Mit dem SC Freiburg machte Christian Streich den Klassenerhalt heute perfekt, für die Konkurrenz aus Hamburg hatte der Trainer tröstende Worte parat: „Der HSV geht einen guten Weg, jetzt haben sie verlängert mit dem Trainer. Die Leute stehen dahinter. Vereine wie der HSV, man hat das gesehen beim VfB oder Hannover, die kommen wieder zurück“, sagte Streich. Und weiter: „Jetzt spielen sie halt mal ein Jahr nicht in der Bundesliga, so traurig das ist. Aber das ist uns auch schon passiert, dass wir abgestiegen sind. Wenn man das richtig macht, kann man auch wieder aufsteigen.“

Seit einer Stunde ist der HSV zweitklassig und Uwe Seeler fällt es schwer, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. „Mir geht es schlecht, da bin ich ganz ehrlich. Es ist traurig, die Bundesliga ohne den HSV kann ich mir gar nicht vorstellen. Es ist immer schwer, wenn man von anderen abhängig ist. Wir haben ja schon Wunder erlebt. Aber es gibt nicht immer ein Wunder. Christian Titz ist zu spät gekommen, er hat sehr gute Arbeit geleistet. Ich hoffe, der HSV übersteht diesen Abstieg, steigt auf, dass ich meinen Verein auch in der ersten Liga noch einmal sehen darf“, sagte Seeler bei Sky.

Nun hat sich auch Christian Titz zu Wort gemeldet. „Die Mannschaft und auch fast alle Zuschauer haben sich würdevoll verabschiedet. Der kleine Teil der Leute, die dafür gesorgt haben, die sich unwürdig verhalten haben, gehören nicht ins Stadion und auch weggesperrt. Ich bin stolz, was meine Spieler gegeben haben, was sie eingebracht haben. Es sind viele Fehler passiert, deshalb sind wir abgestiegen. Ich spüre eine große Enttäuschung, weil ich überzeugt war, dass wir unser Spiel gewinnen und das für uns reichen könnte.“, sagte der Trainer des HSV bei Sky.

Die letzten Details mit Trainer Christian Titz über eine Verlängerung des Vertrags werden am Montag geklärt. Und gleiches gilt offenbar auch für den Kapitän! Gotoku Sakai sagte: „Ich habe für mich entschieden, dass ich meinen Vertrag verlängere und mit dem HSV in die Zweite Liga gehe.“ Jetzt muss der Verein eine Entscheidung darüber treffen.

25. August 2017: Der HSV gewinnt nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen den FC Augsburg auch das zweite Saisonspiel beim 1. FC Köln mit 3:1. Für eine Nacht sind die Hamburger Bundesliga-Tabellenführer.
28. Oktober 2017: Drei Monate und acht sieglose Punktspiele später folgt die große Ernüchterung: Die Mannschaft ist mittlerweile Tabellen-16. – der Abstiegskampf hat den HSV wieder.
26. November 2017: Die Hoffnung auf bessere Zeiten erhalten durch die überzeugenden Heimsiege gegen Stuttgart (3:1) und Hoffenheim (3:0) neue Nahrung. Der HSV rückt immerhin auf Rang 15 vor.
21. Januar 2018: Trainer Markus Gisdol wird nach der 0:2-Heimpleite gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln freigestellt. Einen Tag später stellt der Tabellen-17. Bernd Hollerbach als Nachfolger vor.
18. Februar 2018: Bernd Hoffmann wird als Nachfolger von Jens Meier zum neuen Präsidenten des HSV e.V. gewählt. Dadurch gehört der frühere Vorstandsvorsitzende automatisch dem Aufsichtsrat an.
08. März 2018: Der HSV-Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Hoffmann stellt Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt frei. Vorstand Frank Wettstein übernimmt die Geschäfte.
12. März 2018: Nach sieben weiteren sieglosen Partien wird Hollerbach schon wieder beurlaubt. Neuer Hoffnungsträger auf der Trainerbank ist der bisherige U21-Erfolgscoach Christian Titz.
18. März 2018: Mittelfeldspieler Walace streikt, will nicht in die Innenverteidigung. Da er das Berlin-Spiel auch nicht von der Tribüne aus verfolgt, wird Walace degradiert und muss in der U 21 trainieren.
18. März 2018: Der HSV verliert trotz einer guten ersten Halbzeit auch unter Neu-Trainer Titz sein Heimspiel gegen Hertha BSC (1:2). Der 1. FC Köln zieht an den Hamburgern vorbei. Der HSV ist Letzter.
26. März 2018: Die geplante Walace-Rückholaktion zu den Profis entfällt. Denn der Brasilianer reist nach Mailand und postet Bilder, statt zu trainieren. Folge: Walace bleibt bis Saisonende bei der U21.
07. April 2018: Nach 15 Spielen ohne Dreier gelingt im dritten Match unter Titz gegen Schalke (3:2) wieder ein Sieg. Der HSV hat fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und hofft als 17. wieder.
05. Mai 2018: Titz setzt auf den Nachwuchs und eine neue Spielidee – mit Erfolg: Nach zwei weiteren Siegen ist der Anschluss da, die Fans stehen wieder hinter ihrem Team.
12. Mai 2018: Das 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach reicht nicht. Im Fernduell verteidigt der VfL Wolfsburg den Relegationsrang. Der Endspurt unter Titz kam zu spät. Nach 55 Jahren ist für den HSV in der Bundesliga Schluss. Immerhin: Titz darf als Coach den Neuaufbau angehen – für die schnelle Rückkehr in die Bundesliga.

Als Erster nach dem fürchterlichen Auftritt der HSV-Ultras auf der Nordtribüne, die Teile des Volksparkstadions in Brand gesetzt haben, hat sich Gladbachs Manager Max Eberl geäußert. Bei Sky sagte er: „Lassen Sie uns nicht über die zwei Prozent reden, diese Schwachmaten, die für solche Bilder verantwortlich sind. Alle anderen Hamburger Fans, und das sind 98 Prozent, haben eine großartige Reaktion gezeigt, sie aus dem Block geschrien. Und genau so muss man es machen. Die den Fußball lieben, die sollen ins Stadion kommen. Und alle anderen bitte zu Hause bleiben.“