Titz tritt auf die Euphoriebremse: „Bloß nicht abheben!“

Nach drei Siegen aus den vergangenen vier Spielen hat der HSV plötzlich wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt. Doch trotz der starken Leistung gestern in Wolfsburg (3:1) tritt Christian Titz am Morgen danach vorsorglich auf die Euphoriebremse: „Wir haben noch nichts erreicht, wir sind lediglich auf zwei Punkte herangerückt und haben unsere Ausgangslage etwas verbessert. Jeder, der bei uns in der Kabine ist, weiß ganz genau, dass noch nichts erreicht ist, dass wir weiter voll konzentriert sein, uns auf unsere Leistung fokussieren müssen und nicht abheben dürfen.“

Freies Wochenende? Titz analysierte den VfB Stuttgart

Während er seinen Profis zuletzt ein freies Wochenende bescherte, nutzte Christian Titz die „freie Zeit“, um sich den nächsten Gegner anzuschauen. „Ich habe mir am Freitag und Sonnabend Videos vom VfB Stuttgart angesehen und komplett analysiert. Und ich habe ja auch einen recht großen Stab um mich herum, mit Leuten, die wirklich hervorragende Arbeit leisten. Wir sind also schon jetzt gut vorbereitet und das wird auch in unser Training mit einfließen“, sagte der HSV-Coach der MOPO.

Rolfes: „Es gibt keine Struktur im Verein“

Im „Doppelpass“ von Sport1 äußerte sich auch Simon Rolfes, Vize-Europameister von 2008, zur Lage in Hamburg. „Der HSV ist seit fünf Jahren im Abstiegskampf. Sie haben keine Qualitätsspieler. Man kann den Spielern nicht die Einstellung absprechen. Es fehlt einfach individuelle Qualität. Es gibt keine Struktur in dem Verein.“

Jarchow: „Ich sehe keine Chance mehr“

Carl Jarchow, der von 2011 bis 2015 an der Spitze des HSV gestanden hatte, hat sich im „Doppelpass“ bei Sport1 über die verheerende Situation geäußert. „Dass bei so einem Resultat die Fans keine Begeisterung zeigen, ist doch klar“, sagte der frühere Vorstands-Boss. „Ich sehe keine Chance mehr für den HSV in der Liga. Ich war gestern im Stadion und es war deprimierend. Gegen eine Mannschaft wie Mainz gegen zehn Leute – das ist schon hart.“ Der 62-Jährige analysierte: „Das Selbstbewusstsein ist völlig weg. Sie haben auch keinen Sturm, der Gefahr ausstrahlt. Es fehlen der Plan und die Überzeugung.“ Der FDP-Politiker gestand zudem ein: „Wir haben in der Vergangenheit zu schnell die Trainer gewechselt. Nur Thorsten Fink war mal zwei Jahre da. Ich habe auch den Abgang von Michael Gregoritsch nicht verstanden.“

Hollerbach: „Das war ein Klasse-Auftritt“

Bernd Hollerbach hat sich am Tag nach dem vermeintlichen K.o. gegen Mainz überraschend optimistisch geäußert. „Gestern war die Enttäuschung groß“, sagte der Trainer. „Jetzt haben wir eine Nacht drüber geschlafen und das Spiel analysiert. Was ich spielerisch gesehen habe, war richtig gut. Das war ein Klasse-Auftritt. Das einzige, was gefehlt hat, war das Tor. Man muss auch sagen, dass der Mainzer Torwart richtig gut war. Wir haben noch neun Spiele. Aufgeben liegt nicht in meiner DNA. Ich bin nach dem Spiel zuversichtlich, dass wir es noch schaffen werden.“ Mit Blick auf die kommenden Aufgaben beim FC Bayern fügte Hollerbach hinzu: „Bayern ist schwer, aber ich habe immer gesagt, dass man in jedem Spiel eine Chance hat.“

Bruchhagen: Abstieg gehört zum Sport

Der verhängnisvolle Transferstillstand in der Winterpause beschäftigt Heribert Bruchhagen, der nach Aussage von Klaus-Michael Kühne den Investor nicht um Hilfe gebeten hatte, auch weiterhin. „Mit der Hypothese, ob uns ein 15-Millionen-Euro-Stürmer den 50 Euro teuren Abstieg in die 2. Liga erspart hätte, wird man ewig leben müssen“, sagte der Vorstands-Boss, der durchblicken ließ, dass er den Weg freimachen werde, wenn ein Besserer komme. „Ich habe immer bereitgestanden, dass ich meine Position zur Verfügung stelle, wenn das das Beste für den HSV ist. Wenn der Aufsichtsrat diese Einschätzung hat, wird man mich abberufen und dann kommt ein anderer.“ Bruchhagen plauderte dabei auch ein Detail aus seinem Vertrag, den er am 20. Dezember bis 2019 verlängert hatte, aus. „In meinem Vertrag steht, dass der Aufsichtsrat mich darum bittet, bei der Suche nach meinem Nachfolger mitzuarbeiten.“ Zur Frage, ob der HSV einen Sportvorstand haben müsse, blieb Bruchhagen eine klare Antwort schuldig. „Das kann ich nicht sagen. Man kann den Vorstand unterschiedlich aufbauen. Wir werden unaufgeregt besprechen, was das Beste für den HSV ist.“ Die Botschaft für die kommenden Wochen klingt bei Bruchhagen so: „Ich kann nur appellieren, nicht zu stark in die selbstzerstörerische Resignation zu gehen. Wenn der Fall eintritt, gehört das auch zum Sport. Das ist bitter und hat eine andere Dimension, aber es ist meine Aufgabe darauf einzuwirken, dass es nicht chaotisch wird.“ Aktuell werde er daher auf keinen Fall die Brocken hinwerfen. „Das ist doch klar. Ich komme meinen Pflichten nach und handle verantwortungsvoll. Es ist doch selbstverständlich, dass ich die Planungsgespräche begleite und mir täglich anhöre.“

