Christian Titz sieht sich nicht als Allein-Verantwortlicher für den HSV-Aufschwung. Er habe das „nicht allein gemacht, sondern der ganze Stab hat mich dabei enorm gut unterstützt“, sagte der 47-Jährige dem „Kicker“. „Am Ende sind aber die Spieler entscheidend, denn sie sind die Hauptprotagonisten.“ Unter Titz beeindruckt die Mannschaft mit einem anderen Spielstil. „Irgendwann hat man als Trainer seine Idee vom Spiel für sich entwickelt“, sagte Titz. Er habe diese vorher nicht in der Bundesliga ausprobieren können, „aber es hatte in verschiedenen Altersklassen und in der Regionalliga funktioniert“. Und wenn die Spieler merken würden, dass es funktioniert, „kommt der Spaß und Glaube an diese Art des Fußballs“. Gedanken an eine Weiterbeschäftigung als Chefcoach mache er sich noch nicht. Er fühle sich in Hamburg wohl, betonte er erneut. Doch sein Handeln sei derzeit dem Gesamtziel untergeordnet. „Wir haben hier ein gemeinsames großes Ziel, dem sich momentan wirklich jeder verschreibt“, sagte Titz.

Zeit wird’s für einen HSV-Sieg in Frankfurt! Von drei der vier letzten Reisen an den Main brachten die Hamburger zwar einen Punkt mit, aber sie gewannen keins der letzten elf Ligaduelle mit der Eintracht. Zudem gingen sie in keinem der letzten 15 Treffen mit einer Führung in die Pause. Seit dem letzten Erfolg in Frankfurt (3:1 am 28. August 2010) hatten beim HSV 13 verschiedene Trainer das Sagen.

Nach seinem ersten Spiel als HSV-Cheftrainer (1:2 gegen Hertha) wurde Christian Titz von Kyriakos Papadopoulos öffentlich scharf kritisiert. Im „kicker“-Interview blickt Titz noch einmal darauf zurück: „Natürlich war das sehr unangenehm, ich dachte: Was macht der da jetzt? Aber wir wollen Typen, die in Extremsituationen vor 50.000 Menschen außergewöhnliche Dinge tun, dann kann sowas auch außerhalb des Platzes passieren. Das ist nicht immer in Ordnung, aber entscheidend ist, wie beide damit umgehen. Und mittlerweile unterstützt Papa die Mannschaft vorbildlich.“

Erstmals seit vier Jahren spiele der HSV endlich richtig Fußball, hatte Lewis Holtby nach dem Wolfsburg-Spiel gesagt und für diese Kritik an den vorherigen Trainern einen Rüffel von Christian Titz erhalten. Luca Waldschmidt sagte zu der Thematik gegenüber „Bild“: „Ich gebe Lewis ein Stück weit recht. Ich glaube schon, dass wir unter Christian Titz den gepflegtesten Fußball spielen – zumindest seitdem ich hier bin.“ Zu seinem geplatzten Wechsel nach Freiburg im Winter sagte Waldschmidt: „Es lief nicht wirklich für mich, ich habe so gut wie gar nicht mehr gespielt – dann kam die Anfrage, da ist es normal, dass man sich mit einem Wechsel beschäftigt. Am Ende bin ich geblieben – und mir war klar, dass ich für den HSV weiter 100 Prozent geben werde. Es hat sich für mich gelohnt.“