Am Sonnabend (15.30 Uhr) kommt es in Wolfsburg zum nächsten Showdown im Abstiegskrimi. Der HSV muss bei den „Wölfen“ gewinnen, um das Wunder auf den Klassenerhalt möglich zu machen. Wie der (Noch)-Liga-Dino den Niedersachsen die Zähne ziehen will, verrät Coach Christian Titz auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel. Der Übungsleiter über…

seine Lieblingsposition: Ich habe am liebsten Stürmer gespielt. Aber damals gab es noch den Libero und wenn wir begonnen haben, musste ich dort spielen. Wenn wir in Rückstand geraten sind, hat mich der Trainer vorne reingestellt.

seine Zukunft: Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Die Situation ist die, dass wir uns austauschen, welche Spieler zum Verein passen. Klar ist eins, dass wenn ich Trainer bleiben sollte, wir uns auf eine Spielidee einigen, die mit viel Ballbesitz behaftet ist.

Nicolai Müller: Eine Rolle als Joker ist noch nicht möglich. Genau zu sagen, wann er wieder spielen kann, ist nur schwer vorherzusagen. Es wird allerdings von Woche zu Woche besser.

sein Interesse zum Fußball: Ich kann mich sehr genau daran erinnern, dass ich im Alter von fünf Jahren Fußball gespielt habe. Seitdem gibt es für mich nichts anderes mehr. Ich war immer vom Jubel im Stadion begeistert. Ein Wochenende auf dem Fußballplatz war für mich normal, das gehörte einfach dazu.

Stimmung im Team: Die Stimmung im Team ist gut. Die Spieler versuchen in eine Lockerheit überzugehen. Aber die Anspannung steigt langsam.

Fiete Arp: Ich finde, dass Fiete ein sehr guter Spieler ist. Aber die letzten Wochen waren nicht einfach für ihn – mit der Bundesliga, der Schule usw. Es hat sich viel in seinem Leben geändert, es ist viel auf ihn eingeprasselt. Das muss Fiete verarbeiten, das gelingt von Woche zu Woche besser.

Nervosität seiner Spieler: Einige sind nervös, andere nicht. Aber das ist völlig normal. Der eine hört gerne Musik, um sich abzulenken, der andere macht ein paar Stretchingübungen. Wir haben aber in der Kabine eine Playlist mit den Lieblingssongs der Spieler. Die hören wir uns vorher an.

seine Familie: Wenn Spiele in der Nähe von Hamburg sind, ist meine Familie im Stadion. Da meine Tochter Kommunion hat, wird meine Familie das Spiel diesmal am TV verfolgen.

Motivation seiner Spieler in der Halbzeit: Ich habe viel von meinem Vater gelernt. Er war mein Trainer, hat mich erzogen. Es gibt viele Trainer, die herumschreien. Der Ratschlag meines Vaters war immer, sich mit Ruhe in die Kabine zu bewegen und klare Ansagen zu machen.  Ich versuche es immer mit Ruhe und Klarheit zu machen und eine gewisse Euphorie zu entfachen.

Lewis Holtby: Seine Leistung und seine Art sowie seine Emotionen sind sehr hilfreich. Er hilft uns weiter.

einen möglichen Klassenerhalt: Wenn wir es wirklich schaffen sollten, der Weg ist noch weit, aber dann werde ich richtig feiern und genießen. Aber bis dahin sind wir auf die nächsten Aufgaben fokussiert.

den Druck: Ich empfinde es nicht als Druck, sondern sehe als Chance. Am Ende des Tages ist es ein Fußballspiel. Genau mit dieser Einstellung gehen wir auf den Platz. Im Laufe eines Spiels nimmt die Anspannung aber zu. Als Trainer kann man während des Spiels nicht mehr einwirken. Ich freue mich, dass wir als Mannschaft so ein Spiel bekommen haben.

seine Erwartungen ans Spiel: Ich glaube, es wird ein Spiel sein, das sehr stark von kämpferischen Elementen geprägt sein wird.  Entscheiden ist, wie gut wir die PS auf den Platz bringen können. Ich erwarte von meinem Team, dass wir von Beginn an drauf gehen. Ich glaube, wir werden eine gute Kulisse haben. Das Spiel ist von der Spannung geprägt.

Didavis Aussagen: Das sind für mich normale Aussagen im Fußball. Das ist Säbelrasseln. Es ist ratsam , Fußball mit dem Fuß und nicht mit dem Mund zu spielen.

die Erfahrung im Abstiegskampf: Was bei uns in Kraft getreten ist, ist, dass die Fans und die Mannschaft wieder daran glauben. Es ist so, wenn man sich mit Spielern unterhält, die Erfahrungswerte haben, dass man diesen Glauben wecken kann. Und der Glaube ist bei uns vorhanden.

seine Retter-Rolle: Sie können mir glauben, ich habe mich nie mit dem Thema befasst, ob ich ein Retter sein könnte. Es ging nur darum, erfolgreicher mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich bin Ideengeber, aber ohne Mannschaft und Mitstreiter wäre dies nicht möglich. Mit zu viel Hektik und Reden kann man im Fußball nicht so viel erreichen. Wir sind von dem überzeugt, was wir tun. Der Glaube gilt meiner Mannschaft.

seine Kabinen-Ansprache: Ich bin eher der spontane Typ. Man hat über die Jahre ein paar Möglichkeiten im Repertoire. Ich weiß, was ich sagen möchte, spiele aber auch gerne mit der Spontanität.

