Auf seiner Facebook-Seite hat sich Stadionsprecher und Kult-Sänger Lotto King Karl zum Abstieg des HSV zu Wort gemeldet, von einer rührenden Begegnung nach dem Abpfiff mit Klub-Legende Uwe Seeler berichtet und einen Appell an die Fans gerichtet. Hier Lottos Eintrag: „Nun ist es tatsächlich passiert. Es hat sich lange abgezeichnet, doch nun ist es Realität. Trotz des dritten Heimsieges in Folge. Und wißt Ihr was? Da werden wieder einige Leute hämisch sein, einige werden es uns gönnen und auch über Schadenfreude muß man sich keine Gedanken machen: die kommt sicher! Und vielleicht hat der Eine oder Andere sogar Grund dazu, denn das ist auch klar: diese Wochen und Monate der langen Reden über umgestoßene Böcke und sich beim nächsten Spiel endlich mal belohnen oder beim übernächsten, dann aber bestimmt, haben nicht nur den Abstieg verursacht, sie haben uns auch Sympathien gekostet. Ich bin ein Junge aus der Westkurve, ich war auch mal jung und bin mitgerissen worden von der Dynamik der Kurve – und manchmal nimmt man den Mund auch zu voll. Aber ich weiß heute: manchmal ist eben leider auch Zahltag. Heute war unser Zahltag. Heute gab es die Quittung für viele Situationen in den letzten Jahren, in denen man das Gefühl hatte, es ging nicht darum, daß das richtige gesagt und getan wurde, sondern nur darum, wer das letzte Wort hatte. Irgendwann geht sowas mal schief. Aber ich habe heute und auch des Öfteren in den letzten Wochen einen Club erlebt, der angefangen hat, sich zu bewegen. Zu spät, wie wir jetzt wissen und längst geahnt haben, aber er hat sich bewegt! Und ich habe eine Mannschaft gesehen, die wieder Spiele gewinnen kann und einen Trainer, der weiß, warum! Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können aus ihr lernen. Dies ist die Zeit für Trauer, wir werden darum nicht herumkommen. Ich habe nach dem Spiel Uwe Seeler getroffen, wir haben uns umarmt und er hatte Tränen in den Augen. So ist das an einem solchen traurigen Tag. Aber ein einschneidender Moment ist auch ein wichtiger Moment, je eher wir uns aufraffen, desto besser! Dies ist unsere „Stunde Null“, die Zukunft beginnt genau jetzt! Laßt es uns gemeinsam besser machen! Nur darum kann es von diesem Moment an gehen!“

Das obligatorische Auslaufen nach dem Spiel wird morgen nicht stattfinden, erst am Dienstag treffen sich Trainer Christian Titz und die Mannschaft des HSV noch einmal im Volkspark. Im Verlauf der Woche sollen dann die Gespräche mit den Profis beginnen, auf die der Klub auch in der Zweiten Liga setzen will.

„Keine Panik“ ist das Motto von Rockstar Udo Lindenberg – und das rät er auch dem HSV. Für den erstmals aus der  Bundesliga abgestiegenen Verein fand der Musiker aufmunternde Worte: „Heute wird der Abend breiter – doch hinterm Horizont geht’s weiter“, sagte Lindenberg nach dem Aus für den Dino und dichtete zuversichtlich weiter: „Falscher Film, schlechter Gag – mach dich ready fürs Comeback. Heute noch in Staub und Asche – morgen Phönix aus der Flasche. Prost!“ Der 71-Jährige, der das Spiel der Hamburger vorm Fernseher verfolgte, lebt seit langem in der Hansestadt und hat hier seine Erlebniswelt „Panik City“. „Hinterm Horizont“ hieß nicht nur einer seiner größten Hits, sondern auch sein Musical.

Mitten in die Saisonabschlussparty in Mainz mischten sich Hohn und Spott über den HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir“, sangen die Fans von Werder Bremen schon während des ziemlich unbedeutenden 2:1.-Sieges. Unter großem Jubel wurde ein weiß-blaues „Absteiger“-Plakat aufgehängt. Bremens Klub-Bosse waren aber ein wenig zurückhaltender. „Das ist schade für den HSV, ein bisschen werden sie schon fehlen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode, der als Profi viele, hitzige Nordderbys miterlebt hat: „Aber ich denke, dass sie nicht so lange in der zweiten Liga bleiben werden.“ Geschäftsführer Klaus Filbry sagte: „Das Nordderby ist ein Klassiker wie Schalke gegen Dortmund. Das wird fehlen.“ Sport-Geschäftsführer Frank Baumann empfand ebenfalls keine Schadenfreude. „Für den Verein und die Stadt Hamburg ist das schade“, sagte Baumann. „Ich denke aber, der HSV wird sich so aufstellen, dass der Aufenthalt in der 2. Liga nicht ganz so lange dauert und wir irgendwann wieder emotionale und schöne Nordderbys in der Bundesliga erleben werden.“ Auch Werder-Profi Jérôme Gondorf wird die Hamburger vermissen. „Die Brisanz des Derbys wird fehlen“, stellte der Mittelfeldspieler fest. „Ich finde schon, dass es ein Verlust ist. Denn die Liga ist umso attraktiver, je mehr große Vereine mitspielen.“

Vorstand Frank Wettstein strebt nach dem erstmaligen Abstieg des HSV die sofortige Rückkehr an: „Wir sind voll handlungsfähig und arbeiten ab jetzt intensiv an dem klaren Ziel, bestmöglich vorbereitet in die nächste Saison zu gehen und den direkten Wiederaufstieg zu realisieren.“
Klub-Präsident und Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann sagte zum Abstieg, es sei ein „enorm schmerzhafter Moment für den gesamten HSV, der damit eine seiner Einzigartigkeiten verloren ha“. Doch auch er strebt den baldigen Aufstieg aus der 2. Bundesliga an. „Die Raute und auch wir als Klub haben trotz dieses bitteren Augenblicks viel Kraft – und werden in Zukunft auch wieder Stärke ausstrahlen.“