Nach dem nächsten Nackenschlag in Mainz (0:2), der vierten Niederlage in Folge und dem siebten Spiel hintereinander ohne Sieg, ist der SC Freiburg auf den 16. Platz abgerutscht. Kapitän Julian Schuster sieht darin sogar einen Vorteil: „Jetzt haben wir unseren Vorsprung eingebüßt und nichts mehr zu verlieren. Vielleicht gibt uns das die nötige Energie“ stellte er fest und kündigte dem HSV am Sonnabend einen harten Kampf an: „Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, dass man zusammenhält. Das ist der Fall. Jetzt können wir beweisen, dass wir ein Team sind.“

Acht Punkte hat im Abstiegskampf noch nie eine Mannschaft in vier Spielen aufgeholt. Trainer Christian Titz zeigt sich ob dieser Statistik aber keinesfalls beunruhigt, setzt hingegen alles auf einen Heimsieg am Samstag gegen Freiburg. „Ich weiß, dass Mannschaften auch an zwei Spieltagen schon fünf oder sechs Punkte aufgeholt haben“, sagte er zwischen den beiden Trainingseinheiten heute. „Ich bleibe dabei, wenn wir unser Heimspiel gewinnen, verkürzen wir den Rückstand auf fünf Punkte und dann gibt es noch drei Partien. Wir wissen, dass das ein entscheidendes Spiel wird gegen Freiburg. Auch die anderen Mannschaften müssen ihre Spiele erst mal gewinnen.“ Auch zur Mannschaft habe er am Morgen wegen der neuen Situation nach dem Mainzer 2:0-Sieg gegen Freiburg gesprochen. „Wir haben Szenarien aufgezeigt, was passieren kann und dass sich für uns gar nicht allzu viel verändert hat.  Wir sind bissig und wollen uns mit einem Heimsieg die drei anderen Mannschaften, die vor uns stehen und für die die Situation auch nicht einfach ist, zu uns heranholen.“ Ob er sich mit der Situation beschäftige, dass der HSV an diesem Wochenende schon absteigen könne? „Nein“, antwortete Titz, „weil ich Vertrauen in meine Mannschaft habe.“

Er hatte sich das Spiel am Montagabend mit Zeitverzögerung angesehen. Gejubelt haben wird Christian Titz nicht über die Mainzer Tore beim 2:0-Sieg gegen Freiburg. Nach außen aber gibt sich der HSV-Trainer cool. „Auf das Spiel hatten wir keinen Einfluss. Für uns hat sich die Ausgangslage nicht so dramatisch verändert, auch wenn das gerne so gesehen wird. Wir können mit dem Heimspiel gegen Freiburg den Rückstand auf fünf Punkte verkürzen. Das ist eine Möglichkeit, dass wir die Freiburger mit reinholen“, sagte Titz, der mit den Breisgauern nach der äußerst kuriosen Elfmeter-Entscheidung in der Halbzeitpause mitfühlen konnte. „Dadurch hat sich das Spiel ein Stück weit verändert. Ich weiß auch, dass es dann nicht so leicht ist, den Schalter noch mal umzulegen.“

 

Der 2:0-Sieg der Mainzer gegen Freiburg war ein schwerer Schlag für den HSV. „Wir sind nicht blauäugig und wissen, dass sich die Ausgangslage vor den letzten vier Spielen nicht verbessert hat. Das ändert aber nichts daran, wie wir in die kommenden Spiele gehen werden. Uns helfen nur Siege, um uns noch eine Restchance zu erarbeiten“, kommentierte Frank Wettstein die brisante Situation. Sollte der HSV schon am kommenden Wochenende absteigen, wäre das „extrem traurig. Dennoch würde es sich auch um ein Szenario handeln, mit dem wir uns ja zwangsläufig schon länger intern beschäftigen müssen. Wir wären darauf vorbereitet, wollen es aber nicht heraufbeschwören. Wir haben eine Restchance, auch wenn uns die meisten schon abgeschrieben haben“.

Ein bitterer Montagabend für den HSV! Mainz schlägt Freiburg mit 2:0 und klettert auf Platz 15. Damit haben die Hamburger vor den letzten vier Spielen acht Punkte Rückstand auf den Relegations-Platz. Der 16. Freiburg, der nächste Gegner, Mainz und Wolfsburg stehen bei 30 Punkten. Der HSV hat nur 22. Klar ist damit: Hamburg braucht mindestens noch zwei Siege und zwei Unentschieden – und muss vor allem darauf hoffen, dass Freiburg nun gar nichts mehr holt. Realistisch gesehen besteht also kaum noch Hoffnung für die HSV-Fans.

In seiner Hamburger Zeit stand René Adler unter Dauerdruck, nun kämpft er auch mit Mainz 05 gegen den Abstieg. Vor dem Keller-Thriller heute (20.30 Uhr) gegen den SC Freiburg sprach der 33-jährige Torwart bei Eurosport über psychologische Hilfe. „Ich habe meinen allergrößten Respekt vor Per Mertesackers Aussagen. Als Kapitän vom FC Arsenal so an die Öffentlichkeit zu gehen, ist für mich einfach ein absolutes Zeichen von Stärke. Zu sagen: ‘Hey Jungs, auch euer Kapitän, auch einer der Leuchttürme im deutschen Fußball, Weltmeister 2014, hat Baustellen und hat seinen Weg gefunden, damit umzugehen‘. Ich finde es witzig, dass das immer noch ein Tabu-Thema ist. Der moderne Sport und vor allem der Fußball wird zu 80 Prozent im Kopf entschieden. Abstiegskampf, Entscheidungsspiele, die werden im Kopf entschieden. Da reden wir nicht über den Fitness-Zustand. Das abzurufen, was in einem steckt, zu dem Zeitpunkt, an dem es abgerufen werden muss, das ist doch das eigentliche Thema. Der eine geht drei Stunden mit dem Hund spazieren, der andere geht fünfmal in der Woche ins Solarium, der nächste geht jeden Tag zum Psychologen. Es soll jeder machen wie er will, am Wochenende muss er seine Leistung auf den Platz kriegen. Ich finde es absolut notwendig – wenn es die Spieler nicht persönlich machen – dass der Verein sagt, für die Spieler, die Bedarf haben, ist ein Mentaltrainer im Team. Das ist für mich genauso wichtig wie ein Fitnesstrainer.“ Er selbst habe sich demzufolge früh darum gekümmert: „Ich arbeite schon meine ganze Karriere mit einem Coach zusammen, mit dem ich mich immer wieder austausche. Nicht nur im Fußball. Ich habe auch die eine oder andere Firma. Da geht es auch darum, wie ich die Firmen führe, welche strategischen Schachzüge ich mache. Was habe ich für eine Außendarstellung, wie artikuliere ich mich. Mit welchem Selbstverständnis trete ich auf. Das sind Sachen, die mir in meiner Karriere sehr wichtig waren. In Zeiten, in denen es nicht so gut läuft, aber auch vor allem in Zeiten, in denen es gut läuft. Das habe ich gelernt. Wenn es gut läuft, werden die größten Fehler gemacht. Da ist es wichtig, dass du von außen jemanden hast, der sagt: ‚Stopp Junge, du bist gerade auf dem Holzweg‘.“