Wie es aussieht, liefert sich der HSV auf der Zielgeraden der Saison einen heißen Kampf mit dem VfL Wolfsburg um den Relegationsplatz. Nach dem Erfolg im direkten Duell ist die Stimmung in Hamburg fast schon euphorisch, während die Niedersachsen nach der Niederlage von den eigenen Fans angefeindet wurden. Trainer Bruno Labbadia: „Die Leute sind enttäuscht, keine Frage. Wir haben kein Ergebnis geliefert, deshalb müssen wir uns auch der Kritik stellen. Wir liegen ein Stück weit am Boden und jetzt wird weiter auf uns eingehauen.“

Die Tabelle gibt immer noch ein trauriges Bild ab, zwei Spieltage vor dem Saisonende ist der HSV Vorletzter, der Abstieg droht. Doch die Entwicklung seit der Amtsübernahme von Christian Titz Mitte März ist dennoch beeindruckend. In den sechs Partien unter der Regie des von der U21 zu den Profis beförderten Trainers holte der Liga-Dino drei Siege, ein Remis und zwei Niederlagen, also zehn Zähler. In diesem Zeitraum waren nur fünf Klubs besser als der HSV: Der FC Bayern (15 Punkte), 1899 Hoffenheim (14), Hertha BSC, Schalke 04 und der VfB Stuttgart (jeweils 11).

Als er 2015 den HSV in einer nahezu aussichtslosen Situation übernahm und über die Relegation gegen Karlsruhe zum Klassenerhalt führte, setzte er neben der Arbeit auf dem Platz vor allem auf Psycho-Tricks und die Stärkung des Teamgeistes. Nun soll Bruno Labbadia den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg bewahren, nach der Pleite gegen den HSV (1:3) zeigte er sich aber ratlos – weil er an seiner Truppe verzweifelt: „Wir stehen mit leeren Händen da. Dann hast du keine Argumente. Ich weiß, was wir getan haben – und mehr kannst du eine Mannschaft emotional gar nicht packen. Trotzdem ist das keine Garantie, dass dann Ergebnisse geliefert werden.“

Sie haben nur noch drei Spiele und einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Weiche Flensburg, das noch fünfmal in der Regionalliga Nord randarf. Für Steffen Weiß, Trainer der HSV-U21, ist das aber kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil. Der Nachfolger von Christian Titz kündigt vor dem Spiel beim SSV Jeddeloh II (Mittwoch, 19 Uhr) an: „Wir sind jetzt wieder im Flow und wollen den Druck erhöhen. Wir können noch eine Stufe mehr. Das Vertrauen der Spieler untereinander ist deutlich gewachsen.“ Es sei „ganz klar, dass wir das Maximum erreichen wollen. Dazu müssen wir auch die restlichen drei Spiele gewinnen“. In Jeddeloh wird Top-Torjäger Törles Knöll allerdings fehlen. Der Stürmer hatte beim 1:0-Sieg gegen Rehden seine fünfte Gelbe Karte gesehen. Weiche Flensburg kann am Dienstag um 15 Uhr beim VfB Oldenburg vorlegen.

Zwei Themen werden unter HSV-Fans derzeit heiß diskutiert: Schafft das Team noch das Wunder Klassenerhalt? Und: Sollte Christian Titz auch bei einem Abstieg in die Zweite Liga Trainer bleiben? Bernhard Peters, als Direktor Sport für den Nachwuchs verantwortlich: „Herr Wettstein hat sich klar zum Trainer positioniert. Da sind wir natürlich auf einer Linie, er ist ja mein Boss“, sagte er lächelnd und lobte: „Ich kannte ja den Spielstil, den Christian Titz bevorzugt, deswegen hat mich das nicht überrascht, dass er es auch bei den Profis so durchzieht. Dass die Jungs aber in der Kürze der Zeit so eine Ruhe am Ball ausstrahlen, ist schon etwas überraschend. Mitten in der Saison, unter diesem Stress, im spielerischen Bereich besser zu werden, ist eine außergewöhnliche Trainerleistung.“

Wolfsburgs Daniel Didavi hatte vor dem Spiel den Mund ganz schön voll genommen. „Den HSV in die 2. Liga schießen – mehr geht nicht“, tönte der 28-Jährige, der im vergangenen Jahr noch über einen Wechsel nach Hamburg verhandelt hatte. Am Sonnabend saß der Mittelfeldspieler dann nur auf der Bank. Probleme mit der Achillessehne hatten einen Einsatz verhindert. Nach dem Abpfiff konterte Gotoku Sakai Didavis Ankündigung: „So was darfst du als Profi niemals sagen. Das bekommst du immer zurück. Im Fußball geht’s auch um Respekt. Am Ende stand er ja nicht mal auf dem Platz.“

Kein HSV-Spieler war in Wolfsburg häufiger am Ball als Douglas Santos. 62 Ballkontakte hatte der Brasilianer, der zudem mit einer beeindruckenden Passquote (86 Prozent) glänzen konnte. In den Zweikämpfen lief’s hingegen weniger gut. Nur sechs seiner 22 direkten Duelle gewann der Olympiasieger – das entspricht einem Wert von 27 Prozent und ist sicher ausbaufähig.