Im vierten Spiel unter Trainer Christian Titz hatte der erneut sehr laufstarke HSV (124,2 Kilometer) erstmals eine negative Zweikampfbilanz (45 Prozent). Mit Tatsuya Ito, Gotoku Sakai und Rick van Drongelen hatten nur drei Hamburger Spieler bei der Pleite bei 1899 Hoffenheim (0:2) eine positive Zweikampfquote. Allerdings verloren Sakai und van Drongelen auch entscheidende Duelle vor den Gegentoren.

Im Abstiegskampf ist weiterhin keine Vorentscheidung gefallen. Köln und der HSV verloren ihre Spiele, Wolfsburg holte ein Remis, Mainz und Freiburg treffen erst morgen (20.30 Uhr) aufeinander. Es darf also weiter fleißig gerechnet werden. Dabei hilft das Restprogramm der Kellerkinder:

VfL Wolfsburg (14. Platz, 30 Punkte): Gladbach (Auswärts), HSV (Heim), RB Leipzig (A), Köln (H)

SC Freiburg (15. Platz, 30 Punkte): Mainz 05 (A), HSV (A), Köln (H), Gladbach (A), Augsburg (H)

Mainz 05 (16. Platz, 27 Punkte): Freiburg (H), Augsburg (A), Leipzig (H), Dortmund (A), Bremen (H)

HSV (17. Platz, 22 Punkte): Freiburg (H), Wolfsburg (A), Frankfurt (A), Gladbach (H)

1. FC Köln (18. Platz, 21 Punkte): Schalke 04 (H), Freiburg (A), FC Bayern (H), Wolfsburg (A)

In den vergangenen Jahren nahm der HSV immer wieder die finanzielle Hilfe von Klaus-Michael Kühne in Anspruch, um sich aus der finanziellen Klemme zu befreien oder Transfers zu tätigen. Das soll sich laut Präsident und Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann künftig ändern. „Herr Kühne ist unser wichtigster wirtschaftlicher Partner, aber wir müssen ihn ein Stück weit aus dem Kopf bekommen, wenn es darum geht, ein Fangnetz zu haben“, sagte Hoffmann im NDR-Interview und stellte klar: „Der HSV ist groß genug, stark genug, hat die wirtschaftlichen Möglichkeiten und wird sie sich in den nächsten Jahren auch wieder erarbeiten, dass wir unabhängig von externen Dritten eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen können. Dazu brauchen wir Herrn Kühne nicht.“ Eine Trennung von seinem Investor strebt der Chef-Kontrolleur jedoch nicht an: „Wenn wir eine wirtschaftliche Partnerschaft mit Herrn Kühne auf Augenhöhe zustande bringen, dann gibt es keinen ideologischen Grund zu sagen, das machen wir nicht.“

In den Herzen der Fans wird Felix Magath immer seinen Platz haben, schließlich schoss er den HSV im Finale gegen Juventus Turin 1983 zum Europoapokalsieg. Doch was in der vergangenen Jahren bei seinem Klub passierte, macht den 64-Jährigen wütend. Im NDR-Interview rechnete Magath mit Bossen und Profis ab. „Was mittlerweile unter der Bezeichnung ‚HSVer‘ für den Verein tätig ist, da würde ich diese Bezeichnung nicht verwenden“, sagte er. Die Bosse würden sich nur schmücken wollen statt etwas zu bewegen: „Der HSV ist ein großer Traditionsverein, der früher große Erfolge gefeiert hat. Jeder, der sich hier zur Verfügung gestellt hat, wollte damit glänzen. Der HSV hat immer auf die Personen abgestrahlt, die ihn vertreten haben. Aber ich habe lange keinen mehr gesehen, der etwas für den HSV gemacht hat.“ Auch das Auftreten von Trainer Christian Titz bewertet Magath kritisch: „Ich kann die Qualität seiner Arbeit nicht wirklich beurteilen. Aber was ich bisher gehört habe, ist es auch wieder so, dass Herr Titz vom HSV lebt und nicht der HSV vom Herrn Titz.“

Trotz der Niederlage bei 1899 Hoffenheim glaubt Christian Titz weiterhin daran, mit dem HSV noch den Abstieg verhindern zu können. „Wir sind nicht so niedergeschlagen, dass wir glauben, wir hätten keine Chance mehr“, stellte der Trainer fest und betonte: „Ich bin überzeugt, dass wir auch mit Wucht zurückkommen können. Wir müssen es mit der eigenen Stärke hinbekommen, nicht mit der Hoffnung auf die anderen.“

Sieben der zwölf HSV-Torschüsse bei 1899 Hoffenheim (0:2) gaben die beiden Japaner Tatsuya Ito und Gotoku Sakai ab. Allein fünfmal probierte es der Rechtsverteidiger, damit suchte der Hamburger Kapitän so oft wie noch nie in einem Bundesliga-Spiel den Abschluss – aber leider auch ohne den erhofften Erfolg.

Ab 23.35 Uhr zeigt das NDR-Fernsehen heute Abend seine Dokumentation über den HSV. Kein Blatt vor den Mund nimmt im Rahmen der Sendung Felix Magath. „Als ich 1976 zum HSV kam, spielten dort etwa 20 Spieler, die darauf stolz waren. Dieser bedingungslose Einsatz für den HSV ist schon lange nicht mehr zu sehen“, so der frühere Spieler, Manager und Trainer des „Dinos“, der die Probleme vor allem im Bereich der Führungsebene ausgemacht hat. Die Verantwortung für Fehler „übernimmt niemand. Seit 20 Jahren sind es nur die Trainer, die jedes Jahr drei, viermal gewechselt werden, wenn es geht. Darüber wird überhaupt nicht gesprochen, dass ständig Geld verschleudert wird für eigenes Unvermögen.“

Die U17 des HSV tritt in der Junioren-Bundesliga auf der Stelle. Beim VfL Wolfsburg reichte es für das Team von Pit Reimers nur zu einem torlosen Remis. Damit bleiben die Hamburger in der Tabelle auf dem fünften Platz. Vor ihnen stehen die „Wölfe“, Werder Bremen, Hertha BSC und Spitzenreiter RB Leipzig.