Hollerbach schützt seine Verlierer

Trotz der Niederlage in Dortmund zieht Bernd Hollerbach ein positives Fazit. „Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen, sie haben sich voll reingehauen“, stellte der Trainer des HSV fest. „Ich habe eine mutige Mannschaft gesehen, die richtig gekämpft hat. Wir waren gut organisiert, haben wenig zugelassen und waren mutig nach vorn. Mit dem ersten Schuss ist Dortmund nach dem Wechsel in Führung gegangen, dann war es ein offener Schlagabtausch.“

Das sagt Gisdol über die Krise und seine Rolle

Nun hat sich auch Markus Gisdol im Volkspark den Fragen der Reporter gestellt. Der Trainer des HSV wirkte auch nach dem 0:1 zum Auftakt der Rückrunde beim FC Augsburg (0:1) kämpferisch. Er sprach über…

…die Analyse der Start-Pleite: „Natürlich gab es viel zu besprechen, wir hatten uns den Auftakt anders vorgestellt. Es gibt unzählig viele Situationen, in denen wir im Umschaltspiel die falsche Entscheidung getroffen haben, in denen wir die sichere statt die mutige Variante wählen, den Quer- statt den Vertikalpass. Das zeige ich den Spielern in der Video-Analyse auf, weil es jedes Mal verpasste Chancen sind, torgefährlich zu werden.“

…die Sturm-Flaute: „Wenn man das gestrige Spiel sieht, muss man eingestehen, dass wir nach vorn zu harmlos sind. Es sieht immer ganz anständig aus, wie wir Fußball spielen, aber mit anständigen Fußball holst du eben keine Punkte. Du musst dem Gegner dann wehtun, wenn er unsortiert ist. An dieses Thema müssen wir weiter ran, das ist die Maßgabe, das gilt es jetzt intensiv zu trainieren.“

…die Stimmung im Team: „Die Situation nagt an den Spielern, das ist doch ganz klar. Wenn du nicht die notwendigen Punkte holst und mit dem Rücken an der Wand stehst, dann strotzen die Offensivspieler nicht vor Selbstvertrauen. Ich fordere den Mut ein, auch in der Offensive mutiger zu werden und mal das Risiko einzugehen, auch mal einen Fehler zu machen.“

…sein Handeln in psychologischer Hinsicht: „Da kann man nichts pauchal über die Mannschaft legen. Der eine Spieler benötigt mehr Druck, der andere muss auch mal in den Arm genommen werden. Da werde ich individuell reagieren.“

…die kommenden Aufgaben: „Es muss die Maxime sein, unsere Heimspiele zu gewinnen, eine Macht zu werden. Da müssen wir unsere Punkte holen.“

…mögliche Zugänge: „An der Situation hat sich seit Sommer nichts verändert. Wir haben einen kleinen Kader, aber es wäre mir jetzt zu einfach, mich dahinter zu verstecken. Auch die Mannschaft, wie sie ist, kann in der Bundesliga Spiele gewinnen.“

…die Kritik an seiner Arbeit: „Das ist Teil unseres Geschäfts, ich bin ja nicht ganz neu in der Bundesliga, das kommt in so einer Situation eben vor. Ich spüre nicht im Ansatz ein Misstrauen der Verantwortlichen, da stelle ich nichts fest. Wir sind ganz eng.“

Sakai: „Wir sind selbst schuld“

Gotoku Sakai haderte mit dem 1:3 in Mönchengladbach. „An der Niederlage sind wir selbst schuld“, befand der HSV-Kapitän. „Wir haben viele Konterchancen zugelassen. Das ist genau das, was Gladbach wollte.“ Vom kämpferischen Einsatz könne man der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Der Japaner forderte aber auch: „Wir können nicht ruhig bleiben, müssen ein bisschen Druck spüren.“

Gisdol: „Wir haben den Faden verloren“

Trainer Markus Gisdol haderte nach dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt mit dem Spielverlauf. „Wir haben eine gute Anfangsphase von uns gesehen“, sagte er. „Mit einem einfachen Fehler zum 1:1 lassen wir uns aber aus dem Tritt bringen und haben den Faden dann verloren. Wir hatten da eine Phase, die wir uns nicht erlauben können und die wir auch zuletzt nicht hatten. Diese 20 Minuten kannst du dir nicht erlauben und ich erwarte, dass Spieler in solchen Phasen die Verantwortung übernehmen. Wenn man dann in der zweiten Halbzeit keine Tore macht, dann hat man keine Punkte. Und wir brauchen Punkte.“