Am 3. August beginnt für den HSV erstmals in seiner Geschichte das Kapitel 2. Bundesliga. Coach Christian Titz warnt aber schon jetzt vor den Widrigkeiten im Unterhaus. „Das wichtigste Merkmal wird sein, dass wir die 2. Liga mit all ihren Facetten annehmen. Wir dürfen nicht denken, dass wir gefühlt ein Erstligist sind. Uns muss ganz klar bewusst sein, dass wir in der 2. Bundesliga spielen. Wir werden gegen Mannschaften spielen, die ein Stück weit ums Überleben kämpfen. Diese Teams werden starke Kampfelemente ins Spiel werfen und sich nie aufgeben. Zudem ist jede Mannschaft besonders heiß, gegen den HSV zu gewinnen”, sagte der Coach dem Vereinsmagazin HSVlive.

 

HSV-Trainer Christian Titz nach der 0:3-Niederlage in Frankfurt: „Wenn wir 1:0 in Führung gehen, wird das ein anderes Spiel. Das ist sehr ungünstig gelaufen und schade. Es hat heute nicht sein sollen. Es ist weiterhin rechnerisch möglich, dass wir es schaffen. Wir glauben noch dran und geben nicht auf.  Wir müssen jetzt unser Heimspiel gegen Gladbach gewinnen und hoffen, dass Wolfsburg zu Hause gegen Köln verliert.“

Für den HSV ist die Partie in Frankfurt ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Nur ein Sieg hilft der Mannschaft von Christian Titz weiter. Schlecht für den HSV: Mit Kevin-Prince Boateng und Omar Mascarell stehen der SGE gleich zwei Schlüsselspieler wieder zur Verfügung. „Das wird mit Sicherheit ein großer Kampf“, sagt Boateng und fügt an: „Es ist ja auch eine Art Finale für den Hamburger SV. Sie spielen derzeit guten Fußball und bringen die nötige Leidenschaft mit. Das haben wir zur Kenntnis genommen. Nichtsdestotrotz liegt es an uns: Wir müssen alles reinhauen und dürfen keine Geschenke mehr verteilen.“

Zweieinhalb Stunden vor dem Spiel der Profis steht auch für die U19 des HSV ein enorm wichtiges Spiel an. Um 13 Uhr spielt die Mannschaft von Trainer Daniel Petrowsky bei Werder Bremen um die Nord-Meisterschaft und den damit verbundenen Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Vor dem letzten Spieltag hat der HSV einen Punkt Vorsprung vor Hertha BSC und Werder. Gut möglich ist daher, dass erneut Fiete Arp bei der U19 aushilft. „Wir wollen schon, dass die A-Jugend ins Halbfinale einzieht und werden uns da gemeinsam mit ihm und dem Trainer in dieser Woche hinsetzen, um zu schauen, was das Beste ist“, sagte Trainer Christian Titz, der sich aber nicht festlegen wollte, ob es wahrscheinlicher sei, dass Arp für die Profis oder für die U19 aufläuft. „Beides ist vorstellbar.“ Dass Arp am vergangenen Sonntag beim 0:3 der U19 gegen Dynamo Dresden ausgeholfen hatte, habe mehrere Gründe gehabt. „Zum einen hatte er noch Abiturprüfungen, zum anderen ging es darum, dass er Spielpraxis bekommt“, sagte Titz. „Er ist ein junger Spieler und braucht Spielpraxis. Wenn er bei uns nicht die Einsatzzeit bekommt, dann soll er in der U19 oder in der U21 spielen.“

Trainer Christian Titz gab nach dem Training gleich in drei Fällen Entwarnung. Matti Steinmann, der wegen eines leichten grippalen Infekts fehlte, soll ebenso wie Aaron Hunt in Kürze – wahrscheinlich schon morgen – wieder ins Training einsteigen. Hunt plagen erneut muskuläre Probleme. „Es ist aber deutlich besser als in der vergangenen Woche, da war es extremer“, erklärte Titz. Douglas Santos hatte das Training wegen den Nachfolgen eines grippalen Infekts vorzeitig beendet. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie Titz klarstellte.

