Von einem schönen Pfingstsonntag konnte bei Rick van Drongelen keine Rede mehr sein – im Gegenteil: Der Abwehrspieler des HSV hatte gestern eine bittere Pille zu schlucken. Sein Ex-Klub Sparta Rotterdam, von dem er vor zehn Monaten für drei Millionen Euro zum HSV wechselte, stieg überraschend aus der holländischen Ehrendivision ab. Nach dem 0:0 im Relegations-Hinspiel beim FC Emmen setzte es zu Hause ein 1:3 gegen den Provinzklub. Bitter auch für van Drongelen, der ja zuvor schon mit seinem neuen Klub HSV abgestiegen war.

Nach dem erstmaligen Abstieg des HSV sorgt sich Uwe Seeler um die Zukunft seines Vereins. „Ich habe Angst, dass wir gar nicht wieder aufsteigen“, sagte der 81-Jährige der „Sport Bild“. Man müsse sich nur den 1. FC Kaiserslautern ansehen: „Die steigen jetzt sogar in die 3. Liga ab. Wenn wir nicht aufpassen und die Mannschaft nicht verstärken, kann es sein, dass wir noch mal absteigen.“
Die Weiterverpflichtung von Trainer Christian Titz hält der Ehrenbürger Hamburgs für eine gute Entscheidung: „Titz hat in den vergangenen Wochen einen sehr guten Eindruck gemacht und ich glaube, dass er der Richtige für den HSV ist.“ Der Klub müsse wieder mehr die Nähe zu Investor und Mäzen Klaus-Michael Kühne suchen: „Ich verstehe nicht, dass der Verein ihn nicht noch mehr involviert“, sagte Seeler. „Wenn wir Größeres unternehmen wollen, brauchen wir ihn.“

Die meisten Anhänger des HSV haben den ersten Schock überwunden, nach dem Abstieg aus der Bundesliga richtet sich der Blick wieder in die Zukunft. Das gilt auch für Timo Horn, den Chef des Supporters Clubs. Bei Facebook gewährte der Fan-Boss einen Einblick in seine Gefühlswelt, schrieb: „Die Tränen sind getrocknet, irgendwie wirkt es fast ein bisschen befreiend, dass der ewig andauernder Albtraum Abstiegskampf endlich zu Ende ist. Ab heute wird nach vorne geguckt.“

Der HSV steigt ab und die Fans rennen ihm die Bude ein. Schon sehr erstaunlich, was sich da gerade tut. Während direkt nach dem Gladbach-Spiel 500 neue Mitgliedsanträge beim Verein eingegangen waren, steht die Zahl jetzt schon bei 1700 neuen Mitgliedern seit dem vergangenen Wochenende! „Tendenz weiter steigend“, wie der Supporters Club auf Twitter kommentiert.

Was für tolle Fans hat dieser Verein nur? In den 30 Stunden nach dem Abstieg sind beim HSV über 500 neue Mitgliedsanträge angekommen! Weitere Mitglieder widerriefen zudem ihre in den vergangenen Monaten getätigten Kündigungen. HSV-Präsident Bernd Hoffmann sagte: „Das ist für mich ein überragendes Zeichen der HSV-Fans. Bereits im Volksparkstadion hat man deutlich gemerkt, dass die überwältigende Mehrheit der Zuschauer zur Mannschaft und dem Verein steht. Man kann sich nur bei den über 500 Neu- und allen langjährigen Mitgliedern für das Vertrauen und die Treue bedanken.“ Derzeit hat der HSV knapp 79.000 Mitglieder.

Der frühere HSV-Profi und -Trainer Thomas Doll leidet nach dem Abstieg mit seinem Ex-Klub, vor allem aber auch mit den Legenden des Vereins, die noch immer mit dem Herzen dabei sind. „Wenn ich sehe, wie Uwe Seeler da mit Tränen in den Augen steht nach dem Spiel, dann leide ich mit, dann bewegt mich das sehr. Ich hoffe und wünsche mir, dass der HSV schnell wieder hochkommt“, sagte Doll bei „sky90“.