Darf er bleiben? Muss er gehen? Auf der Zielgeraden der Saison geht es nicht nur um das Schicksal des HSV in der Bundesliga, sondern auch um die berufliche Zukunft von Coach Christian Titz, der retten soll, was Markus Gisdol und Bernd Hollerbach dem Klub mit dem Team eingebrockt haben. Aufsichtsrat Marcell Jansen mag sich nicht festlegen, sagte bei NDR 90,3: „Wir haben noch drei ganz, ganz wichtige Spiele. Und ich denke, das ist auch eine gute Bühne für den Trainer.“

Heribert Bruchhagen hat in der Talk-Sendung „Sky 90“ erklärt, er wünsche sich „aus ganzem Herzen, dass der HSV es noch schafft“. Stellung bezog der frühere Vorstandsvorsitzende zum verhängnisvollen Transferstillstand des Winters. „Wir haben in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig beschlossen, dass wir ein ausgeglichenes finanzielles Ergebnis haben wollen“, sagte er und verwies auf die Konkurrenz: „Die Kölner haben Terodde geholt. Zu Recht. Aber das hat letztlich auch zu keinem anderen Ergebnis geführt. Der Markt hat auch nicht so viel hergegeben. Im Nachhinein kann man immer argumentieren, aber ob das Ergebnis ein anderes geworden wäre, weiß man auch nicht.“ Bruchhagen schloss aber mit dem Geständnis: „Wir haben mit unserer Einschätzung falsch gelegen.“ Er habe daher eine Mitverantwortung, wenn der HSV absteigen sollte. „Ja. Selbstverständlich“, sagte er. „Ich habe nicht erwartet, dass es in diese Richtung gehen würde. Der HSV ist ein ordentlich geführter Verein, aber letztlich sportlich zu schwach. Daran hat jeder seinen Anteil.“

Ist der HSV im Falle des Abstiegs voll handlungsfähig? Vorstand Frank Wettstein hat dazu eine klare Meinung. „Das sind wir. Wir stimmen uns die ganze Zeit intensiv mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Hoffmann ab. Wir planen zweigleisig und werden auch weiterhin Spielerverhandlungen führen und bestenfalls Verpflichtungen für die Zukunft tätigen wie zuletzt David Bates von den Glasgow Rangers“, sagt er im Interview mit der vereinseigenen Homepage. „Doch das soll jetzt nicht thematisiert werden. Wir müssen jetzt einen anderen Fokus haben: Am Sonnabend kommt der SC Freiburg ins Volksparkstadion. Wir müssen den Breisgauern so begegnen wie dem FC Schalke 04. Das zählt.“

Nach dem „Abendblatt“ erhebt nun „Der Spiegel“ Vorwürfe gegen Thomas von Heesen, der zurzeit als Sportlicher Berater des HSV-Vorstands arbeitet. Die Klub-Legende sei derzeit an mindestens 14 Unternehmen beteiligt, berichtet das Nachrichtenmagazin. Laut „Abendblatt“ hatte von Heesens Anwalt Stephan Grulert hingegen versichert, dass sein Mandant „nur noch in der TvH Sportmarketing aktiv“ sei. „Die Firma European Talents Ressources war einmal angedacht, ist aber nie gegründet worden.“ Über diese Firma soll sich von Heesen in seiner Zeit als HSV-Aufsichtsrat angeblich Anteile am portugiesischen Profi Gonçalo Guedes gesichert haben. Von Heesens Anwalt dementiert dies gegenüber dem „Abendblatt“. „Die Co-Operation mit Guedes hat letztlich nicht stattgefunden“, versichert Grulert. Von Heesen hatte damals einem Geschäftspartner geschrieben, eine halbe Million für Guedes sei „investiert“. Grulert hält hierzu fest: „Investiert bedeutet, dass die VOH 2 dort investiert und bezahlt hat.“

Ex-HSV-Trainer Huub Stevens steht auf der Kandidatenliste für ein Mandat im Aufsichtsrat des FC Schalke 04. Der 64-jährige Niederländer will sich bei der Mitgliederversammlung am 3. Juni zur Wahl stellen, wie der Verein am Dienstag bekanntgab. Außer Stevens wurden vom Wahlausschuss drei weitere Kandidaten zugelassen. Die Wahl von zwei Aufsichtsratsmitgliedern ist einer der Tagesordnungspunkte bei der Mitgliederversammlung. Stevens ist seit 1996 Mitglied des FC Schalke 04.

