Rouven Schröder bleibt  auch in der kommenden Saison Sportvorstand des 1. FSV Mainz 05 und wird nicht zum HSV wechseln. Die Absage ist ein herber Rückschlag für Präsident Bernd Hoffmann, der den 42-Jährigen gerne in den Volkspark gelotst hätte. Zuvor hatte sich schon Leverkusens Jonas Boldt gegen ein Engagement bei den Rothosen entschieden. Warum sich Schröder gegen den HSV entschieden hat? Der Manager sagt:  „Ich habe mir in den vergangenen Tagen mit dem nötigen Abstand zu unseren dramatischen Spielen im Abstiegskampf viele Gedanken gemacht über den Weg des Vereins und meine eigene Situation. Mich hat nachhaltig beeindruckt, wie der gesamte Verein mit seinen Führungsgremien, den Mitarbeitern, Trainern, Spielern und den Fans in der entscheidenden Phase zusammengerückt ist und gemeinsam für den Verbleib in der Bundesliga gekämpft hat.“ Und weiter: „Dieser Zusammenhalt hat wesentlich zu unserer Rettung beigetragen, er ist darüber hinaus grundsätzlich die Basis für sportlichen Erfolg in Mainz und auch meine persönliche Arbeit. Wir können und sollten aus diesen Erfahrungen Stärke ziehen für unsere gemeinsame Zukunft.“

Ist der HSV im Falle des Abstiegs voll handlungsfähig? Vorstand Frank Wettstein hat dazu eine klare Meinung. „Das sind wir. Wir stimmen uns die ganze Zeit intensiv mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Hoffmann ab. Wir planen zweigleisig und werden auch weiterhin Spielerverhandlungen führen und bestenfalls Verpflichtungen für die Zukunft tätigen wie zuletzt David Bates von den Glasgow Rangers“, sagt er im Interview mit der vereinseigenen Homepage. „Doch das soll jetzt nicht thematisiert werden. Wir müssen jetzt einen anderen Fokus haben: Am Sonnabend kommt der SC Freiburg ins Volksparkstadion. Wir müssen den Breisgauern so begegnen wie dem FC Schalke 04. Das zählt.“

Die Entlassung von Sportchef Jens Todt kam wenig überraschend – auch für ihn selbst. Schon wenige Tage nach seiner Wahl zum HSV-Präsidenten hatte Bernd Hoffmann den 48-Jährigen in seinem Büro aufgesucht und ihm mitgeteilt, dass spätestens im Sommer für ihn Schluss sei. Das berichtet das „Hamburger Abendblatt“. Am 8. März, also noch vor Frühlingsanfang, wurde der Schritt vollzogen. Todt bekräftigte aber seine Aussage, die er bereits in der MOPO getätigt hatte, dass er weiter mit dem HSV mitfiebere. „Ich wünsche Christian Titz, dass er das Wunder noch schafft.“ Dessen Debüt habe er mit der ganzen Familie angeschaut. „Wir haben das Spiel im Fernsehen gesehen und mit der Mannschaft gezittert. Und in der ersten Halbzeit sah es ja auch wirklich gut gegen Hertha aus.“

Torwart-Legende Uli Stein begrüßt es, dass Bernd Hoffmann wieder der neue, starke Mann beim HSV ist. Er habe dazugelernt, erklärte Stein in der TV-Sendung „Sky 90″. „Ich habe mir zwei Dinge angeguckt von ihm. Einmal eine Rede von 2005, als er bei der Jahreshauptversammlung gesprochen hat. Er war unheimlich euphorisch, hat gesagt, in den nächsten fünf Jahren sind wir unter den Top 20 in der Welt oder in Europa, und in zehn Jahren sind wir unter den Top Ten. Der HSV muss mit Real Madrid und dem FC Barcelona in einer Liga spielen. Und jetzt habe ich  seine Bewerbungsrede bei der Jahreshauptversammlung in diesem Jahr gesehen, als er zum Präsidenten gewählt wurde. Da hörte sich das ganz anders an. Da hat man gemerkt, er hat in den letzten Jahren viel dazugelernt. Ich fand die Rede wunderbar.“ Gefallen habe ihm, dass Hoffmann angeführt habe, dass man eine Trendwende durch ein völliges Umdenken herbeiführen müsse. „Die Rede hat mir Hoffnung gegeben, dass Hoffmann der richtige Mann am richtigen Platz ist. Ganz wichtig ist jetzt, dass er eine vernünftige Mannschaft um sich herum aufbaut, dass da kompetente Fachleute hinkommen, die Ahnung vom Fußball haben und unterstützend mithelfen, dass man im Bereich des Sportlichen mal wieder vernünftig arbeitet.“ Stein gab zu bedenken, dass ein Wiederaufstieg „kein Selbstläufer ist. Aus der 2. Liga wieder rauszukommen, ist nicht so einfach, wie die sich das vielleicht heute vorstellen. Das ist ein ganz, ganz schweres Unterfangen. Die 2. Liga ist total ausgeglichen. Mit schönem Spiel kommst du aus der 2. Liga nicht raus, da muss man beißen, kratzen, kämpfen. Ich weiß nicht, ob der HSV in der jetzigen Situation so weit ist. Man muss vollkommen umdenken, vollkommen umplanen“.

