Mitten in die Saisonabschlussparty in Mainz mischten sich Hohn und Spott über den HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir“, sangen die Fans von Werder Bremen schon während des ziemlich unbedeutenden 2:1.-Sieges. Unter großem Jubel wurde ein weiß-blaues „Absteiger“-Plakat aufgehängt. Bremens Klub-Bosse waren aber ein wenig zurückhaltender. „Das ist schade für den HSV, ein bisschen werden sie schon fehlen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode, der als Profi viele, hitzige Nordderbys miterlebt hat: „Aber ich denke, dass sie nicht so lange in der zweiten Liga bleiben werden.“ Geschäftsführer Klaus Filbry sagte: „Das Nordderby ist ein Klassiker wie Schalke gegen Dortmund. Das wird fehlen.“ Sport-Geschäftsführer Frank Baumann empfand ebenfalls keine Schadenfreude. „Für den Verein und die Stadt Hamburg ist das schade“, sagte Baumann. „Ich denke aber, der HSV wird sich so aufstellen, dass der Aufenthalt in der 2. Liga nicht ganz so lange dauert und wir irgendwann wieder emotionale und schöne Nordderbys in der Bundesliga erleben werden.“ Auch Werder-Profi Jérôme Gondorf wird die Hamburger vermissen. „Die Brisanz des Derbys wird fehlen“, stellte der Mittelfeldspieler fest. „Ich finde schon, dass es ein Verlust ist. Denn die Liga ist umso attraktiver, je mehr große Vereine mitspielen.“

Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode sieht vor dem Nordderby keine Trainerdiskussion. „Natürlich kann man die Ergebnisse nicht dauerhaft außer Acht lassen, aber wir schauen intern, wie die Leistung und die Entwicklung der Mannschaft ist. Und wir halten da mit dem Trainer alle zusammen“, sagte der ehemalige Nationalspieler dem „Weser-Kurier“. Werder hat mit seinem Trainer Alexander Nouri in dieser Saison noch nicht gewonnen und ist 17. der Tabelle. Bode sprach von einer „schwierigen Situation“.  Er spüre in Werders Umfeld eine „gewisse Unruhe und Unzufriedenheit“. Für die Pfiffe einiger Fans nach dem 0:0 gegen Freiburg am vergangenen Wochenende habe er Verständnis. Die Anhänger hätten das Gefühl gehabt, dass die Mannschaft nicht den „allerletzten Willen“ gezeigt habe. . „Das sollte die Mannschaft als Zeichen nehmen, um noch etwas mehr zu investieren, um sich zu überprüfen: Bringen wir wirklich alles ein?“, sagte Bode. „Vielleicht kitzelt die Derbyatmosphäre das letzte Bisschen heraus.“

Einst kickten sie bei Werder Bremen und in der Nationalmannschaft zusammen, seither sich HSV-Sportchef Jens Todt und Werders Aufsichtsrats-Boss Marco Bode befreundet. Am Sonntag treffen sie sich als Gegner wieder – und beide hätten gern zumindest einen Spieler des Rivalen lieber bei sich im Team, wir sie „Bild“ verrieten: Bode steht auf Hamburgs Filip Kostic und Todt ist heiß auf Bremens Serge Gnabry. Obwohl Bremen in der Tabelle die Nase vorn hat, zeigt der Werder-Chef großen Respekt: „Der HSV spielt aktuell beeindruckend. Herz und Wille sind riesengroß. Deswegen wird das ein sehr schweres Spiel für uns.“

Der HSV hat große finanzielle Probleme, im Winter sollen die Kosten des Profi-Kaders weiter reduziert werden. Neben Ivica Olic und Artjoms Rudnevs steht auch Zoltan Stieber auf der Abschussliste. Wie die MOPO erfuhr, haben die Hamburger den ungarischen Nationalspieler nun dem Nordrivalen Werder Bremen zum Kauf angeboten. Geschäftsführer Thomas Eichin zeigt Interesse, kommende Woche ist ein Gespräch mit dem Aufsichtsrat um Chef Marco Bode angesetzt. Dann geht es auch um Stieber.