Am Abend vor dem Abstiegs-Kracher gegen den HSV steht der VfL Wolfsburg ohne sportliche Führung da. Der Klub gab die Trennung mit sofortiger Wirkung von Sportdirektor Olaf Rebbe bekannt. „Wir bedanken uns für die überaus vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren. Olaf Rebbe übernahm den Posten des Sportdirektors beim VfL Wolfsburg im Dezember 2016 in einer sehr schwierigen Phase. Mit ihm gelang uns in einer intensiven Rückrunde im Mai 2017 der Klassenerhalt“, so Wolfgang Hotze, Sprecher der Geschäftsführung. Sein Geschäftsführer-Kollege Dr. Tim Schumacher betonte: „Olaf Rebbe hat den Umbruch erfolgreich vorangetrieben. Das ringt mir großen Respekt ab.“ Der geschasste Manager sagte: „Der VfL Wolfsburg und seine Mitarbeiter sind mir in den über fünf Jahren sehr ans Herz gewachsen. Ich möchte mich bei allen Beteiligten für eine intensive Zeit bedanken und wünsche dem Verein, den Fans und der Stadt in Zukunft viele VfL-Siege.“

Die „Dritte“ des HSV hielt in der Oberliga Hamburg bei Spitzenreiter TuS Dassendorf eine Halbzeit lang gut mit, musste sich nach einem Einbruch im zweiten Durchgang aber deutlich mit 2:7 (2:3) geschlagen geben. Manuel Brendel (12., 38.) hielt das Team von Marcus Rabenhorst und Christian Rahn zunächst im Spiel, Punkte nahm der Tabellenvorletzte damit aber nicht mit nach Hause. Der Abstieg in die Landesliga rückt immer näher.

Es sah nach einem ebenso leisen wie traurigen Abschied vom HSV aus. Weder Markus Gisdol noch Bernd Hollerbach hatten in ihrem Spielsystem Verwendung für Lewis Holtby, der jedoch unter Christian Titz aufblüht und dem Liga-Dino mit drei Treffern in den letzten vier Spielen plötzlich wieder Hoffnung auf die Rettung machten. Der Trainer ist happy über diese Entwicklung: „Es freut mich vor allem für das Team, dass Lewis so gute Leistungen zeigt. Weil er mit seinen Toren und seiner Art, wie er in die Spiele reingeht und vorangeht mit seinen Emotionen sehr hilfreich ist.“

 

Nach sechs Punkten aus den letzten drei Spielen glaubt auch Sergej Barbarez wieder an die HSV-Rettung. „Glaube, Wunder geschehen“, twitterte der frühere Profi und Aufsichtsrat des Liga-Dinos und stellte fest, dass ein Erfolg in Wolfsburg „kein Wunder“ mehr sei. Da trat direkt Ex-Werder-Stürmer Ivan Klasnic auf den Plan und bat Barbarez eine HSV-Wette an. Offenbar rechnet er mit dem Hamburger Abstieg.

Der frühere HSV- und aktuelle Wolfsburg-Coach Bruno Labbadia ist laut eigener Aussage ein „totaler Film-Fan“, weil er dabei „ausnahmsweise mal abschalten kann“, wie er erklärte. Am Mittwoch wollte er auch seinen Profis diesen Luxus gönnen, bat zum Kino-Nachmittag im „Delphin-Palast“. Auf dem Programm stand das Sportdrama „City of McFarland“ mit Oscar-Preisträger Kevin Costner in der Hauptrolle. Labbadia hatte den Streifen ausgesucht: „Da geht es nicht nur um Sport, sondern um Menschen, um soziale Dinge – Sachen, die mich berühren.“ Wie der Film bei den VfL-Kickern ankam? „Ich habe keine Rückmeldung erhalten, weil ich die Jungs danach in Ruhe gelassen habe.“

Die mitreisenden Hamburger Anhänger müssen morgen in Wolfsburg große Einschränkungen in Kauf nehmen. „HSV-Fans können sich nicht frei im Stadionumfeld bewegen“, kündigte der VfL in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Stadt sowie der Polizei an. Im Stadion und auch rund um die Arena herrscht Alkoholverbot, zudem wird die Polizei die Besucher aus der Hansestadt am Hauptbahnhof empfangen und zum Stadion begleiten. „Die Möglichkeit eines Aufenthalts in der Wolfsburger Innenstadt wird es für Anhänger des Hamburger SV nicht geben“, heißt es in dem Schreiben. Übrigens: Der Polizei liegen laut eigener Aussage keinerlei Erkenntnisse vor, dass es zu Störungen kommt. Die vorgegeben Regel seien „rein präventiv“.