Darf er bleiben? Muss er gehen? Auf der Zielgeraden der Saison geht es nicht nur um das Schicksal des HSV in der Bundesliga, sondern auch um die berufliche Zukunft von Coach Christian Titz, der retten soll, was Markus Gisdol und Bernd Hollerbach dem Klub mit dem Team eingebrockt haben. Aufsichtsrat Marcell Jansen mag sich nicht festlegen, sagte bei NDR 90,3: „Wir haben noch drei ganz, ganz wichtige Spiele. Und ich denke, das ist auch eine gute Bühne für den Trainer.“

Der englische Zweitligist Leeds United reist in das durch teils brutale ethnische Konflikte international unter Druck geratene Myanmar. Der Verein von HSV-Leihgabe Pierre-Michel Lasogga teilte heute mit, dass es am 11. Mai ein Testspiel gegen Myanmars Nationalmannschaft geben werde. Zwei Tage zuvor tritt das englische Team gegen ein All-Star-Team in Rangun an. Außerdem werden Lasogga und seine Kollegen Trainingsstunden für Kinder veranstalten. „Diese Reise gibt uns die Möglichkeit, neue Fußball-Fans zu gewinnen, die uns hoffentlich auf dem Weg zurück in die Premier League in den kommenden Jahren unterstützen werden“, so Leeds-Geschäftsführer Angus Kinnear. Im überwiegend buddhistischen Myanmar geht das Militär mit Waffengewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vor. Begründet wird dies mit der Bekämpfung von Terrorismus. Knapp 700.000 Menschen flohen nach Bangladesch.

Neben Marcell Jansen war auch Supporters-Chef Tim-Oliver Horn bei NDR 90,3 zu Gast. Und er sprach vielen Anhängern des Liga-Dinos aus der Seele: „Eigentlich sollte man als HSV-Fan in Sachen Abstiegskampf Routine haben, aber ich bin noch zappelig. Gefühlt waren wir schon abgestiegen, jetzt rechnet man sich wieder etwas aus. Die Grundstimmung? Nervös!“ Horn erzählte, dass wohl bis zu 6000 Hamburger am Sonnabend in Wolfsburg dabei sein werden, um das Team zu unterstützen: „Alle wissen, worum es geht. Wir werden alles geben, um den nächsten Sieg zu holen.“

Beim HSV hat man nach zuletzt sechs Punkten aus drei Spielen wieder Hoffnung auf die Rettung geschöpft. Auch Marcell Jansen glaubt daran, dass die Mannschaft von Trainer Christian Titz in den verbleibenden drei Partien fünf Punkte Rückstand aufholen kann: „Auf jeden Fall ist es möglich“, sagte der Ex-Profi und Aufsichtsrat bei NDR 90,3. Dem Gastspiel in Wolfsburg blickt er gespannt entgegen: „Klar ist, dass wir im Vergleich zum Freiburg-Spiel eine deutliche Leistungssteigerung brauchen, um die Mini-Chance am Leben zu halten.“

Fünf Punkte aus drei Spielen hatten für etwas Ruhe in Wolfsburg gesorgt, doch die Klatsche zuletzt in Gladbach (0:3) hat die Stimmung im Umfeld des VfL wieder kippen lassen. Verteidiger Robin Knoche spürt das, lässt es aber nicht an sich herankommen. „Wichtig ist, dass wir uns dadurch nicht verrückt machen lassen“, sagte er. Und weiter: „Wir sollten daran denken, was wir gewinnen können. Bei einem Sieg sind es acht Punkte Vorsprung, dann sind wir vom HSV und auch von Köln nicht mehr einzuholen.“ Dass sein Team im Nordderby stärker unter Druck stehe, sieht Knoche nicht: „Auch der HSV hat viel zu verlieren.“ Die Aussage von Hamburgs Lewis Holtby, er wolle nicht in der Haut der Konkurrenten stecken, nahm er lächelnd zur Kenntnis: „Ich habe die Überschrift gelesen. Wir konzentrieren uns auf uns und werden jetzt sicher nicht Aussagen aus Hamburg kommentieren. Angst ist ein schlechter Ratgeber, um in so ein Spiel zu gehen.“

HSV-Trainer Christian Titz wird zurzeit landauf, landab gefeiert, weil er den „Dino“ wieder wachgeküsst hat. Der Technische Direktor des FC St. Pauli Ewald Lienen findet diesen Hype übertrieben. „Die Euphorie geht immer ganz schnell – auch beim HSV“, sagte er im TV-Talk „Sky 90“. „Man muss die Kirche mal im Dorf lassen. Sie gewinnen jetzt einmal. Man kann einen Trainer nicht nach fünf Spieltagen beurteilen.“ Zustimmung bekam Lienen von Ex-HSV-Boss Heribert Bruchhagen. „Ich möchte das unterstützen“, sagte er und führte aus: „Bruno Labbadia ist 2015 Hamburger des Jahres geworden und wurde vier Monate später entlassen. Markus Gisdol ist ganz ähnlich beurteilt worden und wurde auch vier Monate später entlassen. Das geht gar nicht gegen Herrn Titz, das ist ganz allgemein gesprochen.“

Während der ersten Einheit im Rahmen der Vorbereitung auf das Gastspiel beim VfL Wolfsburg probierte Trainer Christian Titz in der Startelf einiges aus. Keinen Zweifel ließ er allerdings daran aufkommen, dass Douglas Santos am Sonnabend ins Team zurückkehren wird. Zuletzt gegen den SC Freiburg (1:0) musste der Linksverteidiger wegen einer Gelbsperre zusehen.

Auf den ersten Blick sieht es danach aus, als würden Bernd Hoffmann langsam aber sicher die Wunschkandidaten für die Besetzung des Sportvorstands-Postens wegbrechen. Jonas Boldt verlängerte bei Bayer Leverkusen, Hannovers Horst Heldt steht vor der Einigung mit dem VfL Wolfsburg. Doch Hoffmann („Wir wollen die beste, nicht die schnellste Lösung“) zeigt sich bei der Suche weiter gelassen, bekräftigte im Gespräch mit NDR 90,3 ein weiteres Mal, in der sportlichen Führung Veränderungen vornehmen zu wollen und positive Signale zu empfangen: „Das Bild, das der HSV aktuell abgibt, ist ein sicherlich positiveres als es vor einigen Wochen oder einigen Monaten noch der Fall war. Es ist aber immer eine spannende Aufgabe, eine Herausforderung, der sich fast jeder, mit dem ich spreche, gerne stellen möchte. Dieses Gesamtpaket aus Klub, aus Tradition, aus Stadt, aber auch aus der Tatsache, dass wir hier seit Jahren unter unseren Möglichkeiten bleiben, das zu drehen, das reizt sehr, sehr viele.“