Beim HSV ist es einigermaßen ruhig, bei Holstein Kiel läuft die Trainer-Diskussion bereits auf Hochtouren. Markus Anfang soll wohl den Neuanfang beim 1. FC Köln anführen, eine zeitnahe Präsentation in der Domstadt dementierte Kiels Sport-Geschäftsführer Ralf Becker jedoch: „Da ist nichts dran.“ Zu den Spekulationen, dass HSV-Coach Christian Titz zu den Kandidaten auf die Anfang-Nachfolge zähle, sagte Becker: „Christian hat eine wahnsinnig schwere Situation mit seiner Mannschaft beim Hamburger SV zu bestehen. Da hat er anderes zu tun, als mögliche Vereinswechsel zu diskutieren.“ Der Holstein-Boss bestätigte indes, sich vor einiger Zeit mit Titz zum Gespräch getroffen zu haben: „Das hatte aber nichts mit der gegenwärtigen Situation zu tun.“

In seiner Hamburger Zeit stand René Adler unter Dauerdruck, nun kämpft er auch mit Mainz 05 gegen den Abstieg. Vor dem Keller-Thriller heute (20.30 Uhr) gegen den SC Freiburg sprach der 33-jährige Torwart bei Eurosport über psychologische Hilfe. „Ich habe meinen allergrößten Respekt vor Per Mertesackers Aussagen. Als Kapitän vom FC Arsenal so an die Öffentlichkeit zu gehen, ist für mich einfach ein absolutes Zeichen von Stärke. Zu sagen: ‘Hey Jungs, auch euer Kapitän, auch einer der Leuchttürme im deutschen Fußball, Weltmeister 2014, hat Baustellen und hat seinen Weg gefunden, damit umzugehen‘. Ich finde es witzig, dass das immer noch ein Tabu-Thema ist. Der moderne Sport und vor allem der Fußball wird zu 80 Prozent im Kopf entschieden. Abstiegskampf, Entscheidungsspiele, die werden im Kopf entschieden. Da reden wir nicht über den Fitness-Zustand. Das abzurufen, was in einem steckt, zu dem Zeitpunkt, an dem es abgerufen werden muss, das ist doch das eigentliche Thema. Der eine geht drei Stunden mit dem Hund spazieren, der andere geht fünfmal in der Woche ins Solarium, der nächste geht jeden Tag zum Psychologen. Es soll jeder machen wie er will, am Wochenende muss er seine Leistung auf den Platz kriegen. Ich finde es absolut notwendig – wenn es die Spieler nicht persönlich machen – dass der Verein sagt, für die Spieler, die Bedarf haben, ist ein Mentaltrainer im Team. Das ist für mich genauso wichtig wie ein Fitnesstrainer.“ Er selbst habe sich demzufolge früh darum gekümmert: „Ich arbeite schon meine ganze Karriere mit einem Coach zusammen, mit dem ich mich immer wieder austausche. Nicht nur im Fußball. Ich habe auch die eine oder andere Firma. Da geht es auch darum, wie ich die Firmen führe, welche strategischen Schachzüge ich mache. Was habe ich für eine Außendarstellung, wie artikuliere ich mich. Mit welchem Selbstverständnis trete ich auf. Das sind Sachen, die mir in meiner Karriere sehr wichtig waren. In Zeiten, in denen es nicht so gut läuft, aber auch vor allem in Zeiten, in denen es gut läuft. Das habe ich gelernt. Wenn es gut läuft, werden die größten Fehler gemacht. Da ist es wichtig, dass du von außen jemanden hast, der sagt: ‚Stopp Junge, du bist gerade auf dem Holzweg‘.“

Vier Spiele sind in der laufenden Saison noch zu absolvieren. Noch ist offen, in welcher Liga es für den HSV in der kommenden Serie weitergeht. Sollte Christian Titz seinen Platz im Abstiegsfall räumen müssen, beginnt in Hamburg mal wieder die Trainersuche. Die MOPO gibt einen Überblick, welche Fußball-Lehrer derzeit auf dem Markt sind und für das Projekt Wiederaufstieg interessant wären: Peter Bosz (54, zuletzt Dortmund, seit Dezember 2017 vereinslos), Mike Büskens (50, zuletzt Schalke 04, seit April 2017 vereinslos), Slaven Bilic (49, zuletzt West Ham United, seit November 2011 vereinslos), Markus Weinzierl (43, zuletzt Schalke 04, seit Juni 2017 vereinslos), Martin Schmidt (51, zuletzt VfL Wolfsburg, seit Februar 2018 vereinslos), Marcel Koller (57, zuletzt Nationaltrainer Österreich, seit Oktober 2017 verfügbar) und Hannes Wolf (37, zuletzt VfB Stuttgart, seit Januar 2018 vereinslos).

Vorstand Frank Wettstein und Direktor Sport Bernhard Peters haben sich bereits klar positioniert, beide würden auch im Abstiegsfall gern mit Christian Titz das Projekt Wiederaufstieg angehen. Doch wie denkt der starke Mann im Hintergrund, Klub-Präsident und Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann darüber. Vor der Niederlage bei 1899 Hoffengheim sagte er in einem NDR-Interview: „Es ist ein offensichtlich gut funktionierendes Team, das sich dieser Mission Klassenerhalt verschrieben hat. Man muss sagen, dass die ersten drei Spiele einen Fußball gezeigt haben, den wir hier schon lang nicht mehr gesehen haben. Insoweit die Einschätzen sehr positiv, was den Trainer angeht.“ Ob auch er mit Titz weiterarbeiten wolle? Hoffmann: „Das ist nicht meine Zuständigkeit, denn die Entscheidung über das Trainerteam für die nächste Saison liegt beim Vorstand des HSV. Meine Meinung dazu kann ich haben und die werde ich, falls sie abgefragt wird, auch kundtun.“

Routinier Aaron Hunt bestritt beim 0:2 ins Sinsheim sein 300. Bundesliga-Spiel. In zehn Spielzeiten absolvierte der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler 215 Partien für Werder Bremen, 17 Spiele für den VfL Wolfsurg sowie 68 Einsätze für seinen aktuellen Arbeitgeber HSV. Hunt erzielte in seiner Bundesliga-Karriere bisher 56 Treffer.