Im Verlauf der Hinrunde konnte sich Walace keinen Stammplatz erkämpfen, Anfang des Jahres streikte der Brasilianer für drei Tage, wurde daraufhin von Markus Gisdol aussortiert. Doch auch die Entlassung des Trainers hat beim 22-jährigen Mittelfeldspieler nicht zu einem Umdenken geführt. Walace will weiter weg, drängt auf einen Wechsel zu Flamengo Rio de Janeiro. Ein für heute geplantes Treffen mit Berater Rogerio Braun wurde von Sportchef Jens Todt verschoben.

Spannende Stunden und Tage liegen vor Sportchef Jens Todt. Noch hat der HSV in diesem Winter keine Veränderungen an seinem Kader vorgenommen, doch ein Verkauf von Walace würde vermutlich eine Kettenreaktion auslösen. Aber: Um den 22-jährigen Brasilianer, der Hamburg gern verlassen würde, entbrennt ein Berater-Zoff. Denn Interessent Atlético Mineiro hat nicht Rogerio Braun, den eigentlichen Agenten und Vertrauten des Mittelfeld-Manns, sondern Giuliano Bertolucci damit beauftragt, dem HSV ein Angebot in Höhe von 8,5 Millionen Euro zu unterbreiten. Er berät unter anderem die Nationalspieler Marquinhos (Paris St. Germain), David Luiz (Chelsea) und Oscar (Shanghai SIPG).

Die Fronten zwischen dem HSV und Streik-Profi Walace sind weiter verhärtet. Nachdem der Brasilianer mit drei Tagen Verspätung den Dienst im spanischen Jerez de la Frontera angetreten hatte, strich Coach Markus Gisdol ihn für die Testspiele gegen Malaga (2:1) und Freiburg (1:1) aus dem Kader (alle gesunden Profis waren dabei). Morgen soll der 22-Jährige zwar mit dem Team auf dem Platz stehen, doch Walace hofft weiter auf einen Winter-Transfer. Berater Rogerio Braun, der schon im Trainingslager an seiner Seite war, ist nach Hamburg gereist, um Sportchef Jens Todt in weiteren Gesprächen von einer Trennung zu überzeugen. Todt betonte zuletzt immer wieder: „Im Fußball ist wenig komplett auszuschließen. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir Walace abgeben.“ Einige brasilianische Klubs haben Interesse an einem Leihgeschäft.

Der Streik von Walace, der die Abreise ins Trainingslager nach Spanien an Neujahr schwänzte und erst mit drei Tagen Verspätung in Jerez de la Frontera eintraf, war das heiße Thema beim HSV im Verlauf der kurzen Vorbereitung. Die Klubführung mahnte den Brasilianer ab und verhängte eine Geldstrafe, Trainer Markus Gisdol verzichtete in beiden Testspielen komplett auf den 22-Jährigen. Nun bemüht sich Berater Rogerio Braun darum, Verständnis für das Verhalten seines Klienten zu schaffen. „Auch wenn das kaum einer glaubt, aber Walace hatte tatsächlich einen privaten Grund, warum er länger in Brasilien bleiben wollte“, sagte er dem „Abendblatt“ und erklärte, dass die Freundin des HSV-Profis im siebten Monat schwanger sei und von einem deutschen Arzt die Genehmigung bekommen hatte, über Weihnachten mit Walace und ihrem gemeinsamen Sohn Wallan in die Heimat zu reisen. In Brasilien hätte es aber einen Zwischenfall gegeben, ein Arzt habe ihr dringend empfohlen, keinen Langstreckenflug nach Europa auf sich zu nehmen. „Walace war sehr erschüttert, als ihm klar wurde, dass er nicht mit seiner Familie nach Europa zurückkehren konnte und dass er wohl auch nicht bei der Geburt seines zweiten Kindes dabei sein kann“, sagte Braun, der Walace heute im HSV-Charter nach Hamburg begleiten wird.

Heute werden Walace und Rogerio Braun im HSV-Winterquartier in Jerez de la Frontera erwartet. Obwohl sich Sportchef Jens Todt klar positioniert und einen Verkauf des seit dem 1. Januar streikenden Mittelfeldspielers in diesem Winter ausgeschlossen hat, arbeitet der Berater weiter intensiv daran, einen neuen Arbeitgeber für seinen Klienten zu finden. Nach Informationen von „Radio Gaucha“ wurde Walace auch den französischen Klubs Olympique Marseille und Girondins Bordeaux angeboten.

Für Jens Todt war es der erste große Deal als HSV-Sportchef: Für 9,2 Millionen Euro holte er im vergangenen Winter den brasilianischen Olympiasieger Walace. Doch dieser spielt bei Trainer Markus Gisdol kaum eine Rolle, was den Samba-Kicker darüber nachdenken lässt, schon nach einem Jahr wieder zu gehen. „Wir werden mit dem HSV sprechen. Wir wollen keinen Ärger machen, aber wir müssen die HSV-Pläne kennen und für alle Seiten die beste Lösung finden“, sagte Walace-Berater Rogerio Braun der „Bild“.

Mit der Erstrunden-Partie im DFB-Pokal beim Drittligisten VfL Osnabrück beginnt für den HSV in acht Tagen die Saison, doch im Kader ist noch viel Unruhe. Die beiden Brasilianer wollen weg, neben Douglas Santos (23, Eindhoven) drängt auch Walace (22) auf seinen Abschied. Morgen im Rahmen des Testspiels gegen Espanyol Barcelona in Hamburg trifft sich Berater Rogerio Braun mit Sportchef Jens Todt. Anfragen gibt es von ZSKA Moskau sowie aus England und Italien. Wie Douglas vermisst Walece Rückendeckung von Trainer Markus Gisdol.