Im September 2014 wechselte Lewis Holtby vom FC Fulham nach Hamburg, spielte unter Mirko Slomka, Joe Zinnbauer, Bruno Labbadia, Markus Gisdol und Bernd Hollerbach, die er nach dem 3:1 beim VfL Wolfsburg allesamt hart kritisierte, während er gleichzeitig Christian Titz lobte: „Wir spielen das erste Mal seit vier Jahren Fußball. Das sind harte Töne, aber ich stehe dazu, weil es die Wahrheit ist. Wir sind mutig, wir trauen uns etwas zu, wir werden torgefährlich. Das ist Fußball. Wenn der Ball dein Freund ist, geht vieles leichter“, sagte Holtby im ZDF.

Nach dem Erfolg in Wolfsburg atmete auch Bernhard Peters erleichtert durch. Doch der Direktor Sport blickte auch schon gespannt der Aufgabe am kommenden Sonnabend bei Eintracht Frankfurt entgegen. „Wir haben uns über weite Strecken eindrucksvoll präsentiert. Die Mannschaft hat auch brenzlige Situationen spielerisch gut gelöst. Bei uns baut sich derzeit eine sehr positive Dynamik auf, aber uns ist bewusst, dass wir immer noch nichts erreicht haben. Die Jungs müssen sich jetzt gut regenerieren, um sich weiter steigern zu können. In Frankfurt wollen wir den nächsten Schritt machen und unser Halbfinale gewinnen. Wir wollen unsere Restchance nutzen“, so Peters.

Zum ersten Mal im fünften Spiel unter seiner Regie ließ Christian Titz Angreifer Bobby Wood von Beginn an auflaufen. Und der US-Boy bedankte sich mit dem Elfmeter-Treffer zur Führung beim VfL Wolfsburg, worüber der Trainer ganz besonders glücklich war: „Es freut mich enorm für Bobby, er hat sich heute für seine guten Trainingsleistungen in den letzten beiden Wochen belohnt und sich auch vor dem Tor zwei gute Chancen erarbeitet.“

Vor dem Keller-Kracher in Wolfsburg hatten Verantwortliche und Profis für die letzten Saisonspiele ein Turnier mit K.o.-Modus ausgerufen. Das Viertelfinale beim VfL wurde 3:1 gewonnen, doch bis zum Triumph – dem Klassenerhalt – ist es noch einer weiter Weg. Luca Waldschmidt, Torschütze zum 3:1, sagte: „Heute war bei uns der unbedingte Wille da, gewinnen zu wollen. Die Wolfsburger mussten auch unbedingt punkten und dadurch wurde es nach dem Gegentor noch mal spannend. Gegen Frankfurt müssen wir wieder zu 100 Prozent alles reinwerfen. Das ist unser Halbfinale.“

Nach dem Erfolg beim Konkurrenten VfL Wolfsburg blicken die Profis des HSV mit breiter Brust auf die beiden verbleibenden Aufgaben im Abstiegskampf bei Eintracht Frankfurt und gegen Borussia Mönchengladbach entgegen. „Wir haben noch nichts erreicht. Wir müssen als Mannschaft so weitermachen“, sagte Kapitän Gotoku Sakai und betonte: „Ich bin mir sicher, dass wir dann in der Bundesliga bleiben. Wir geben nicht auf.“

Aus den zurückliegenden vier Spielen holte der HSV neun von zwölf möglichen Punkten, darf plötzlich wieder vom Klassenerhalt träumen. Zwei Punkte beträgt der Rückstand auf den VfL Wolfsburg. Trainer Christian Titz war happy über den Sieg, trat aber auch auf die Euphoriebremse: „Ich freue mich, dass wir dieses Spiel unter enormem Druck gewonnen haben. Das muss man sich mal vorstellen: Wenn uns das nicht gelingt, wären wir ja schon weggewesen. Der ganze Stab und natürlich meine Spieler, die Hauptprotagonisten, setzen das um. Und mit Siegen kommt auch das Selbstvertrauen. Jetzt fahren wir nach Frankfurt – und brauchen gegen eine sehr gute Mannschaft wieder drei Punkte, um weiter dran zu bleiben.“