Bobby Wood: Grundsätzlich würde ich nicht von gesetzt sprechen. Aber Bobby hat sehr gut trainiert. Er ist im Aufwind, hat es im letzten Spiel gut gemacht. Als Trainer ist es dankbar, wenn mann mehrere Optionen zur Verfügung hat.

den Teamabend beim Griechen: Die Jungs genießen diese Zusammenkünfte. Wir essen gemeinsam und tauschen uns aus.

die Angst vor einer Niederlage: Fokus gilt ganz klar der Zielsetzung, dass wir drei Punkte in Wolfsburg holen wollen. Ich weiß um die Schwere der Aufgabe. Wir beschäftigen uns nur mit der kommenden Partie, nicht mit dem, was danach eventuell folgen könne.

das Umfeld: Wir haben Ruhe, es ist sehr angenehm. Wir haben es geschafft, eine gewisse Euphorie zu entfachen. Die Fans haben wieder Hoffnung, wir schauen mit einem guten Gefühl nach Wolfsburg. Ich kann den VfL Wolfsburg nicht beurteilen, aber wir waren abgeschlagen und kommen jetzt von hinten. Die vor einem stehen, haben mehr zu verlieren. Das ist ein 50/50-Spiel für uns. Es ist wie ein Viertelfinale für uns. Die mentale Stärke wird entscheidend sein.

die Stimmung im Team: Ich finde wir haben einen guten Mix aus Selbstvertrauen und Spannung. Wir freuen uns, dass wir die Chance bekommen, so ein Spiel mit solch wichtiger sportlicher Bedeutung bestreiten zu können.

die Personalsituation: Stand heute sind Hunt, Papadopoulos und Pollersbeck einsatzfähig.

das Spiel in Wolfsburg: Wir brauchen eine gute Leistung, Willenstärke und ein Tor mehr als Wolfsburg. Wenn wir das abrufen können, was wir uns vorgenommen haben, haben wir gute Chancen, drei Punkte mitzubringen.

Nur ein Sieg unter Bruno Labbadia. Der VfL Wolfsburg ist schwer angeschlagen, wenn der HSV am Sonnabend zum Abstiegskampf-Knaller kommt. Kyriakos Papadopoulos wähnt die Hamburger im Vorteil, wie er im Gespräch mit der „Bild“ sagte: „Für Wolfsburg ist die Situation natürlich auch schwierig. Sie haben 2018 viele Spiele verloren, die Ergebnisse passen nicht – und sie haben Spieler, die sich im Abstiegskampf nicht so auskennen wie wir.“

HSV-Trainer Christian Titz wird zurzeit landauf, landab gefeiert, weil er den „Dino“ wieder wachgeküsst hat. Der Technische Direktor des FC St. Pauli Ewald Lienen findet diesen Hype übertrieben. „Die Euphorie geht immer ganz schnell – auch beim HSV“, sagte er im TV-Talk „Sky 90“. „Man muss die Kirche mal im Dorf lassen. Sie gewinnen jetzt einmal. Man kann einen Trainer nicht nach fünf Spieltagen beurteilen.“ Zustimmung bekam Lienen von Ex-HSV-Boss Heribert Bruchhagen. „Ich möchte das unterstützen“, sagte er und führte aus: „Bruno Labbadia ist 2015 Hamburger des Jahres geworden und wurde vier Monate später entlassen. Markus Gisdol ist ganz ähnlich beurteilt worden und wurde auch vier Monate später entlassen. Das geht gar nicht gegen Herrn Titz, das ist ganz allgemein gesprochen.“

Bruno Labbadia war Cheftrainer des HSV, als Christian Titz im Sommer 2015 U17-Trainer der „Rothosen“ wurde. Einen engen Draht pflegten die beiden aber nicht zueinander. Wir hatten nur wenig Kontakt“, sagt Titz auf MOPO-Nachfrage. „Den Kontakt hatte ich eher zu Bernhard Trares, der als sein Assistent ja der Übergangstrainer von den Jugendmannschaften zu den Profis war.“ Geändert habe sich das nicht. Auch heute gebe es zum Kollegen Labbadia keinen Kontakt.

Beim HSV versucht es Christian Titz mit völlig neuen Maßnahmen, beim VfL Wolfsburg dreht nun Bruno Labbadia auf. Der Trainer hat bei den Niedersachsen den Zehn-Stunden-Tag für die hochbezahlten Profis eingeführt. Der Tag beginnt seit dieser Woche mit einem gemeinsamen Frühstück um 8 Uhr, endet nicht vor 18 Uhr. Zwischen den Trainingseinheiten stehen viele Einzelgespräche und Analysen an.