Sportchef Jens Todt und Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen hatten den Kader des HSV bekanntlich in der Winterpause nicht verstärkt. Eine verhängnisvolle Fehlentscheidung aus Sicht von Torwart-Legende Uli Stein, der im TV-Talk „Sky 90″ kritiserte: „Ich fand es grob fahrlässig, dass man nicht im Bereich seiner Möglichkeiten nachgelegt hat. Auf dem Markt wären genug Leute gewesen, die für den HSV in Frage gekommen wären und den HSV verstärkt hätten. Davon bin ich überzeugt. Die Konsequenz, dass man das nicht getan hat, sieht man jetzt. Einfach sehenden Auges ins Verderben zu stürzen, da fehlen einem die Worte. Man kann es gar nicht mehr erklären, wie man so schlecht arbeiten und wirtschaften kann, wie es der HSV in den vergangenen Jahren getan hat.“ Es sei aber letztlich nur die Fortsetzung der Fehler der Vergangenheit gewesen, führte Stein aus. „Die Leute, die das zu verantworten haben, sind jetzt nicht mehr da. Wer beim HSV in den letzten Jahren alles was zu sagen hatte“, schüttelte der frühere Nationaltorhüter den Kopf, „das waren Leute, die vom Fußball überhaupt keine Ahnung haben, das war fürchterlich, was da abgelaufen ist: in sportlicher Hinsicht, bei der Kaderverstärkung, bei der Außendarstellung. Das ist ein trauriges Bild. Der HSV ist der größte Witzverein der Nation. Über keinen Verein werden so viele Witze gerissen wie über den HSV. Das hat sich der HSV auch alles erarbeitet – im negativen Sinn.“

Der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann und sein Stellvertreter Max-Arnold Köttgen haben sich nach Informationen der „Bild“ am Sonntag mit Klaus-Michael Kühne  in dessen neuem Hamburger Luxus-Hotel „The Fontenay“, das heute offiziell eröffnet worden ist, getroffen. Es dürfte dabei um mögliche Bürgschaften gegangen sein, die es dem HSV ermöglichen sollen, die Lizenz für die kommende Saison zu erhalten. „Es ist zwingend notwendig, dass man Herrn Kühne so schnell wie möglich und so häufig wie möglich mit ins Boot nimmt“, betonte Hoffmann im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens. „Das heißt nicht, dass man sich irgendwelche Entscheidungen abnehmen lässt, aber es geht darum, Herrn Kühne mit im Boot zu haben. Daher pflege ich mit ihm einen häufigen und ausgesprochen guten Austausch.“

Felix Magath hat nach der Entlassung von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt eine Rückkehr zum HSV unter den aktuellen Voraussetzungen ausgeschlossen. „Ich werde dem HSV selbstverständlich helfen, wenn ich kann. Aber ich sehe da keine Möglichkeit mit den Personen, die beim HSV sind“, sagte der 64-Jährige. Er habe zum HSV „natürlich ein anderes Verhältnis als zu anderen Bundesligavereinen“, sagte der 64-Jährige, der von 1976 bis 1986 insgesamt 306 Bundesliga-Spiele für die Hamburger bestritt. Die aktuelle Situation sei aber unbefriedigend. „Ich sehe da keinen, der in den letzten Jahren Verantwortung getragen hat. Außer Trainer und Manager auszuwechseln, ist den Verantwortlichen leider nicht viel eingefallen“, sagte Magath. Die Entlassungen von Bruchhagen und Todt nannte Magath sowohl „überraschend“ als auch „überfällig“. Er sei am Wochenende in Hamburg gewesen und habe sich „gewundert und gefragt: Passiert denn hier nie etwas, gibt es hier denn nie eine Entscheidung? Von daher war ich überrascht, als heute Morgen tatsächlich, ich weiß nicht wer, aber irgendjemand doch eine Entscheidung getroffen hat“, sagte er. Dies sei „die einzige Chance“, den Abstieg zu vermeiden. Bruchhagen und Todt hätten „nichts bewegt“. Das Verhältnis von Magath und Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann gilt als unterkühlt.

