Mirko Slomka, vom 17. Februar bis 15. September 2014 für 19 Spiele HSV-Trainer (Punkteschnitt 0,89), hat sich im „Kicker-TV-Talk“ mitfühlend mit Bernd Hollerbach gezeigt. „Für den Trainer ist das eine unglaublich schwierige Situation“, sagte Slomka, der die Unruhe rund um den Verein als großes Problem ausgemacht hat. „Für einen Trainer ist das eine komische Situation, wenn deine beiden wichtigsten Ansprechpartner entlassen werden und in jeder Zeitung steht, dass du eigentlich auch bald weg bist. Darunter leidet die Motivation.“ Er habe zudem „nicht das Gefühl, dass es innerhalb der Stadt einen großen Zusammenschluss nach dem Motto, wir müssen dem HSV helfen, gibt“.

 

Markus Babbel, der von 1992 bis 1994 60-mal für den HSV spielte, sieht die Entlassungen von Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt auch als Zeichen, dass der Aufsichtsrat nicht mehr an das „Wunder“ Klassenerhalt glaube. „Sie haben sich mental darauf eingestellt, dass es höchstwahrscheinlich in die 2. Liga gehen wird“, sagte Babbel im „Kicker.TV-Talk“. Der Grund für den Niedergang liege in der psychischen Instabilität der Profis. „Die Mannschaft kann unter diesem Druck, der in Hamburg herrscht, zusammenbrechen“, erklärte der Europameister von 1996. „Du brauchst die Qualität, um dieser mentalen Belastung standzuhalten. Damit sind zu viele Spieler beim HSV überfordert.“

Eurosport-Experte Matthias Sammer hat sich zum Kahlschlag beim HSV geäußert. „Es ist eine absolut außergewöhnliche Situation in Hamburg“, sagte er und äußerte Verständnis für die Entlassungen von Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt: „Außergewöhnliche Situationen erfordern auch manchmal außergewöhnliche Maßnahmen. Man muss Entscheidungen treffen, um möglichst kurzfristig Impulse setzen zu können. Gleichzeitig muss man strategisch aufbauen, dass der Verein wieder in ruhiges Fahrwasser gerät. Die Kommunikation muss in wenigen vertrauensvollen Händen bleiben. One-Man-Shows sind vorbei, aber es muss in wenigen Händen bleiben.“

Die größten Optimisten im Umfeld des HSV dürfen weiter auf den Klassenerhalt hoffen. Der FSV Mainz 05 hat es im Freitagabendspiel der Bundesliga verpasst, sich um mehr als sieben Punkte vom HSV abzusetzen. Die Rheinhessen verloren ihr Heimspiel gegen den FC Schalke 04 etwas unglücklich mit 0:1. Das goldene Traumtor des Abends schoss Daniel Caligiuri, der den Ball in der 55. Minute aus 18 Metern ins Mainzer Tor schlenzte. Im Anschluss drückte der Tabellen-16. auf den Ausgleich. Die beiden besten Chancen vergab ausgerechnet Uwe Seelers nach 80 Minuten eingewechselter Enkel Levin Öztunali, der in der 84. Minute an Schalke-Torwart Ralf Fährmann scheiterte, und zwei Minuten später den Ball am Tor vorbeischob. Mainz hatte am Ende 16:6 Torschüsse, das Glück schien der FSV aber beim 0:0 in Hamburg in der vergangenen Woche aufgebraucht zu haben.

Sechs Stürmer hat der HSV in seinem Profi-Kader. Das klingt nach viel. Blöd nur, dass dabei denkbar wenig herausspringt. Wer aber wartet eigentlich seit wie vielen Minuten auf einen Treffer? Am besten sieht es noch bei André Hahn aus. 141 torlose Minuten stehen für den Ex-Gladbacher auf dem Konto. Bakery Jatta, meist als Rechtsaußen aufgeboten und zuletzt recht agil, aber eben auch ungefährlich, hat bei den Profis überhaupt noch nicht getroffen. 420 Bundesliga-Minuten kann er aufweisen. Luca Waldschmidt erzielte sein erstes und einziges HSV-Tor bekanntlich am 34. Spieltag der Vorsaison gegen Wolfsburg. Seither wartet der 21-Jährige auf ein Erfolgserlebnis. 428 Minuten hat er nicht getroffen. Bei Fiete Arp sind es 627 torlose Minuten. Dramatisch aber wird’s bei zwei anderen. Sven Schipplock steht zwar seit 2015 beim HSV als Stürmer unter Vertrag, hat aber noch kein einziges Tor erzielt. 1164 Minuten lang hatte er bisher die Gelegenheit dazu. Getoppt wird diese Horror-Zahl von Bobby Wood, der am 25. August 2017 in Köln half, den HSV an die Tabellenspitze zu schießen – in grauer Vorzeit. Seither stehen für ihn 1192 torlose Minuten zu Buche. Alle sechs Stürmer zusammen kommen damit auf 3972 Minuten ohne Tor.