Am Dienstag hatte die MOPO berichtet, dass die PSV Eindhoven weiter starkes Interesse daran zeigt, Douglas Santos zu verpflichten. Mit dem Tabellenführer der niederländischen Eredivisie könnte der brasilianische Olympiasieger in der kommenden Saison möglicherweise in der Champions League antreten. Für welchen Betrag aber darf der 23-Jährige gehen? Es galt als sicher, dass man sich beim HSV darüber einig ist, dass man zumindest die 7,5 Millionen Euro, für die Santos vor zwei Jahren von Atlético Mineiro kam, wieder reinholen möchte. Das werden voraussichtlich die noch zu verpflichtenden neuen handelnden Personen nicht anders sehen.

Felix Magath hat nach der Entlassung von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt eine Rückkehr zum HSV unter den aktuellen Voraussetzungen ausgeschlossen. „Ich werde dem HSV selbstverständlich helfen, wenn ich kann. Aber ich sehe da keine Möglichkeit mit den Personen, die beim HSV sind“, sagte der 64-Jährige. Er habe zum HSV „natürlich ein anderes Verhältnis als zu anderen Bundesligavereinen“, sagte der 64-Jährige, der von 1976 bis 1986 insgesamt 306 Bundesliga-Spiele für die Hamburger bestritt. Die aktuelle Situation sei aber unbefriedigend. „Ich sehe da keinen, der in den letzten Jahren Verantwortung getragen hat. Außer Trainer und Manager auszuwechseln, ist den Verantwortlichen leider nicht viel eingefallen“, sagte Magath. Die Entlassungen von Bruchhagen und Todt nannte Magath sowohl „überraschend“ als auch „überfällig“. Er sei am Wochenende in Hamburg gewesen und habe sich „gewundert und gefragt: Passiert denn hier nie etwas, gibt es hier denn nie eine Entscheidung? Von daher war ich überrascht, als heute Morgen tatsächlich, ich weiß nicht wer, aber irgendjemand doch eine Entscheidung getroffen hat“, sagte er. Dies sei „die einzige Chance“, den Abstieg zu vermeiden. Bruchhagen und Todt hätten „nichts bewegt“. Das Verhältnis von Magath und Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann gilt als unterkühlt.

Bernd Hoffmann ist der starke Mann beim HSV. Am Donnerstag bekam der Verein das zu spüren, als der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt ihre Sachen packen mussten. Hoffmann hatte vor knapp drei Wochen den personellen Umbruch in der Führung der Fußball-AG bei seiner Wahl zum Präsidenten des Gesamtvereins angedeutet. „Der Erfolg eines Bundesligisten hängt von sieben bis acht Personalien ab“, sagte er. Dass er einen Teil davon schon 18 Tage später umsetzen würde, damit hatte kaum jemand gerechnet. Ebenso überraschend war, dass er nur 14 Tage nach seiner Einführung in den Aufsichtsrat vom Stellvertreter zum Chef aufstieg.
Der 55-jährige Hoffmann, Vater von zwei Zwillings-Pärchen, ist ein Mann, der gern am Ruder steht. Das hatte er schon in seiner ersten Amtszeit von 2003 bis 2011 beim HSV bewiesen. Der Vereinsvorsitzende schaffte es damals, den Bundesliga-Dino HSV in bessere sportliche Regionen zu führen. Der Verein bestritt in der Zeit 78 Europacupspiele. Seine erfolgreichste Zeit hatte Hoffmann mit Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. Beide waren grundverschieden, ergänzten sich aber. Zu einem Titel, ob national oder international, hatte es jedoch nie gereicht. Jetzt ist die sportliche und finanzielle Situation dramatisch. Da wird der gebürtige Leverkusener Hoffmann von vielen Fans und Mitgliedern als Retter angesehen. Andere, vor allem die älteren der 77 000 Vereinsmitglieder, sind skeptisch. Ihnen schwant bei der Entwicklung der anderen Sportarten im Klub, für die der e.V.-Präsident zuallererst zuständig ist, nichts Gutes.

Wer wird der neue starke Mann als Sportvorstand des HSV? Nach den Entlassungen von Heribert Bruchhagen und Jens Todt rücken nach MOPO-Informationen zwei Männer ins Hamburger Blickfeld, die zuletzt bei ihren Vereinen Beachtenswertes geleistet haben. Der eine ist Bayer Leverkusens Manager Jonas Boldt, die rechte Hand von Rudi Völler. Der 36-Jährige sorgte für Aufsehen, als er Hakan Calhanoglu 2014 vom HSV zu Bayer lotste. Als Scout entdeckte er einst Spieler wie Arturo Vidal oder Daniel Carvajal. Boldt wollte sich nicht dazu äußern, ob ein Wechsel nach Hamburg für ihn eine Option sei. Sportdirektor Völler aber scheint das Thema nicht recht zu sein. „Völliger Blödsinn“, meinte er. „Jonas wird noch viele Jahre bei Bayer bleiben. Klar, dass immer Namen genant werden und das Jonas dazugehört, hat er sich mit seiner guten Arbeit verdient.“ Neben Boldt soll auch Ralf Becker auf der Liste des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Hoffmann stehen. Der Ex-St. Pauli-Spieler ist seit dem 5. Juni 2016 Geschäftsführer Sport bei Holstein Kiel, hatte als solcher gehörigen Anteil am Aufstieg in die 2. Bundesliga, in der Holstein sensationell auf Platz drei steht. Die „Sport Bild“ bringt zudem einen weiteren Namen ins Spiel, den von Nürnbergs Finanzvorstand Michael Meeske. Der Ex-St. Pauli-Geschäftsführer wäre ein Kandidat für den Vorstandsvorsitz, heißt es.