Das kommt dann doch überraschend. Nachdem Ex-HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer lange als Topfavorit auf den Geschäftsführer-Posten beim 1. FC Köln galt, hat sich das Liga-Schlusslicht nun für Armin Veh entschieden. Der ehemalige HSV-Trainer hat in Köln einen Vertrag bis 2020 unterschrieben. Er tritt seinen Dienst am 11. Dezember an. Armin Veh sagt: „Auf die Möglichkeit, beim 1. FC Köln ein nachhaltiges Projekt anzugehen, freue ich mich sehr. Die Verantwortlichen des FC haben mich davon sofort begeistert und ich sehe es als riesige Herausforderung und zugleich eine tolle Möglichkeiten, in diesem faszinierenden Traditionsclub etwas zu bewegen. Ich drücke der Mannschaft und dem Trainerteam die Daumen, dass sie schon am Donnerstag in Belgrad und dann im Spiel gegen den SC Freiburg mit Siegen ein echtes Zeichen setzen können.“

Werner Spinner hatte keine Lust, die Personalie Dietmar Beiersdorfer zu kommentieren. Auf die Frage, ob man mit dem früheren HSV-Boss verhandelt habe, ließ sich der FC-Präsident zu einer schnippischen Antwort hinreißen: „Vielleicht war er hier auf dem Weihnachtsmarkt.“ Geschäftsführer Alexander Wehrle wollte sich am Sonntag ebenfalls nicht zum Interesse an Beiersdorfer äußern: „Wir haben seit sechs Wochen mit mehreren Kandidaten gesprochen. Wir haben ihnen zugesichert, ihre Namen nicht zu kommentieren.“ Allerdings ergänzte Wehrle mit Erregung in der Stimme: „Die Position des Geschäftsführer Sports muss besetzt sein. Wir werden bald eine Lösung präsentieren.“ Heißt sie Dietmar Beiersdorfer?

Von 1986 bis 1992 spielte Dietmar Beiersdorfer für den HSV, feierte unter Trainer Ernst Happel den bisher letzten Titelgewinn mit dem DFB-Pokalsieg 1987, kam 2002 als Sportchef zum Liga-Dino zurück und führte den Klub bis zu seinem Abschied 2009 regelmäßig in den Europapokal. Von 2014 bis 2016 war Beiersdorfer erster Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, wurde aber wegen Erfolglosigkeit entlassen. Heute feiert er seinen 54. Geburtstag, die MOPO gratuliert herzlich.

Dietmar Beiersdorfer nach dem DFB-Pokalsieg 1987 in Berlin. (Foto: Imago)

Neuer Zoff um den Investor: Klaus-Michael Kühne hat sich mit einer klaren Forderung an den HSV gewandt, die als Drohung zu verstehen ist: „Ich erkläre hiermit, dass ich der HSV Fußball AG zukünftig nur dann eine finanzielle Unterstützung gewähren werde, wenn sie über den von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt (…)“ Die AG-Hauptversammlung steigt am 18. Dezember. Kühnes Interessenvertreter im Kontrollgremium des HSV ist Karl Gernandt, Präsident der Kühne Holding AG. Der war von Juli 2014 bis Dezember 2016 Aufsichtsratsvorsitzender beim HSV, rückte dann ins zweite Glied. Derzeit besteht der Rat aus Rechtsanwalt Andreas C. Peters (Vorsitzender), Wirtschaftsmanager Felix Goedhart, dem Präsidenten des HSV e.V. Jens Meier, Bau-Unternehmer Dieter Becken, dem Klitschko-Manager Bernd Bönte und Gernandt. Bönte hat seinen Rückzug angekündigt – Gernandt könnte ihm nun folgen. Als Kandidaten werden Ex-HSV-Profi Marcell Jansen, Jens Luther, Vorstandsvorsitzender der Hanseatischen Krankenkasse HEK, und Karl J. Pojer, Chef von Hapag-Lloyd Cruises, gehandelt.

