Noch ein kurzer Rückblick auf die Versammlung gestern: Die drei brisanten Anträge der Mitglieder wurden allesamt zurückgezogen. Ex-Seniorenratschef Peter Gottschalk, der keine AfD-Anhänger im HSV wissen will, wird stattdessen einen entsprechenden Vorschlag für eine Änderung der Satzung vorbereiten. Klaus Meetz, der verankern lassen will, dass nicht mehr als 24,99 Prozent der Klubanteile veräußert werden dürfen, war nicht anwesend. Sein Antrag wurde ausgesetzt – ebenso wie ein Gegenvorschlag, bis zu 49 Prozent der Anteile abgeben zu dürfen.

Antragssteller Peter Gottschalk hat vor der Mitgliederversammlung des HSV am 18. Februar seine Initiative zum Ausschluss von AfD-Mitgliedern verteidigt. „Ich will nicht ausgrenzen. Ich will Transparenz“, sagte der 76-Jährige. „Ich will, dass jeder weiß: Wer sich nicht an die Werte der Vereins hält, wird ausgeschlossen.“ HSV-Mitglieder müssten nicht ihr Parteibuch zeigen, betonte er. „Es geht hier schließlich nicht um Formalismus“, meinte Gottschalk, der seit seinem 13. Lebensjahr im HSV ist. „Wir können aber darauf pochen, dass unsere Werte eingehalten werden.“ Diese Werte seien unter anderen Toleranz, kein Rassismus, Kameradschaft, Solidarität und Fairness. „Es gibt genügend Sportlerinnen und Sportler, die meine Ansicht teilen.“ Nach eigener Aussage erhielt Gottschalk etliche Mails und Nachrichten via Facebook, in denen er wegen seines Antrags beschimpft und verunglimpft wurde. „Das sagen die Leute die gesichtslos und geschichtslos sind“, sagte der langjährige Vorsitzende des HSV-Seniorenrats. „Bei einigen ist es Kalkül, bei einigen Dummheit.“ Gottschalk ist seit 1981 aktives SPD-Mitglied. Kay Gottschalk, stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD und nicht mit Peter Gottschalk verwandt, hatte in einer Mitteilung den Antrag mit der Ausgrenzung jüdischer Mitglieder zwischen 1933 und 1945 verglichen. Er ist nach eigener Aussage seit 2005 Vereinsmitglied und hatte als Jugendlicher beim HSV auch Fußball gespielt.

Der frühere Seniorenrats-Chef Peter Gottschalk hat den Antrag gestellt, bei der Mitgliederversammlung des HSV e.V. am 18. Februar darüber abstimmen zu lassen, AfD-Mitglieder aus dem Klub auszuschließen. Die rechtspopulistische Partei reagierte darauf mit einem Beitrag bei Twitter und verglich diesen Vorgang mit dem Ausschluss von Juden aus vielen deutschen Vereinen zur NS-Zeit.

Der Antrag von Peter Gottschalk, alle Mitglieder der AfD aus dem HSV auszuschließen, sorgt weiter für Wirbel. Nun meldet sich sein Namensvetter Kay Gottschalk zu Wort. Der gebürtige Hamburger ist Stellvertreter der Parteivorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen und seit zehn Jahren HSV-Mitglied. „Angesichts der desolaten sportlichen Leistungen könnte man auf den Gedanken kommen, dass man mit allen Mitteln davon ablenken will“, erklärt er. „Kommt der Antrag so durch, demontiert sich der HSV.“ Kay Gottschalk war zuletzt dadurch aufgefallen, dass er zum Boykott türkischer Geschäfte aufgerufen hatte. Über den AfD-Antrag wird die Mitgliederversammlung am 18. Februar entscheiden.

Kay Gottschalk (Foto: dpa)

Die MOPO berichtete heute bei HSV24 über den Antrag des langjährigen Seniorenrats-Chefs Peter Gottschalk, am 18. Februar bei der Mitgliederversammlung des HSV e.V. darüber abstimmen zu lassen, keine AfD-Mitglieder im Verein und der Fußball-AG zuzulassen. Die Rechtspopulisten haben dazu eine Pressemitteilung verschickt, in der Alexander Wolf, Vorsitzender der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft und „bekennender HSV-Fan“, wie folgt zitiert wird: „Der Vorgang ist skandalös, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens sollte Sport nicht mit Politik vermengt werden – wenn man damit anfängt, wo hört man da auf. Zweitens: Während führende Sportfunktionäre, Verbände und Spitzensportler immer wieder zu Toleranz aufrufen, wird hier das genaue Gegenteil gefordert – Intoleranz pur. Es ist ein seltsames Demokratieverständnis, wenn man Mitglieder der drittstärksten Partei im Deutschen Bundestag stigmatisieren und ausgrenzen will. Diese undemokratische Ausgrenzungspolitik erinnert an ganz dunkle Zeiten der deutschen Geschichte.“

Am 18. Februar kommt es bei der Mitgliederversammlung des HSV e.V. nicht nur zum Wahl-Showdown zwischen dem amtierenden Präsidenten Jens Meier und Herausforderer Bernd Hoffmann. Auch über einen brisanten Antrag des langjährigen Seniorenrats-Chefs Peter Gottschalk wird dann abgestimmt: „Die Mitgliederversammlung fordert das Präsidium auf dafür zu sorgen, dass AfD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im Hamburger-Sport-Verein e.V. werden oder der HSV Fußball AG angehören.“ Seine Begründung: „Kein Platz für Rassismus! Toleranz und Solidarität sind Werte, die innerhalb jeder Sportart zählen.“

Seit einigen Tagen gibt es eine hitzige Debatte um die Mitgliedschaft von AfD-Wählern bei Eintracht Frankfurt, nachdem sich Klub-Präsident Peter Fischer offen gegen Anhänger der Partei gestellt hatte. „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“, so Fischer. In seiner Amtszeit würde es „keine Nazis bei Eintracht Frankfurt“ geben: „Es gibt für die braune Brut keinen Platz.“ Er „schäme“ sich für „13 Prozent der Bevölkerung, die die AfD gewählt haben. Ich will ihnen keinen Millimeter Fläche geben“. Die „Frankfurter Rundschau“ bat um eine Stellungnahme anderer Bundesliga-Klubs, die HSV-Führung positionierte sich in ihrer Antwort „generell klar gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass, Rassismus und jede Form der Diskriminierung. Wir übernehmen als multikultureller Verein Verantwortung, zum Beispiel mit verschiedenen Sportangeboten für Geflüchtete und über gelebte Integration im Verein. Unsere Mitglieder tragen und leben diese Grundwerte im HSV. Sollten Mitglieder mit ihrem Handeln dagegen verstoßen, gehen wir gegen ein solches Verhalten bis hin zu einem Ausschluss aus dem Verein konsequent vor.“