Bernd Hoffmann ist der starke Mann beim HSV. Am Donnerstag bekam der Verein das zu spüren, als der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt ihre Sachen packen mussten. Hoffmann hatte vor knapp drei Wochen den personellen Umbruch in der Führung der Fußball-AG bei seiner Wahl zum Präsidenten des Gesamtvereins angedeutet. „Der Erfolg eines Bundesligisten hängt von sieben bis acht Personalien ab“, sagte er. Dass er einen Teil davon schon 18 Tage später umsetzen würde, damit hatte kaum jemand gerechnet. Ebenso überraschend war, dass er nur 14 Tage nach seiner Einführung in den Aufsichtsrat vom Stellvertreter zum Chef aufstieg.
Der 55-jährige Hoffmann, Vater von zwei Zwillings-Pärchen, ist ein Mann, der gern am Ruder steht. Das hatte er schon in seiner ersten Amtszeit von 2003 bis 2011 beim HSV bewiesen. Der Vereinsvorsitzende schaffte es damals, den Bundesliga-Dino HSV in bessere sportliche Regionen zu führen. Der Verein bestritt in der Zeit 78 Europacupspiele. Seine erfolgreichste Zeit hatte Hoffmann mit Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. Beide waren grundverschieden, ergänzten sich aber. Zu einem Titel, ob national oder international, hatte es jedoch nie gereicht. Jetzt ist die sportliche und finanzielle Situation dramatisch. Da wird der gebürtige Leverkusener Hoffmann von vielen Fans und Mitgliedern als Retter angesehen. Andere, vor allem die älteren der 77 000 Vereinsmitglieder, sind skeptisch. Ihnen schwant bei der Entwicklung der anderen Sportarten im Klub, für die der e.V.-Präsident zuallererst zuständig ist, nichts Gutes.

In einem Interview auf der Homepage des HSV hat Bernd Hoffmann Stellung zur Entlassung von Heribert Bruchhagen bezogen. „Wir haben die jüngste Vergangenheit intensiv zur Analyse der Gesamtlage genutzt und sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir die Neuausrichtung des HSV jetzt unmittelbar beginnen müssen“, sagte der neue Aufsichtsratsvorsitzende. Er hab zu verstehen dass er Bruchhagen keineswegs als Hauptschuldigen für die aktuelle Krise sehe. „Zu der aktuellen Gesamtlage haben eine Vielzahl von Ursachen und Entwicklungen über Jahre beigetragen. Heribert Bruchhagen trug zuletzt als Vorstandsvorsitzender die Hauptverantwortung, was er selbst ja auch immer wieder betont hat. Es ist keine Trennung im Streit. Heribert Bruchhagen hat sich stets schützend vor unseren Klub gestellt. Ihm war und ist sehr daran gelegen, dass der HSV die aktuelle sportliche Talsohle überwindet.“ Ob die neuerliche Unruhe die Restchancen auf den Klassenerhalt reduziere? Hoffmann antwortet: „Für uns als Aufsichtsrat geht es um das Gesamtwohl der HSV Fußball AG. Wir sehen die Notwendigkeit zur Entwicklung einer Strategie, die den HSV langfristig stabilisiert und in bessere Zeiten führen soll. Der Vorstand bleibt dank Frank Wettstein operativ voll handlungsfähig.“ Zur Nachfolge von Bruchhagen könne er sich erst äußern, „wenn wir den Prozess der Nachfolgersuche beendet haben. Ich werde Ihnen kein Datum und auch keine Namen nennen. Wir erstellen ein konkretes Anforderungsprofil und starten einen geordneten Prozess, mit dem wir den besten Kandidaten für den HSV finden wollen. Wir müssen mit den Erfahrungen der Vergangenheit und mit dem Blick auf die Zukunft unseres Klubs dahin kommen, dass wir nicht die schnellste oder namhafteste Lösung präsentieren, sondern die richtige“. Das Anforderungsprofil für einen Vorstandsvorsitzenden werde man nicht öffentlich diskutieren, „sondern es mit höchster Priorität intern behandeln. Klar ist aber natürlich, dass wir uns intensiv mit der Persönlichkeit der potenziellen Kandidaten und mit ihrer Managementfähigkeit beschäftigen werden. Ziel muss es zudem sein, eine Person zu finden, die langfristig die Neuausrichtung des HSV steuern kann“. Die Neuordnung des Aufsichtsrats – Hoffmann löste Michael Krall als Vorsitzenden ab – sei ohne Streit abgelaufen. „Wir hatten im Aufsichtsrat sehr intensive und offene Diskussionen, die wir zu allen Punkten mit einstimmigen Entscheidungen abschließen konnten. In Anbetracht meiner Erfahrung im Profifußball hat der Aufsichtsrat mich – ebenfalls einstimmig – gebeten, die Neuausrichtung des HSV maßgeblich mit voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund hat der Aufsichtsrat die interne Umstellung mit mir als Vorsitzenden und Max-Arnold Köttgen als Stellvertreter einstimmig beschlossen. Michael Krall bereichert das Gremium weiterhin als Aufsichtsratsmitglied.“