Mitten in die Saisonabschlussparty in Mainz mischten sich Hohn und Spott über den HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir“, sangen die Fans von Werder Bremen schon während des ziemlich unbedeutenden 2:1.-Sieges. Unter großem Jubel wurde ein weiß-blaues „Absteiger“-Plakat aufgehängt. Bremens Klub-Bosse waren aber ein wenig zurückhaltender. „Das ist schade für den HSV, ein bisschen werden sie schon fehlen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode, der als Profi viele, hitzige Nordderbys miterlebt hat: „Aber ich denke, dass sie nicht so lange in der zweiten Liga bleiben werden.“ Geschäftsführer Klaus Filbry sagte: „Das Nordderby ist ein Klassiker wie Schalke gegen Dortmund. Das wird fehlen.“ Sport-Geschäftsführer Frank Baumann empfand ebenfalls keine Schadenfreude. „Für den Verein und die Stadt Hamburg ist das schade“, sagte Baumann. „Ich denke aber, der HSV wird sich so aufstellen, dass der Aufenthalt in der 2. Liga nicht ganz so lange dauert und wir irgendwann wieder emotionale und schöne Nordderbys in der Bundesliga erleben werden.“ Auch Werder-Profi Jérôme Gondorf wird die Hamburger vermissen. „Die Brisanz des Derbys wird fehlen“, stellte der Mittelfeldspieler fest. „Ich finde schon, dass es ein Verlust ist. Denn die Liga ist umso attraktiver, je mehr große Vereine mitspielen.“

Werder-Sportchef Frank Baumann hat sich bei Sky über die Pyro-Schande geäußert: „Das sind Bilder, die man im Stadion nicht sehen möchte. Der HSV hatte zahlreiche Ordner mitgeschickt, die Polizei war gut aufgestellt. Aber so etwas lässt sich nicht verhindern. Das kann man nur aufs Schärfste verurteilen, für mich sind das auch keine Fans.“ Ein Rucksack sei über die Barrieren des Stadions geworfen, der Täter gefasst worden, berichtete Baumann.

Der HSV würde sich gern verstärken, konnte aber bisher noch keinen Abschluss vermelden. So bleibt Bernd Hollerbach („Der Sportchef kennt meine Wünsche“) nur ein neidvoller Blick zur Konkurrenz im Abstiegskampf: Werder Bremen holt Rechtsaußen Milot Rashica (21) vom niederländischen Erstligisten Vitesse Arnhem. „Der Wechsel steht kurz vor dem Abschluss, es fehlen nur noch einige Details. Nach dem Ausfall von Fin Bartels haben wir nach einem Spieler geschaut, der eine gewisse Geschwindigkeit und ähnliche Spielanlagen in der Offensive mitbringt. Milot ist ein Spieler, der genau in dieses Anforderungsprofil passt und uns sofort weiter hilft. Ich gehe davon aus, dass er bereits morgen mit der Mannschaft trainieren wird“, sagte Werder-Manager Frank Baumann.

Mit dem ersten Freistoß-Tor seiner Bundesliga-Karriere sorgte Filip Kostic gestern für das 2:0 und damit die Vorentscheidung. Der HSV-Linksaußen profitierte bei seinem 32-Meter-Kracher von einer Hoffenheimer Fehlerkette. „Den Ball muss ich halten. Fertig“, nahm TSG-Keeper Oliver Baumann den Gegentreffer auf seine Kappe: „Ich bekomme die linke Hand nicht schnell genug runter.“ Aber warum hatten die Gäste auf eine Mauer verzichtet? Völlig unsortiert formierten sich Nadiem Amiri, Mark Uth und Florian Grillitsch an der von Schiedsrichter Bastian Dankert gezogenen Markierung, mehrere Meter weit auseinander stehend. „Ich wollte den Ball sehen und einen Spieler links und einen rechts davon. Aber nicht so weit auseinander, da war der Abstand zu groß“, sagte Baumann. Und 1899-Coach Julian Nagelsmann? War bedient! „Ich kümmere mich nicht um die Mauer. Wenn ich mich auch noch um eine Mauer kümmere, komme ich gar nicht mehr zum Schlafen.“

