Er bleibt der Wunschkandidat von HSV-Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann. Der 55-Jährige will Jonas Boldt, Manager von Bayer Leverkusen, davon überzeugen, Sportvorstand des HSV zu werden. Noch aber ist der 36-Jährige natürlich für Bayer tätig, wenn er Gespräche mit Spielern führt. Aktuell verriet er gegenüber der „Bild“, dass es ein Treffen mit Hertha-Rechtsverteidiger Mitchell Weiser gegeben habe. Dabei wird es zwar kaum um die Vorzüge von Hamburg gegangen sein, geholfen aber könnte das Bekanntwerden des Transfer-Gesprächs dem HSV dennoch, schließlich sorgt die Boldt-Aktion für mächtig Unruhe beim nächsten Gegner der „Rothosen“. Am Sonnabend empfängt der HSV im Volkspark Hertha BSC.

In der Freitags-Ausgabe der MOPO hatte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler einem Wechsel von Manager Jonas Boldt zum HSV bereits einen Riegel vorschieben wollen. „Jonas wird noch viele Jahre bei Bayer bleiben“, hatte Völler erklärt und die Spekulationen über einen Wechsel des Wunschkandidaten von Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann als „Blödsinn“ bezeichnet. In der „BILD“ bekräftigt Völler nun: „Jonas bleibt bei uns. Er hat als Praktikant bei uns angefangen, kennt hier jeden Stein. Ihm gehört bei Bayer 04 die Zukunft und das weiß er auch.“ Der Weltmeister von 1990 scheint sich sicher zu sein, dass der 36-jährige Boldt nicht vor dem Sprung nach Hamburg steht. „Dass Jonas Boldt aufgrund seiner Vita und seiner hervorragenden Arbeit seit vielen Jahren bei uns für andere Vereine interessant ist, ist ganz normal. Alles andere würde mich auch verwundern. Das spricht für ihn und auch für uns als Klub.“ Bayer Leverkusen will dem Zwei-Meter-Mann daher nach dieser Saison offenbar den Posten des Sporttechnischen Direktors anbieten. „Das hat gar nichts damit zu tun, dass es Interesse an seiner Person gibt – wir sind schon seit Längerem in Gesprächen mit ihm. Denn ab Sommer werden wir uns neu aufstellen und dabei spielt Jonas eine ganz zentrale und noch wichtigere Rolle als bisher schon.“

Dass der HSV vor dem erstmaligen Bundesliga-Abstieg steht, schmerzt auch Jonathan Tah. Der gebürtige Hamburger, der 2015 für 7,5 Millionen Euro vom HSV zu Bayer Leverkusen wechselte und inzwischen laut transfermarkt.de einen Marktwert von 25 Millionen Euro besitzt, sagte im Interview mit dem „Express“: „Ich verfolge das Geschehen noch genau. Sie stecken natürlich in einer sehr schwierigen Situation. Es ist traurig zu sehen, dass es nicht läuft. Ich fände es sehr schade, wenn sie absteigen, sie gehören in die Bundesliga.“

Trotz einiger lukrativer Anfragen hat Jonathan Tah den Entschluss gefasst, seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen vorzeitig bis 2023 zu verlängern. Blöd für den HSV, der bei einem Weiterverkauf des Verteidigers immerhin zehn Prozent des Transfergewinns eingestrichen hätte. Zuletzt waren der FC Barcelona und Borussia Dortmund als Kandidaten genannt worden.

Nachdem schon Bayer-Manager Jonas Boldt über die körperbetonte Spielweise des HSV gejammert hatte, legte nun Leverkusens Trainer Heiko Herrlich nach: „Angeschlagene Boxer sind immer brandgefährlich. Deshalb wird der HSV morgen auch an der Grenze des Erlaubten spielen, da bin ich mir sicher“, stellte er fest und nahm Referee Dr. Felix Brych in die Pflicht: „Aber dafür gibt es ja ein Schiedsrichter-Team.“

In den vergangenen Jahren bediente sich Bayer Leverkusen immer wieder beim HSV. Der Werksklub schnappte sich mit Heung Min Son, Hakan Calhanoglu, Jonathan Tah und Levin Öztunali bereits vier Hamburger Top-Talente. Wie der „Kicker“ berichtet, könnte im kommenden Sommer ein weiterer Transfer von der Elbe an den Rhein geben: Bayer ist heiß auf Fiete Arp (18), dessen Vertrag beim HSV bis 2019 befristet ist.

Die Fakten beim HSV klingen düster: In den letzten vier Spielen gelangen null Tore, dafür kassierten die Rothosen zehn Gegentreffer. Nach der Klatsche in Leverkusen zog Coach Markus Gisdol  dennoch ein versöhnliches Fazit: „Wenn man gegen ein so konterstarkes Team in Rückstand gerät, ist es immer schwer zurückzukommen. Wir haben unsere Chancen leider nicht genutzt. Insgesamt war es ein verdienter Sieg für Bayer.” Gleichzeitig legte Gisdol aber zügig den Fokus auf die nächste Aufgabe: „Wir müssen das jetzt schnell aufarbeiten und uns auf das Nordderby gegen Bremen konzentrieren.“