Ewald Lienen, Technischer Direktor des FC St. Pauli, hat angeprangert, dass der Spielerberater Volker Struth angeblich als Berater von Klaus-Michael Kühne Einfluss auf Entscheidungen des HSV genommen haben soll. „Für mich ist es ein No-Go, einen amtierenden Spielerberater am Tisch sitzen zu haben“, sagte er bei „Sky 90“. „Ich weiß einiges, was da abgelaufen ist, weil ich zu Bruno (Labbadia) ein gutes Verhältnis habe.“ Der HSV habe das Problem, dass man sich von Spielerberatern dazu habe treiben lassen, viel zu hohe Gehälter zu bezahlen. „Wenn ich in der Europa League oder der Champions League spiele, dann kann ich solche Gehälter bezahlen. Aber ich kann doch nicht sagen, nur weil ich der HSV bin gebe ich auch solche Gehälter raus.“ Kopfschüttelnd führte Lienen aus: „Als Dietmar Beiersdorfer zum HSV gekommen ist, habe ich ihn getroffen, da hat er mir gesagt, nächste Saison laufen zehn Verträge aus, das gibt mir einen Spielraum von 25 Millionen Euro.“ Das Geld habe man zudem nicht vernünftig ausgegeben. „Das ist ein Traditionsklub, das ist eine Großstadt, da sind mehr als 50.000 Zuschauer im Stadion“, führte Lienen aus. „Da muss ich doch auch ein paar Identifikationsfiguren haben, Leute haben, die wissen, was das für eine Stadt ist. Da kann ich nicht aus der ganzen Welt Leute zusammenholen. Und wenn ich das mache, dann müssen das Leute sein, die eine Persönlichkeit haben, Leute, die den Karren vorwegziehen. Wenn ich für so einen Verein Spieler hole, dann muss ich ein Gerüst haben, sodass sich junge Spieler entwickeln können. Aber dieses Gerüst, das ist nicht da.“

Im Kampf gegen den Abstieg erhöht Bruno Labbadia beim HSV-Konkurrenten Wolfsburg den Trainingsumfang. Am Dienstag und Mittwoch stehen je zwei Übungseinheiten auf dem Programm der „Wölfe“. Am Donnerstag soll morgens traininert und um 18.30 Uhr ein Testspiel beim Zweitligisten Union Berlin absolviert werden. „Wir haben in dieser Woche die Möglichkeit, noch mal einen Input zu geben“, sagte der Ex-HSV-Trainer. „Wir werden intensiv trainieren.“ Allerdings fehlen Labbadia nicht nur mehrere verletzte Profis, sondern auch ein halbes Dutzend Spieler, die mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind.

Viele HSV-Fans sehen auch in ihm plötzlich wieder einen Hoffnungsträger: Bruno Labbadia, der die Hamburger 2015 vor dem Abstieg rettete, könnte mit seinem VfL Wolfsburg dazu beitragen, dass das Wunder Klassenerhalt für den HSV doch noch gelingt. Seit der 52-Jährige die „Wölfe“ trainiert, befinden sich die Niedersachsen im Sturzflug. Aus drei Spielen holte Labbadia nur einen Punkt. Seine Mannschaft präsentierte sich zuletzt in einem desaströsen Zustand. Im Umfeld fürchten viele, dass der VfL noch auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen könnte, eine Gefahr, die auch Labbadia sieht. „Ich habe den HSV und Köln noch nicht abgeschrieben“, sagt er. In Hamburg wird man das gerne hören – in Wolfsburg auch?

Hertha BSC war übrigens zuletzt ein gern gesehener Gast im Volksparkstadion. Am 5. März 2017 gewann der HSV mit 1:0 gegen die Berliner, am 6. März 2016 gab es einen Hamburger 2:0-Sieg. Während bei Hertha jedes Mal Pal Dardai auf der Trainerbank saß, hießen die Übungsleiter des HSV bei den Spielen Bruno Labbadia und Markus Gisdol. Nun könnte Christian Titz der Dritte im Bunde sein, der dem Ungar eine Niederlage in Hamburg zufügt. Von den letzten 14 Heimspielen gegen Hertha verlor der insgesamt nur zwei Partien.

2011 machte er für zehn Monate den HSV-Spielern Beine. Günter Kern war unter Armin Veh, Michael Oenning und den Interimstrainern Rodolfo Cardoso und Frank Arnesen Fitnesstrainer der Hamburger. Nun hat der 59-Jährige, der den Ruf eines Schleifers genießt, einen neuen Job. Kern verstärkt das Trainerteam von Bruno Labbadia beim VfL Wolfsburg. Er solle angesichts der vielen verletzten Spieler beim VfL kurzfristig für eine Entlastung bei der angespannten personellen Situation sorgen, teilte der Klub mit. Kern war bereits vor seinem Wechsel zum HSV für die „Wölfe“ tätig. Auch für Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart hat er bereits gearbeitet.