Es war eine Mischung aus Frust, Resignation und Verzweiflung, die sich nach dem 0:0 gegen Mainz in den Augen der Profis und des Trainers widerspiegelte. „Wir haben bis zum Ende Hoffnung. Egal in welcher Situation wir sind, unsere Mannschaft gibt alles“, versuchte sich Kapitän Gotoku Sakai kämpferisch zu geben. Trainer Bernd Hollerbach erklärte: „Jedem Spieler war bewusst, dass es ein sehr, sehr wichtiges Spiel für uns war, um wieder ranzukommen. Es tut mir unfassbar leid für die Mannschaft und die Fans, dass wir uns für den Aufwand nicht belohnt haben. Dass es jetzt sehr schwer wird, das weiß jeder.“ Sven Schipplock: „Ich bin von meinem Naturell her ein Mensch, der erst dann aufgibt, wenn es rechnerisch wirklich nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig bin ich aber auch Realist genug, um zu wissen, dass wir dieses Spiel gewinnen hätten müssen, um uns eine Restchance im Schlussspurt offen zu lassen.“

HSV-Sportchef Jens Todt weiß, was die Stunde geschlagen hat, sagte nach dem 0:0 gegen Mainz zur Frage nach dem möglichen Klassenerhalt: „Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, wir brauchen außergewöhnliche Wochen.“ Allerdings sei klar, „dass wir nicht aufgeben und weiter unsere Chance suche. Aber es ist Wahnsinn, dass wir dieses Spiel nicht gewöhnen haben. Der Auftritt der Mannschaft war absolut in Ordnung. Gefehlt hat wieder mal das Tor.“

Über die Pyroschande von Bremen wurde in der vergangenen Woche viel diskutiert. Auch die HSV-Ultras haben eine Meinung zu den Vorkomnissen im Weserstadion. „Bremen aufmischen? Kein Ding, Berni!“, heißt es auf einem Trandparent. Damit nehmen die Ultras Bezug auf die Wahlkampfrede von Bernd Hoffmann, in der er selbiges gefordert hatte.

Nur 17 Punkte nach 24 Spielen. Ist der HSV noch zu retten? Der Blick in die Bundesliga-Geschichtsbücher zeigt, dass es in den vergangenen zehn Jahren sogar zwei Mannschaften gelungen ist, mit einer derart schlechten Ausbeute den Klassenerhalt zu schaffen. In der Saison 2009/2010 hatte Hannover 96 zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls nur 17 Zähler auf dem Konto. Der Unterschied: Die Niedersachsen hatten trotz dieser mageren Ausbeute nur einen Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz, beim HSV sind es sieben. Unter Mirko Slomka gelang die Wende. Hannover gewann am 25. Spieltag und blieb am Ende mit 33 Punkten als 15. in der Bundesliga. In der Saison 2012/2013 war es dann die TSG Hoffenheim, die sich in einer ähnlich aussichtslosen Situation wie aktuell der HSV befand. Nach 24 Spieltagen hatten die Kraichgauer sogar nur 16 Punkte geholt. Der Rückstand auf den Relegationsplatz, den damals Augsburg belegte, betrug fünf Punkte. Am 25. Spieltag gelang aber auch Hoffenheim, das kurze Zeit später den Trainer wechselte (Markus Gisdol kam für Marco Kurz), die Wende. Hoffenheim gewann 3:0 in Fürth, holte aus den letzten zehn Spielen insgesamt noch 15 Punkte und blieb über die Relegation drin, weil man am letzten Spieltag noch an Fortuna Düsseldorf vorbeizog. Die Rheinländer hatten nach 24 Spieltagen noch zwölf Punkte Vorsprung auf Hoffenheim gehabt.

Hilft ein irischer Käfig-Kämpfer dem HSV, um aus dem Keller zu kommen? Am Donnerstagabend lud Bernd Hollerbach im „Trainingslager“ im Hotel Treudelberg zum Filmabend. Die Mannschaft sah sich die Doku „The Notorious“ über Mixed-Martial-Arts-Legende Conor McGregor (29) an. Bleibt zu hoffen, dass sie heute nicht zu brutal zu Werke gehen. An Aggressivität hatte es dem HSV ja auch zuvor nicht gemangelt.