Mit einem Sieg am vorletzten Spieltag bei Eintracht Frankfurt hätte der HSV auf Platz 16 klettern und statt des VfL Wolfsburg in der Relegation gegen Holstein Kiel antreten können. Zunächst schien auch alles nach Plan zu laufen, Tatsuya Ito brachte die Hamburger Mitte der ersten Halbzeit in Führung. Doch Schiedsrichter Deniz Aytekin nachm den Treffer zurück, weil ihn Video-Assistent Günter Perl auf eine Abseitstellung des Japaners aufmerksam machte. „Ich hätte das Tor, das der HSV gegen uns erzielt hat, nicht zurückgepfiffen“, gestand nun Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic bei „Funke Mediengruppe“ ein und kritisierte den Videobeweis: „Die letzten sechs, sieben Wochen hat es noch mal eine Wendung zum Negativen genommen. Mit engen Abseitsentscheidungen.“ Wie im Fall Ito.

Es war die strittigste und am hitzigsten diskutierte Szene des vergangenen Spieltags: Tatsuya Ito trifft, der HSV feiert den Führungstreffer bei Eintracht Frankfurt, doch Video-Assistent Günter Perl greift ein und sorgt dafür, dass Schiedsrichter Deniz Aytekin das Tor annulliert. Zuvor hatte der Referee auch Kontakt zu seinem Assistenten Christian Dietz. Was dieser ihm per Funk durchgab? Aytekin: „Der Linienrichter hat mir gesagt, dass es sehr sehr knapp für ihn war. Er hat mir sogar mitgeteilt, dass Ito tendenziell eher drin war.“ Den Ärger der Hamburger und die Diskussion über die Entscheidung konnte der Schiedsrichter nicht nachvollziehen: „Worüber reden wir hier? Wir haben diese technische Möglichkeit, deswegen ist sie ja auch eingeführt worden. Und deshalb haben wir Gebrauch davon gemacht. Wir müssen uns an die Fakten halten. Und die Fakten sind in dieser Situation so, dass es sich um eine Abseitsposition handelt. Und das war der Grund, warum wir das Tor aberkennen mussten.“

Die Diskussion um Tatsuya Itos wegen des Videoassistenten Günter Perl nicht gegebenen Tores geht weiter. Gegenüber Sky sagte Schiri Deniz Aytekin, der den Treffer zunächst anerkannt hatte: „Der Videoassistent hat mich angefunkt und war sich sicher. Und wenn man sich das anguckt, ist es eben abseits. Es war eine faktische Entscheidung, deswegen bin ich nicht noch rausgelaufen, um es mir anzugucken. Das ist auch so im Regelwerk festgehalten. Dann ist es so, dass ich nicht noch zusätzlich rauslaufen muss. Wir müssen uns an die Fakten halten: Und da war es abseits!“

Foto: Imago

Abseits? Oder reguläres Tor? Tatsuya Ito hatte den HSV in Frankfurt in Führung gebracht, doch nach Videobeweis wurde der Treffer annulliert. Bitter! War es eine korrekte oder eine Fehlentscheidung? Der frühere FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer schreibt in seiner „Bild“-Kolumne: „Es war die strittigste Szene des Spieltags. Hamburgs Ito trifft nach Pass von Hunt zum 1:0 in Frankfurt. Schiri Deniz Aytekin gibt den Treffer zunächst, erkennt das Tor nach Eingriff des Video-Assistenten Günter Perl aber ab – da Ito im Abseits gewesen sein soll. Zunächst muss man zwei Dinge festhalten: Jedes Tor muss vom Video-Assistenten überprüft werden. Und: Der Video-Assistent soll nur bei glasklaren Fehlentscheidungen eingreifen. Wenn Ito also nur einen Zentimeter im Abseits steht, wäre das eine glasklare Fehlentscheidung – denn Abseits ist Abseits. Egal, ob einen Zentimeter oder zwei Meter. Für mich ist es auch nach wiederholter Ansicht der TV-Bilder nicht möglich, zu 100 Prozent zu sagen, ob eine Abseitsstellung vorlag oder nicht. Das TV-Bild ist verzerrt, da die Kamera nicht auf Höhe Itos steht – und ohne den Einsatz einer kalibrierten Abseitslinie ist es unmöglich, die Frage klar zu beantworten. Für den Video-Assistenten eine total undankbare Situation, denn hätte das Tor gezählt, wären auch Zweifel aufgekommen.“

Der Schiedsrichter für das Spiel in Frankfurt steht fest. Deniz Aytekin wird die Partie leiten. Für den Betriebswirt aus Oberasbach ist es der 21. Einsatz als Hauptschiedsrichter bei einem HSV-Spiel. Die Bilanz aus Hamburger Sicht: Sechs Siege, vier Unentschieden und zehn Niederlagen.

Deniz Aytekin wurde als Schiedsrichter für das Nordderby gegen Werder Bremen angesetzt. Zuletzt beim 0:2 gegen Leipzig sowie beim Pokal-Aus in Osnabrück (1:3) hatte er dem HSV kein Glück gebracht. Insgesamt ist die Hamburger Bundesliga-Bilanz unter diesem Referre negativ: sechs Siege, zwei Unentschieden, neun Niederlagen

FIFA-Referee Deniz Aytekin aus Oberasbach wird die Partie zwischen dem HSV und RB Leipzig pfeifen. Der 39-jährige Diplom-Betriebswirt leitete bisher 130 Bundesliga-Spiele. 18 Mal pfiff er dabei den HSV, die Bilanz ist negativ (sechs Siege, drei Remis und neun Niederlagen), zuletzt bei der 1:3-Blamage in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten VfL Osnabrück. Dreimal kam er bei Spielen von RB Leipzig zum Einsatz (zwei Siege, ein Remis).

FIFA-Schiedsrichter Deniz Aytekin aus Oberasbach leitet am Freitag die Partie zwischen dem HSV und RB Leipzig. Als Assistenten sind Christian Dietz aus München und Eduard Beitinger aus Regensburg im Einsatz. Vierter Offizieller ist Harm Osmers aus Hannover, Video-Assistent Dr. Jochen Drees aus Münster-Sarmsheim. Die HSV-Bilanz unter Aytekin ist negativ, in 18 Pfichtspielen gab es sechs Siege, drei Remis und neun Niederlagen – zuletzt beim 1:3 im Pokal in Osnabrück.