Trotz der Niederlage in Dortmund zieht Bernd Hollerbach ein positives Fazit. „Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen, sie haben sich voll reingehauen“, stellte der Trainer des HSV fest. „Ich habe eine mutige Mannschaft gesehen, die richtig gekämpft hat. Wir waren gut organisiert, haben wenig zugelassen und waren mutig nach vorn. Mit dem ersten Schuss ist Dortmund nach dem Wechsel in Führung gegangen, dann war es ein offener Schlagabtausch.“

Nun hat sich auch Markus Gisdol im Volkspark den Fragen der Reporter gestellt. Der Trainer des HSV wirkte auch nach dem 0:1 zum Auftakt der Rückrunde beim FC Augsburg (0:1) kämpferisch. Er sprach über…

…die Analyse der Start-Pleite: „Natürlich gab es viel zu besprechen, wir hatten uns den Auftakt anders vorgestellt. Es gibt unzählig viele Situationen, in denen wir im Umschaltspiel die falsche Entscheidung getroffen haben, in denen wir die sichere statt die mutige Variante wählen, den Quer- statt den Vertikalpass. Das zeige ich den Spielern in der Video-Analyse auf, weil es jedes Mal verpasste Chancen sind, torgefährlich zu werden.“

…die Sturm-Flaute: „Wenn man das gestrige Spiel sieht, muss man eingestehen, dass wir nach vorn zu harmlos sind. Es sieht immer ganz anständig aus, wie wir Fußball spielen, aber mit anständigen Fußball holst du eben keine Punkte. Du musst dem Gegner dann wehtun, wenn er unsortiert ist. An dieses Thema müssen wir weiter ran, das ist die Maßgabe, das gilt es jetzt intensiv zu trainieren.“

…die Stimmung im Team: „Die Situation nagt an den Spielern, das ist doch ganz klar. Wenn du nicht die notwendigen Punkte holst und mit dem Rücken an der Wand stehst, dann strotzen die Offensivspieler nicht vor Selbstvertrauen. Ich fordere den Mut ein, auch in der Offensive mutiger zu werden und mal das Risiko einzugehen, auch mal einen Fehler zu machen.“

…sein Handeln in psychologischer Hinsicht: „Da kann man nichts pauchal über die Mannschaft legen. Der eine Spieler benötigt mehr Druck, der andere muss auch mal in den Arm genommen werden. Da werde ich individuell reagieren.“

…die kommenden Aufgaben: „Es muss die Maxime sein, unsere Heimspiele zu gewinnen, eine Macht zu werden. Da müssen wir unsere Punkte holen.“

…mögliche Zugänge: „An der Situation hat sich seit Sommer nichts verändert. Wir haben einen kleinen Kader, aber es wäre mir jetzt zu einfach, mich dahinter zu verstecken. Auch die Mannschaft, wie sie ist, kann in der Bundesliga Spiele gewinnen.“

…die Kritik an seiner Arbeit: „Das ist Teil unseres Geschäfts, ich bin ja nicht ganz neu in der Bundesliga, das kommt in so einer Situation eben vor. Ich spüre nicht im Ansatz ein Misstrauen der Verantwortlichen, da stelle ich nichts fest. Wir sind ganz eng.“

Gotoku Sakai haderte mit dem 1:3 in Mönchengladbach. „An der Niederlage sind wir selbst schuld“, befand der HSV-Kapitän. „Wir haben viele Konterchancen zugelassen. Das ist genau das, was Gladbach wollte.“ Vom kämpferischen Einsatz könne man der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Der Japaner forderte aber auch: „Wir können nicht ruhig bleiben, müssen ein bisschen Druck spüren.“