 

 

Bernd Hoffmann und Frank Wettstein werden nicht müde, es klipp und klar zu betonen. Die Lizenz sei sicher – für die 1. und die 2. Bundesliga. Ist dem aber wirklich so? Das Fachmagazin „Kicker“ gibt zu bedenken, dass der Tabellenletzte in seinem „Prognose-, Risiko- und Chancen-Bericht“ für die laufende Spielzeit mit 40 Punkten und Platz zwölf kalkuliert hat. Allein das lässt Ungemach erwarten: Denn statt des „bei planmäßigem Verlauf“ angepeilten „nahezu ausgeglichenen Ergebnisses nach Steuern“ droht den Hanseaten erneut ein sattes Minus. Zum Ende des vergangenen Spieljahres wurde ein Defizit von 13,4 Millionen Euro geschrieben, die Verbindlichkeiten waren auf 105,5 Millionen Euro gewachsen. Die miesen Zahlen werden durch die katastrophale sportliche Lage, in der es deutlich weniger TV-Geld als eingeplant gibt, nochmals verschärft. Obendrein erhalten noch zehn Funktionäre, Chef- und Co-Trainer Abfindungen, die allesamt in dieser Saison den Klub verlassen mussten. Klar ist: Ohne Klaus-Michael Kühne wird es für die chronisch klammen Hamburger eine dramatische Situation.

Der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann und sein Stellvertreter Max-Arnold Köttgen haben sich nach Informationen der „Bild“ am Sonntag mit Klaus-Michael Kühne  in dessen neuem Hamburger Luxus-Hotel „The Fontenay“, das heute offiziell eröffnet worden ist, getroffen. Es dürfte dabei um mögliche Bürgschaften gegangen sein, die es dem HSV ermöglichen sollen, die Lizenz für die kommende Saison zu erhalten. „Es ist zwingend notwendig, dass man Herrn Kühne so schnell wie möglich und so häufig wie möglich mit ins Boot nimmt“, betonte Hoffmann im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens. „Das heißt nicht, dass man sich irgendwelche Entscheidungen abnehmen lässt, aber es geht darum, Herrn Kühne mit im Boot zu haben. Daher pflege ich mit ihm einen häufigen und ausgesprochen guten Austausch.“

Bernd Hoffmann hat sich als Aufsichtsratsvorsitzender des HSV im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens auch zur Zukunft von Trainer Christian Titz geäußert, ohne allerdings klar Stellung zu beziehen, ob der Coach im Abstiegsfall bleiben werde. „Zunächst haben wir ein ganz wichtiges Projekt, nämlich die kleine Chance auf den Klassenerhalt zu nutzen, und das machen wir voller Energie im Team mit Christian Titz“, sagte Hoffmann, der kurz zögerte, als er gefragt wurde, ob er tatsächlich noch daran glaube, dass sich der HSV in der Bundesliga hält. „Naja, sie wissen ja, was im Fußball für seltsame Dinge passieren“, sagte er. „Natürlich nehmen wir die Chance der letzten sieben Spiele wahr. Die hat sich mit dem Spiel gegen Hertha BSC nicht erhöht. Wir müssen mindestens zwei Klubs überholen. Das ist keine einfache Aufgabe, aber auch die gehen wir an.“

Bernd Hoffmann hat im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens noch einmal erläutert, warum es zu den Entlassungen von Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt gekommen ist. „Das ist eine Entscheidung gewesen, die sich nach vorne richtet – für die Neuaufstellung des HSV, und zwar ligaunabhängig“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und betonte: „Es gibt kein Vakuum, wir haben uns einfach schon so aufgestellt, dass wir nach vorne schauen. Und dann werden wir jetzt die richtigen Personalentscheidungen fällen – die richtigen, nicht die schnellsten, denn die schnellstmöglichen sind nicht zwangsläufig die besten. Das haben wir leider beim HSV in den vergangenen Jahren häufig genug erlebt.“ Die These, dass die Kritik von Kyriakos Papadopoulos auch damit zu tun haben könne, dass der Grieche im sportlichen Bereich neben Trainer Christian Titz keinen Ansprechpartner habe, wies Hoffmann zurück: „Wenn Herr Papadopoulos so einen Unsinn erzählt, dann hat das nichts damit zu tun, dass er keinen Ansprechpartner hat, sondern dass er einfach Unsinn erzählt. Das werden sie nicht dadurch verhindern, dass sie einen Sportchef haben.“ Abschließend hielt der 55-Jährige fest: „Wir müssen uns darum kümmern, dass wir einen richtig guten Sportverantwortlichen für die kommende Saison finden und den werden wir schnellstmöglich, aber völlig ohne Hast einstellen.“