Am 8. März wurden Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt beim HSV entlassen. Der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Bernd Hoffmann ist seither auf der Suche nach neuen Führungskräften, will sich dabei aber nicht drängen lassen. „Wir wollen die richtigen Personalentscheidungen fällen, nicht die schnellsten“, stellte Hoffmann im NDR-„Sportclub“ fest. Derzeit führt Frank Wettstein den HSV als Alleinvorstand, Ex-Profi Thomas von Heesen wurde als Berater und Interims-Sportchef hinzugezogen.

Gestern traf sich im Volksparkstadion erstmals der neue Aufsichtsrat der HSV Fußball AG. Anschließend wurde offiziell bekanntgegeben, dass der frühere KPMG-Vorstand Michael Krall den Vorsitz im Gremium behält und sich der kürzlich zum Klub-Präsidenten gewählte Bernd Hoffmann mit dem Posten des Stellvertreters begnügt. Wie das „Abendblatt“ berichtet, hat dieser dafür geworben, im Abstiegsfall den kompletten Austausch der Führungsriege herbeizuführen, also Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen, Sportchef Jens Todt und Trainer Bernd Hollerbach zu entlassen. Brisant: Es soll gestern sogar darüber diskutiert worden sein, den erst am 22. Januar verpflichteten Hollerbach nach fünf Spielen ohne Sieg (der HSV holte unter ihm zwei von 15 Punkten) schon wieder abzulösen. Eine solche Entscheidung müsste aber der Vorstand treffen, da sich der Aufsichtsrat nicht in das operative Geschäft einmischen darf.

Vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen Mainz 05 richtet Heribert Bruchhagen einen Aufruf an die HSV-Ultras, die zuletzt durch ihre Pyro-Show fast für den Abbruch des Nordderbys bei Werder Bremen (0:1) gesorgt hatten. „Wir können nur an die selbstzerstörerischen Elemente im HSV appelieren, ihrem eigenen Klub keinen Schaden zuzufügen“, sagte der Vorstands-Boss dem „Abendblatt“. Zudem wies er darauf hin, dass solch ein Verhalten der Fans die Gespräche mit Sponsoren erschwere: „Natürlich haben es Unternehmen nicht gerne, wenn ihr Image durch derartige Vorkommnisse beschädigt werden könnte.“

Fünf Spiele, kein Sieg. Bernd Hollerbach hat nur zwei von 15 Punkten geholt, ein positiver Effekt ist durch den Wechsel von Markus Gisdol zu Bernd Hollerbach nicht zu erkennen, die Situation hat sich sogar noch deutlich verschlechtert. Wackelt beim HSV schon wieder der Trainer? Heribert Bruchhagen hat dazu eine klare Position: „Nein, diesen Gedanken haben wir nicht im Ansatz“, sagte der Vorstands-Boss und stellte klar: „Wir sind uns sicher und selbstkritisch genug, dass unser Tabellenplatz das Resultat vieler Entscheidungen ist. Damit hat Bernd Hollerbach nichts zu tun. Er arbeitet hervorragend mit der Mannschaft, er arbeitet authentisch und glaubwürdig.“

Nach dem späten Gegentor in Bremen war HSV-Boss Heribert Bruchhagen die Hutschnur geplatzt. Er hatte sich darüber aufgeregt, dass Video-Assistent Günter Perl das Werder-Tor anerkannte. „Was sind das für Leute?“, polterte er. Heute ließ der Vorsitzende ausrichten: „Ich bleibe dabei, dass es sich beim Bremer Tor um eine Abseitsstellung handelte. Ich bedaure allerdings, was ich in der ersten Emotion über die Videoschiedsrichter in Köln gesagt habe. Das war nicht richtig.“

Nach der Pleite in Bremen hat sich Heribert Bruchhagen fürchterlich über das Abseitstor der Hausherren aufgeregt: Was sind das für Leute in Köln? Jeder, der Fußball gespielt hat, sieht in dieser Szene sofort: Das ist Abseits!“ Hintergrund: In Köln hockte Video-Referee Günter Perl vor den Bildschirmen, gab den Treffer.“ Zur Lage des HSV: „Es war ein Rückschlag. Es ist sehr, sehr hart, aber trotzdem haben wir eine Restchance und wir werden alles tun, um nicht zu resignieren.“ Zur  Pyro-Attacke sagte er: „Das sind keine Fans, das sind Fußball-Zerstörer, die man nicht im Stadion haben will.“

Im Wahlkampf und auch nach seinem Sieg betonte Bernd Hoffmann, wie wichtig es ihm sei, das richtige Personal auf den entscheidenden Positionen zu wissen. Geht es den Bossen der HSV Fußball AG jetzt an den Kragen? Dazu der neue Präsident: „Heribert Bruchhagen hat den Verein stabilisiert. Es gibt gar keinen Grund, über aktuelle Vorstandsmitglieder zu diskutieren.“ Mittelfristig ist aber ein Wechsel angedacht. Hoffmann: „Meine Aufgabe ist jetzt die des Präsidenten und alles andere ist Zukunft. Ich gehe davon aus, dass wir als Aufsichtsrat eine gute Nachfolgeregelung für Herrn Bruchhagen finden werden – wenn sie denn ansteht.“