Huub Stevens warnt den HSVvor der 2. Liga. Der ehemalige Rothosen-Trainer sagte der Welt: „In der 2. Liga wird anders gespielt. Der HSV ist der Favorit, um als Meister direkt wieder aufzusteigen. Den Druck haben die Spieler. Damit müssen sie umgehen können.“ Zudem sieht der 64-Jährige eine große Hürde in der Favoritenrolle des erstmaligen Absteigers:  „Wenn du der Top-Favorit bist, sind alle Gegner heiß. Für sie ist es das Spiel des Jahres und der Reiz, den Favoriten zu ärgern. Ob Sandhausen oder wer auch immer – die anderen Mannschaften können alle fei aufspielen, weil keiner etwas von ihnen erwartet. Den Druck gewinnen zu müssen, hat der HSV – in jedem Spiel. Alle anderen sind die Underdogs, die nichts zu verlieren haben. Der HSV ist gefragt, die Spieler sind gefragt.“

Christian Titz will auch in der 2. Liga an seiner dominanten Spielphilosophie festhalten. „Für uns ist ganz klar, dass wir den eingeschlagenen Weg aus den letzten Bundesliga-Spielen fortführen wollen. Wir wollen mehr Spielanteile und dominant auftreten“, sagte der Trainer im Vereinsmagazin „HSV live“. „In meinen Augen brauchst du diese Philosophie auch, wenn du aufsteigen möchtest. Du kannst dann nicht als tiefstehende Mannschaft auf Konter spielen. Aber auch da wird ein Mix geboten sein: Für uns wird ganz wichtig sein, dass wir gerade in den Wintermonaten, wenn die Plätze schlechter werden, die Räume enger sind und wir nicht so schnell spielen können, andere Elemente entwickeln.“

Nach dem erstmaligen Abstieg des HSV sorgt sich Uwe Seeler um die Zukunft seines Vereins. „Ich habe Angst, dass wir gar nicht wieder aufsteigen“, sagte der 81-Jährige der „Sport Bild“. Man müsse sich nur den 1. FC Kaiserslautern ansehen: „Die steigen jetzt sogar in die 3. Liga ab. Wenn wir nicht aufpassen und die Mannschaft nicht verstärken, kann es sein, dass wir noch mal absteigen.“
Die Weiterverpflichtung von Trainer Christian Titz hält der Ehrenbürger Hamburgs für eine gute Entscheidung: „Titz hat in den vergangenen Wochen einen sehr guten Eindruck gemacht und ich glaube, dass er der Richtige für den HSV ist.“ Der Klub müsse wieder mehr die Nähe zu Investor und Mäzen Klaus-Michael Kühne suchen: „Ich verstehe nicht, dass der Verein ihn nicht noch mehr involviert“, sagte Seeler. „Wenn wir Größeres unternehmen wollen, brauchen wir ihn.“

Zum vorerst letzten Mal stellte sich Christian Titz heute den Fragen der Presse. „Wir würden gerne mit Holtby und Hunt verlängern. Spieler mit dieser Qualität muss man erst einmal finden“, sagte der HSV-Trainer. „Wir haben uns mit der Mannschaft ein gutes Fundament erarbeitet. Und wir werden noch einige Verstärkungen dazuholen.“ Zum Ausblick auf die neue Saison in der Zweite Liga sagte Titz: „Seit gestern geht der Blick nach vorne. Wir wollen das Projekt starten, um schnell wieder in die Erste Liga zu kommen. Die volle Konzentration gilt darauf. Die Tage sind jetzt voll ausgefüllt. Klar möchten wir wieder aufsteigen. Das ist unser Ziel. Wir wissen aber auch, dass die Zweite Liga kein Selbstläufer werden wird.“

Der HSV steigt ab und die Fans rennen ihm die Bude ein. Schon sehr erstaunlich, was sich da gerade tut. Während direkt nach dem Gladbach-Spiel 500 neue Mitgliedsanträge beim Verein eingegangen waren, steht die Zahl jetzt schon bei 1700 neuen Mitgliedern seit dem vergangenen Wochenende! „Tendenz weiter steigend“, wie der Supporters Club auf Twitter kommentiert.

Am 3. August beginnt die Saison in der 2. Liga – vermutlich mit dem HSV im Auftaktspiel. Klar ist, dass es erstmals seit 2011 wieder Stadtderbys gegen den FC St. Pauli geben wird. Der HSV kann sich also die Stadtmeisterschaft zurückholen. Als weitere Gegner stehen fest: Mitabsteiger 1. FC Köln, Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg, VfL Bochum, FC Ingolstadt, MSV Duisburg, Union Berlin und SV Sandhausen sowie die Drittliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg und SC Paderborn. Dazu kommt der Verlierer der Erstliga-Relegation zwischen Wolfsburg und Kiel. Außerdem werden heute (15.30 Uhr) die letzten Plätze in der 2. Liga vergeben. Heidenheim, Dresden, Darmstadt, Aue, Braunschweig und Fürth kämpfen noch gegen den Abstieg. In der Zweitliga-Relegation wartet der Karlsruher SC. Am 19. Mai 2019 ist der letzte Spieltag – hoffentlich dann mit dem Aufsteiger HSV!

Vorstand Frank Wettstein strebt nach dem erstmaligen Abstieg des HSV die sofortige Rückkehr an: „Wir sind voll handlungsfähig und arbeiten ab jetzt intensiv an dem klaren Ziel, bestmöglich vorbereitet in die nächste Saison zu gehen und den direkten Wiederaufstieg zu realisieren.“
Klub-Präsident und Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann sagte zum Abstieg, es sei ein „enorm schmerzhafter Moment für den gesamten HSV, der damit eine seiner Einzigartigkeiten verloren ha“. Doch auch er strebt den baldigen Aufstieg aus der 2. Bundesliga an. „Die Raute und auch wir als Klub haben trotz dieses bitteren Augenblicks viel Kraft – und werden in Zukunft auch wieder Stärke ausstrahlen.“