traf, ist er auf dem besten Weg in die Top Ten der Torschützenliste der englischen Championship. Momentan steht Lasogga auf Rang elf. Derbys Matej Vydra führt die Liste mit 17 Treffern an.

Versöhnliche Töne von der Weser: Bremens Geschäftsführer Frank Baumann glaubt offenbar an den Ligaverbleib des HSV. „Ich glaube, dass es das Derby auch nächste Saison in der Bundesliga geben wird“, sagte er dem kicker.  Über mögliche Konsequenzen einer Hamburger Derbyniederlage mochte auch Werders Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode indes nicht sinnieren: „Dafür ist unsere eigene Situation zu herausfordernd. Meine Gedanken drehen sich nur darum, wie wir gewinnen können.“