Der HSV hat im Fall von Walace bereits auf das Schwänzen des Spiels im Volksparkstadion reagiert. Der Brasilianer darf ab sofort nur noch bei der U21 trainieren. Von einer Geldstrafe für den Olympiasieger war aber keine Rede. Und das offenbar aus gutem Grund. „Dem HSV sind die Hände gebunden“, sagte der renommierte Arbeitsrechtler Horst Kletke dem „Hamburger Abendblatt“. „Die Fälle von Papadopoulos und Walace sind sehr unterschiedlich. Aber gemein haben sie, dass die Verhängung einer Geldstrafe in beiden Fällen juristisch kaum durchsetzbar ist.“ Überhaupt sei eine juristische Handhabe äußerst schwierig, so Kletke. „Sollte es während des Spiels eine Anwesenheitspflicht beim HSV geben, könnte der Klub sogar über eine Abmahnung nachdenken“, führte er aus. Das große Aber folgt: „Eine Abmahnung ist die Vorstufe einer Kündigung. Und wenn ein Verein einem Spieler kündigt, verliert er sämtliche Ablöseansprüche. So traurig das auch sein mag: Die Spieler fallen immer wieder auf die Füße, denn der nächste Klub steht meistens schon bereit.“

Am Tag nach der Ankunft im Trainingslager standen heute für Streik-Profi Walace die nächsten Krisengespräche beim HSV an. Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt geigten dem Brasilianer dabei in Anwesenheit von dessen Berater Rogério Braun die Meinung. Bruchhagen sprach dem 22-Jährigen dabei mündlich eine Abmahnung aus. „Es war ein formaler Vorgang. Wir haben ihn angehört, dann konfrontiert mit unserer Sichtweise und schließlich die Abmahnung im Beisein von Zeugen ausgesprochen“, erklärt Bruchhagen, der erklärte, dass Gespräch in einer ruhigen Atmosphäre stattgefunden habe. Die schriftliche Abmahnung werde noch folgen. „Es ist völlig klar, dass der Spieler bleiben soll.“ Am Sonnabend soll der abwanderungswillige Olympiasieger erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren.