Was war denn da los? Es klingt wie ein Scherz oder ein Elfmeterschießen – aber wie mehrere Zeitzeugen der MOPO bestätigt haben, siegt der HSV III in der Oberliga nach 90 Minuten tatsächlich mit 8:6 (!) beim FC Süderelbe. Nach dem 6:6 in der 81. Minute haben Augustinovic und Ilic noch für den HSV-Sieg gesorgt. Süderelbes Ian-Prescott Claus wird seine fünf Tore bei einer Niederlage (!) in seinem Leben wohl auch nie wieder vergessen…

Niko Kovac mag harte Kerle. Gegen seine Mannschaft zu spielen, ist kein Vergnügen. Nicht umsonst belegt Frankfurt mit 497 Fouls, 68 Gelben und zwei Roten Karten den letzten Platz der Fairplay-Tabelle. Da auch die HSV-Profis keine Kinder von Traurigkeit sind (467 Fouls, 54 Gelbe, drei Rote, Platz 10), dürfte es ein heißer Fight werden. Kovac kündigte bereits an: „In der letzten Partie haben wir zu körperlos agiert. Wir müssen wieder die nötige Schärfe in unser Spiel bringen. Das haben wir in dieser Woche aufgearbeitet.“

Er legt schon wieder nach – und das zur Unzeit! Investor Klaus-Michael Kühne hat den HSV-Vereinspräsidenten und Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann kritisiert. Der gelte zwar als Macher, „aber auch als Alleinunterhalter“, sagte der 80-Jährige der „Wirtschaftswoche“. „Wie überall im Leben muss man teamfähig sein und nicht nur auf seine eigene Kraft vertrauen – da bin ich ein bisschen skeptisch, ob das gelingt.“ In dem Interview sprach Kühne zudem davon, dass der Noch-Bundesligist die Lizenz für die erste und zweite Liga nur erhalten habe, weil der Verein seine Vermarktungsrechte über viele Jahre veräußert habe. „Damit haben sie das Tafelsilber verkauft. Ich hätte das nicht so gemacht“, sagte Kühne.

Pünktlich zum Saisonfinale zaubert der HSV einen Torgarant aus dem Hut. Nicolai Müller feiert nach seinem Kreuzbandriss am ersten Spieltag gegen Augsburg sein Comeback im Kader. Der Flügelflitzer hatte sich am 19. August bei einem Torjubel die schwere Knieverletzung zugezogen.Ob der Angreifer gegen Frankfurt zum Einsatz kommen wird, ist allerdings völlig offen. Denn der HSV reist mit 19 Spielern zur Eintracht, für den Spieltagskader muss sich Titz ohnehin noch von einem weiteren Spieler verabschieden. Nicht in den 19-Mann-Kader haben es derweil Fiete Arp (spielt A-Jugend gegen Bremen), Bjarne Thoelke, Vasilije Janjicic und Mo Gouaida (alle für die U21 im Einsatz) sowie Sven Schipplock und André Hahn (Leistungsgründe) geschafft.

Einst hat Niko Kovac das HSV-Trikot getragen, jetzt könnte er den Dino „killen“. Der Frankfurter Trainer, der die Eintracht in Richtung München verlassen wird, sagte heute zum Gegner: „Der HSV hat sich gut entwickelt. Sie haben ein laufstarkes Team, das attraktiven und teils neuartigen Fußball spielt. Außerdem stehen sie unter Druck und müssen gewinnen. Aber gewinnen wollen wir auch. Dementsprechend werden wir auch agieren. In der letzten Partie haben wir zu körperlos agiert. Wir müssen wieder die nötige Schärfe in unser Spiel bringen. Das haben wir in dieser Woche aufgearbeitet. Und dabei hat sich die Mannschaft gut präsentiert.“

Hamburgs Ehrenbürger und HSV-Legende Uwe Seeler glaubt wieder an den Klassenverbleib seines Heimatvereins. „Am neuen Mut, Fußball zu spielen, hat sicherlich der Trainer einen gewichtigen Anteil“, sagte der 81-Jährige im Interview mit der „TZ“. „Ich hoffe, dass seine Leistung mit dem Klassenerhalt belohnt wird. Die Uhr muss weiterlaufen.“ Mit Christian Titz hat der HSV drei seiner vergangenen vier Spiele gewonnen und so den Abstand auf den Relegationsplatz von acht Punkten auf zwei Zähler verkürzt. Vor zwei Wochen hatte Seeler noch davon gesprochen, dass der HSV die Rettung verspielt habe. Selbst im Falle eines Abstiegs will er weiterhin ins Stadion gehen.

Im Endspurt um den Klassenerhalt muss der FSV Mainz 05 auf Torwart René Adler verzichten. Der frühere HSV-Keeper erlitt am Mittwoch im Training eine schwere Knieverletzung und muss sich einer Operation unterziehen. Damit fällt der 33-Jährige für die letzten beiden Partien am Sonnabend bei Borussia Dortmund und eine Woche später gegen Werder Bremen aus. Gegen den BVB wird entweder Florian Müller oder Robin Zentner im Tor stehen.  „Es ist natürlich bitter, dass ich dem Team so kurz vor Saisonschluss nicht mehr auf dem Platz helfen kann“, sagte Adler. „Aber ich bin mir sicher, dass wir uns den Klassenerhalt nicht mehr nehmen lassen.“ Die Mainzer liegen mit drei Punkten Abstand zum Relegationsplatz auf dem 14. Tabellenrang. Für Adler, der in dieser Saison nur 15 Bundesligaspiele bestritt, ist es nicht die erste Verletzung. Nach einen Sehnen-Operation war er erst Anfang Januar nach dreimonatiger Pause wieder ins Training zurückgekehrt.