Werder Bremen muss weiter auf Kapitän Zlatko Junuzovic verzichten. Im Duell mit dem HSV werde es noch nicht dabei sein können, doch am Ende der Länderspielpause Anfang Oktober dürfte der Österreicher wieder ins Teamtraining einsteigen, erklärte Frank Baumann: „Das sind noch drei Wochen – ein Zeitraum, nach dem es nicht ausgeschlossen ist, dass er wieder dabei ist“, sagte der Bremer Sportchef.

Werders Sportchef Frank Baumann hat sich zur Rückkehr des Ex-Bremers Aaron Hunt ins Weserstadion geäußert: „Ich würde mich freuen, wenn Aaron positiv empfangen wird. Er hatte gute Jahre hier. Ich freue mich, ihn wiederzusehen.“ Schmunzelnd fügte er hinzu: „Aaron hat einen guten Lauf. Ich bin aber positiv, dass er Sonntag etwas ruhiger macht und sich an seine Wurzeln erinnert.“

Im vergangenen Sommer wurde Jaroslav Drobny beim HSV aussortiert, in Werder Bremen fand der Torwart einen neuen Arbeitgeber – und erlebt dort eine Achterbahnfahrt. Zehn Einsätze stehen für ihn zu Buche, ein Handgelenksbruch und eine Rotsperre warfen den Tschechen zurück, zuletzt war er nur Ersatzmann von Felix Wiedwald. Doch Sportdirektor Frank Baumann will den 37-Jährigen über die Saison hinaus binden. Der Verein könne sich eine Verlängerung „gut vorstellen“, verriet er im „Kicker“ und betonte: „Drobny hat sportlich seinen Mann gestanden, zudem haben wir immer gesagt, dass er auch als Persönlichkeit für uns ein ganz wichtiger Faktor im Team ist.“

Mit der Entlassung des Trainers war Werder Bremen schneller als des HSV, schon nach dem dritten Spieltag wurde Viktor Skripnik gefeuert. Nachdem aber Wunschkandidat Markus Gisdol absagte und sich lieber für Hamburg entschied, läuft die Suche nach einem Nachfolger an der Weser bislang erfolglos. Was Sportdirektor Frank Baumann nun zu einer Spitze gegen den HSV veranlasste: „Wir suchen erst seit zehn Tagen einen neuen Coach. Andere beschäftigen sich hinter dem Rücken ihres Trainers damit…“ Anders ausgedrückt: Werders Manager wirft HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer im Umgang mit dem nach fünf Spielen entlassenen Bruno Labbadia schlechten Stil vor.

Werder Bremens Manager Frank Baumann rechnet nach Gesprächen mit Markus Gisdol mit einem Wechsel des Trainers zum HSV. „Er war einer der Kandidaten, mit denen wir uns intensiver beschäftigt haben“, sagte Baumann der „Kreiszeitung Syke“. Baumann zufolge steht Gisdols Einigung mit dem norddeutschen Nachbarn bevor. „Nach meinen Informationen ist er dort ein Kandidat – und man kann davon ausgehen, dass er zum HSV geht.“

Der Wechsel von Jaroslav Drobny vom HSV zum Erzrivalen Werder Bremen löste bei den Hamburger Fans gemischte Gefühle aus. Einige verteufelten den Keeper, andere zeigten Verständnis für den 36-Jährigen, der beim Liga-Dino aussortiert worden war. Heute nun erklärte Werder-Sportchef Frank Baumann, dass sich der Tscheche in Bremen mit der Reservisten-Rolle begnügen müsse. „Felix Wiedwald geht als Nummer eins in die Saison“, sagte er bei „Sky Sport News HD“.