Hier Kühnes gesamte Mitteilung im Wortlaut:

„Ich war Befürworter der unter dem Namen „HSVPlus“ vor ca. drei Jahren gestarteten Initiative, die vor allem von den Herren Otto Rieckhoff und Karl Gernandt erfolgreich umgesetzt wurde. Sie hatte u.a. zum Gegenstand, dass bei Gründung der HSV Fussball AG ein von den Initiatoren selbst bestimmter Aufsichtsrat eingesetzt wurde, der aus sechs Personen bestand. Karl Gernandt wurde damals Aufsichtsratsvorsitzender. Aus vielerlei Gründen hat “HSVPlus“ nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Der HSV kämpfte auch in den vergangenen Jahren wieder gegen den Abstieg, dem er zumeist knapp entronnen ist. Ende vergangenen Jahres wurde der vom Aufsichtsrat zwei Jahre zuvor bestellte Vorstandvorsitzende Dietmar Beiersdorfer durch Heribert Bruchhagen ersetzt. Letzterer verpflichtete Jens Todt als Sportdirektor. Diese Herren waren im Kampf gegen den Abstieg erfolgreich, schafften es aber nicht, die Mannschaft zur Saison 2017/18 so zu verbessern, dass sie sich in der Bundesliga-Tabelle gut platzieren konnte – im Gegenteil, wieder wurde das Thema „Abstieg“ akut. Ausgerechnet in dieser prekären Situation soll der Aufsichtsrat der HSV Fussball AG neu gewählt werden und sich diesmal nicht aus unabhängigen Persönlichkeiten zusammensetzen, die über Führungs- und Wirtschaftskompetenz verfügen, sondern aus grösstenteils vereinsabhängigen Personen, die einseitig von Vereinspräsident Jens Meier nach Anhörung eines Beirats bestimmt werden sollen. Deshalb hat sich Karl Gernandt entschlossen, einem solchen Aufsichtsrat nicht mehr anzugehören. Ich trete dafür ein, dass

1. der voraussichtliche Wahlvorschlag des Vereinspräsidenten nicht zum Zuge kommt,

2. eine „HSVPlus2“-Initiative gestartet wird, die es ermöglicht, dass auch zukünftig ein unabhängiger Aufsichtsrat bestimmt wird,

3. dem zukünftigen Aufsichtsrat der HSV Fussball AG qualifizierte und unabhängige Persönlichkeiten mehrheitlich mit wirtschaftlicher Kompetenz angehören sollen.

Ich erkläre hiermit, dass ich der HSV Fussball AG zukünftig nur dann eine finanzielle Unterstützung gewähren werde, wenn sie über den von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt und es diesem gelingt, Persönlichkeiten für die Führung der HSV Fussball AG zu gewinnen, die über grosse Managementqualität und -erfahrung verfügen.“

Im vergangenen Dezember war Dietmar Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzender des HSV abberufen worden. Seitdem hat der 53-Jährige keinen neuen Job angenommen. In Wolfsburg kursieren nun Gerüchte, dass Beiersdorfer ein Amt beim VfL übernehmen könnte. Aktuell steht dort Sportchef Olaf Rebbe unter Druck, seine Wahl von Trainer Martin Schmidt gilt als seine letzte Chance. Geht auch das schief, könnte Rebbe laut „kicker“ ins zweite Glied degradiert werden – hinter einen neuen Geschäftsführer mit Fußball-Kompetenz.

An Dennis Aogo entbrannte im vergangenen Sommer der folgenschwere Streit zwischen Bruno Labbadia und Dietmar Beiersdorfer. Der Trainer wollte den Ex-Hamburger zum HSV zurückholen, der Klub-Boss legte sein Veto ein. Der Linksverteidiger blieb bei Schalke 04, Labbadia und Beiersdorfer verloren im Verlauf der Saison ihre Jobs. Nun wird Aogo die „Königsblauen“ definitiv verlassen, aller Voraussicht nach in Richtung 1899 Hoffenheim. Auch den englische Klub FC Watford und der russische Erstligist FK Krasnodar zeigen Interesse.