Jetzt hat es die U21 des HSV in der Regionalliga Nord erwischt. Weiche Flensburg hat durch das 5:0 bei Altona 93 die Spitzenposition übernommen und die „Rothöschen“ zumindest über Nacht auf Platz zwei verdrängt. Mit einem Sieg heute (18 Uhr) bei Germania Egestorf-Langreder könnte das Team von Trainer Steffen Weiß zwar wieder vorbeiziehen, allerdings nur mit zwei Punkten Vorsprung und drei Spielen mehr als Flensburg.

Klaus-Michael Kühne droht einmal mehr, seine finanzielle Unterstützung für den HSV einzustellen. Sollte der HSV absteigen, könne er keine Zusage für weitere Mittel geben, sagte er heute auf einer Veranstaltung in seinem Hotel „Fontenay“. Kühne hält 20,57 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG und zeigt sich nun zurückhaltend: „Gezahlt wird erst, wenn die Rechnung stimmt. Und im Augenblick stimmt sie noch nicht. Ich sehe viele andere in der Pflicht.“ Er wünsche sich, dass etwa der Senat der Stadt dem HSV mehr Gunst und Förderung zukommen lässt. „Ich glaube, dass würde mich wieder motivieren, auch weiter mitzumachen“, ergänzte er. Hamburgs neuer Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) warf daraufhin ein, dass die Stadt nicht untätig gewesen sei: „Die Leute beim HSV wissen auch, dass wir als Stadt nicht unengagiert sind. Aber die Tore schießen können wir halt nicht.“

Der drohende Abstieg des HSV bereitet auch unserem neuen Ersten Bürgermeister Kopfschmerzen. Peter Tschentscher sagte im Gespräch mit dem NDR-Fernsehen, das ab 19.30 Uhr im „Hamburg Journal“ ausgestrahlt wird: „Der HSV und Hamburg gehören einfach zusammen. Es gibt ja viele, viele Fans in der Stadt und überall in Deutschland. Man verbindet Hamburg mit dem Hamburger Sport-Verein – in ganz Deutschland und Europa. Deswegen wäre es schon eine große Tragödie, wenn das jetzt zu einem negativen Ergebnis in der Saison führt. Aber ich finde, der HSV bleibt unser Sport-Verein. Es wird weiterhin Fans geben, die dann umso stärker für den Aufstieg jubeln. Ich bin auch noch nicht ganz sicher, ob das alles so kommt wie wir jetzt befürchten. Der HSV ist wirklich von außerordentlicher Bedeutung für das Bewusstsein, für die Sportstadt Hamburg und für die Fußballbegeisterung, die wir in allen Stadtteilen haben.“ Der 52-jährige SPD-Politiker führte aus: „Es hat ja die letzten ein, zwei, drei Jahre ja immer mal diese schwierigen Situationen zum Saisonende gegeben – so wie dieses Mal war es bisher allerdings noch nicht. Ich habe jedes Mal mitgefiebert, war auch bei einem Relegationsspiel mal im Stadion. Das hat immer noch geklappt, deswegen haben wir uns fast schon an diese schwierige Lage gewöhnt. Ich drücke weiterhin die Daumen. Sollte es wirklich zum Abstieg kommen, fiebern wir alle umso mehr und freuen uns umso stärker, wenn es dann wieder nach oben geht – in die erste Liga, denn da gehören wir dem HSV und vielleicht auch mit dem FC St. Pauli hin.“

Frank Wettstein hatte am Vormittag Trainer Christian Titz in höchsten Tönen gelobt und durchblicken lassen, dass er auch im Abstiegsfall gerne mit ihm weiterarbeiten möchte. „Natürlich freut mich das, wenn mir die Verantwortlichen ihr Vertrauen aussprechen“, entgegnet Titz. „Ich habe ja auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich hier in Hamburg sehr wohl fühle. Ich bin jetzt im dritten Jahr hier und habe mich ja auch ganz bewusst für diese Aufgabe entschieden.“

Acht Punkte hat im Abstiegskampf noch nie eine Mannschaft in vier Spielen aufgeholt. Trainer Christian Titz zeigt sich ob dieser Statistik aber keinesfalls beunruhigt, setzt hingegen alles auf einen Heimsieg am Samstag gegen Freiburg. „Ich weiß, dass Mannschaften auch an zwei Spieltagen schon fünf oder sechs Punkte aufgeholt haben“, sagte er zwischen den beiden Trainingseinheiten heute. „Ich bleibe dabei, wenn wir unser Heimspiel gewinnen, verkürzen wir den Rückstand auf fünf Punkte und dann gibt es noch drei Partien. Wir wissen, dass das ein entscheidendes Spiel wird gegen Freiburg. Auch die anderen Mannschaften müssen ihre Spiele erst mal gewinnen.“ Auch zur Mannschaft habe er am Morgen wegen der neuen Situation nach dem Mainzer 2:0-Sieg gegen Freiburg gesprochen. „Wir haben Szenarien aufgezeigt, was passieren kann und dass sich für uns gar nicht allzu viel verändert hat.  Wir sind bissig und wollen uns mit einem Heimsieg die drei anderen Mannschaften, die vor uns stehen und für die die Situation auch nicht einfach ist, zu uns heranholen.“ Ob er sich mit der Situation beschäftige, dass der HSV an diesem Wochenende schon absteigen könne? „Nein“, antwortete Titz, „weil ich Vertrauen in meine Mannschaft habe.“