Im Vergleich zum letzten Spiel unter Bernd Hollerbach nahm Christian Titz fünf Änderungen vor, unter anderem bekamen mit Julian Pollersbeck, Lewis Holtby und Matti Steinmann drei Akteure eine Chance, die zuvor unter Hollerbach keine Minute gespielt hatten. Vor allem Pollersbeck überzeugte und hinterließ die Frage, warum ihm zuvor meist Christian Mathenia vorgezogen wurde. Der U21-Europameister wehrte sieben Bälle ab. Bei den Gegentoren war er machtlos. Auch spielerisch konnte Pollersbeck, der sich oft weit vor seinem Strafraum aufhielt, überzeugen.

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Neu-Coach Christian Titz schickte die jüngste HSV-Startelf seit über 44 Jahren ins Rennen. Im Schnitt 23,98 Jahre waren die Hamburger Starter alt, jünger begann der HSV zuvor zuletzt am 5. Januar 1974 ein Bundesliga-Spiel und auch damals hieß der Gegner Hertha BSC – in Berlin gab es seinerzeit mit Spielern wie Kaltz, Memering oder Volkert wie diesmal auch ein 1:2).

Da ist er plötzlich wieder! U21-Akteur Matti Steinmann kam zu seinem Startelf-Debüt in der Bundesliga. Zuvor hatte der 23-Jährige in der Bundesliga erst drei Minuten gespielt – und dies Spiel lag dreieinhalb Jahre zurück. Nach guter erster Hälfte mit 75 Prozent gewonnenen Zweikämpfen baute auch Steinmann nach der Pause stark ab und entschied in den zweiten 45 Minuten nur noch 37 Prozent der Duelle für sich. Nach der Partie sagte er: „Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt. Dann müssen wir uns aber leider den Vorwurf machen, nicht nachgelegt zu haben. Bitter, dass es von Hertha so bestraft wird mit zwei Toren in kürzester Zeit. In unserer Situation umso bitterer.“

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Christian Titz hat sein erstes Spiel als Chefcoach der Profis verloren. Nach dem 1:2 gegen Berlin sagte der ehemalige U21-Trainer: „Wir haben eine gute erste Hälfte gespielt und gehen folgerichtig in Führung. Dann kommt der Knackpunkt: Die Halbzeitpause. Hertha hat dann mehr gemacht, und wir haben ein bisschen den Mut verloren und sind nicht mehr so in die Zweikämpfe gekommen. Und dann wird es gegen so einen Gegner schwer. Uns ist es leider nicht mehr gelungen, Torchancen zu erspielen, um das Spiel wieder zu drehen.“

Kyriakos Papadopoulos saß mit ganz dickem Hals auf der Bank – und kritisierte diese Entscheidung von Neu-Trainer Christian Titz: „Es geht um die Leistung. Und ich finde nicht, dass ich so schlecht war, dass ich nicht spiele. Der Trainer hat mir gar nichts gesagt, hat nicht mit mir gesprochen, dass ich nicht spiele. Das finde ich total schade! Auch dass manche erfahrene Spieler nicht auf dem Platz  sind: Diekmeier, Mavraj. Die Mannschaft braucht diese Spieler, sie sind wichtig. Das ist nicht die beste Lösung. Das ist meine Meinung. Zu einem möglichen Verbleib im Falle eines Abstieges sagte „Papa“: „Das kann ich nicht sagen, es wäre richtig schwer.“ Da deutet sich ein Abschied an.

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Ganz schlimme Szenen erst im Stadion, als sich HSV-„Fans“ nach der Niederlage gegen Berlin untereinander prügelten. Und dann gab es auch Randale vor dem Stadion, als versucht wurde, in den Spielertrakt einzudringen. Der Parkplatz vor der Osttribüne wurde gesperrt. Die Polizei griff gegen die Krawallmacher (auch mit Schlagstöcken) ein, hat jetzt einige Ultras (20 bis 30) festgesetzt.