Trainer Markus Gisdol haderte nach dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt mit dem Spielverlauf. „Wir haben eine gute Anfangsphase von uns gesehen“, sagte er. „Mit einem einfachen Fehler zum 1:1 lassen wir uns aber aus dem Tritt bringen und haben den Faden dann verloren. Wir hatten da eine Phase, die wir uns nicht erlauben können und die wir auch zuletzt nicht hatten. Diese 20 Minuten kannst du dir nicht erlauben und ich erwarte, dass Spieler in solchen Phasen die Verantwortung übernehmen. Wenn man dann in der zweiten Halbzeit keine Tore macht, dann hat man keine Punkte. Und wir brauchen Punkte.“

Heribert Bruchhagen war nach dem 1:2 gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt schwer enttäuscht. Vor allem der krasse Leistungsabfall nach der Führung irritierte den Vorstands-Boss. „Nachdem ich glaubte, dass wir mit der 1:0-Führung unser Spiel durchdrücken könnten, haben wir uns vogelwild gezeigt“, sagte er. „Wir haben dem Gegner riesige Räume geboten. Da hätte auch das 3:1 oder 4:1 fallen können.“ Abschließend hielt Bruchhagen fest: „Das war eine bittere Niederlage. Wir befinden uns im Existenzkampf.“

Tag eins nach dem 3:1 gegen Stuttgart. Die Spieler sind zur Pflege im Stadion. Auch Sportchef Jens Todt ist da. Er hat die Geschehnisse noch mal zusammengefasst. Und zwar mit gemischten Gefühlen. „Der Sieg fühlt sich auch heute noch gut an. Ein verdienter Erfolg mit einer engagierten Leistung. Endlich hatten unsere Fans mal wieder einen Grund zu singen. Es war ein rund um ein gelungener Tag. Mit ein bisschen Abstand muss man aber auch sagen, wir haben nach zehn Spielen elf Punkte. Das ist natürlich zu wenig. Wenn man das hochrechnet, haben wir am Ende 30,31 Punkte, damit steigt man ab.“

Auch sich selbst hinterfragt Markus Gisdol nach den vielen Nackenschlägen der vergangenen Wochen. „Es ist doch klar, dass ich als Trainer alles zu verantworten habe, was auf dem Platz passiert. Da will und werde ich mich auch nicht wegducken“, sagte der HSV-Coach, zeigte sich aber kämpferisch: „Ich tue alles, was in meiner Macht steht, um wieder erfolgreich zu sein. Da bin ich froh, einen Stab um mich zu haben, dem ich zu 100 Prozent vertraue. Zwischen uns passt kein Blatt.“

Markus Gisdol spricht nach der Pleite in Berlin, der siebten aus den zurückliegenden acht Spielen, Klartext: „Fakt ist, dass wir es so nicht Woche für Woche weiterlaufen lassen werden. Die Intensität, auch im Umgang miteinander, muss sich verändern“, sagte Gisdol und kündigte an, den Nachwuchskräften wie Fiete Arp oder Tatsuya Ito noch mehr Vertrauen zu schenken: „Vielleicht müssen wir das Risiko ein bisschen erhöhen und die Jungen noch mehr reinschieben. Was sie zeigen, ist erfrischend. Die Leistung zählt, das ist klar.“

Am Morgen nach der Niederlage gegen den FC Bayern hat sich nun auch Heribert Bruchhagen zu Wort gemeldet. „Man ist immer enttäuscht, ob man nun 0:1 oder 1:4 verliert. Da tröstet es auch nicht, dass uns von allen Seiten eine aufopferungsvolle Leistung bescheinigt wird“, sagte der HSV-Boss im Sport1-„Doppelpass“ und fügte an: „Ganz ohne Zweifel ist die Negativserie beängstigend, aber man muss auch sehen, welche Gegner wir darunter hatten: Leipzig, Dortmund, Bayern. Das sind die Topteams der Liga, da sind wir nicht auf Augenhöhe. Wir wissen, dass wir viel zu tun haben und hart arbeiten müssen. Aber wir sind weit davon entfernt, panisch zu werden und zu resignieren.“