Sie haben nur noch drei Spiele und einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Weiche Flensburg, das noch fünfmal in der Regionalliga Nord randarf. Für Steffen Weiß, Trainer der HSV-U21, ist das aber kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil. Der Nachfolger von Christian Titz kündigt vor dem Spiel beim SSV Jeddeloh II (Mittwoch, 19 Uhr) an: „Wir sind jetzt wieder im Flow und wollen den Druck erhöhen. Wir können noch eine Stufe mehr. Das Vertrauen der Spieler untereinander ist deutlich gewachsen.“ Es sei „ganz klar, dass wir das Maximum erreichen wollen. Dazu müssen wir auch die restlichen drei Spiele gewinnen“. In Jeddeloh wird Top-Torjäger Törles Knöll allerdings fehlen. Der Stürmer hatte beim 1:0-Sieg gegen Rehden seine fünfte Gelbe Karte gesehen. Weiche Flensburg kann am Dienstag um 15 Uhr beim VfB Oldenburg vorlegen.

Passquoten von über 80 Prozent waren unter Markus Gisdol und Bernd Hollerbach die absolute Ausnahme, meist lag der HSV klar darunter. Das hat sich unter Christian Titz fundamental geändert. Schon zum fünften Mal unter Titz kamen in Wolfsburg mehr als 80 Prozent der HSV-Pässe an. Lewis Holtby hatte klar zum Ausdruck gebracht, dass ihm diese Art des Fußballs deutlich besser schmeckt – und das auch auf dem Platz gezeigt. Holtby selbst wies gemeinsam mit Aaron Hunt allerdings die schwächste Passquote des HSV auf. Der Wert betrug aber immer noch 67 Prozent. Unter Gisdol und Hollerbach wäre das noch ein guter Wert innerhalb der HSV-Mannschaft gewesen.

Der HSV erspielt sich unter Christian Titz nicht nur mehr Torchancen, er nutzt sie auch viel besser als unter den Vorgängern des aktuellen Trainers. Beim VfL Wolfsburg zählten die Statistiker zehn Chancen, die sich der HSV herausspielte, drei davon nutzten die Hamburger. In der Chancenverwertungs-Tabelle kletterte der HSV damit an Köln vorbei auf Platz 14. Insgesamt nutzte der HSV in dieser Saison 27 seiner 122 Chancen, ein Wert von 22,1 Prozent. Vor vier Wochen war der HSV in dieser Statistik noch Vorletzter. Inzwischen liegen neben den Kölnern auch der VfB Stuttgart, Werder Bremen und der SC Freiburg hinter dem HSV.

Auch U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz (55) glaubt weiter an die Chance des HSV im Abstiegskampf. Der MOPO sagte er exklusiv: „Als ich im April 2008 beim 1. FC Kaiserslautern den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernahm, stand der FCK  vorm Abstieg aus der 2. Liga. Wir haben den Klassenerhalt am letzten Spieltag geschafft. Wichtig ist, dass es einen Schulterschluss mit den Fans gibt. Das ist beim HSV der Fall. Christian Titz, den ich persönlich kenne, konnte noch mal Hoffnung schüren. Er hat einen Weg gefunden, aus der Mannschaft ein paar Prozente mehr rauszuholen. Für mich ist das für den HSV noch nicht durch.“

Am Sonnabend (15.30 Uhr) kommt es in Wolfsburg zum nächsten Showdown im Abstiegskrimi. Der HSV muss bei den „Wölfen“ gewinnen, um das Wunder auf den Klassenerhalt möglich zu machen. Wie der (Noch)-Liga-Dino den Niedersachsen die Zähne ziehen will, verrät Coach Christian Titz auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel. Der Übungsleiter über…

seine Lieblingsposition: Ich habe am liebsten Stürmer gespielt. Aber damals gab es noch den Libero und wenn wir begonnen haben, musste ich dort spielen. Wenn wir in Rückstand geraten sind, hat mich der Trainer vorne reingestellt.

seine Zukunft: Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Die Situation ist die, dass wir uns austauschen, welche Spieler zum Verein passen. Klar ist eins, dass wenn ich Trainer bleiben sollte, wir uns auf eine Spielidee einigen, die mit viel Ballbesitz behaftet ist.

Nicolai Müller: Eine Rolle als Joker ist noch nicht möglich. Genau zu sagen, wann er wieder spielen kann, ist nur schwer vorherzusagen. Es wird allerdings von Woche zu Woche besser.

sein Interesse zum Fußball: Ich kann mich sehr genau daran erinnern, dass ich im Alter von fünf Jahren Fußball gespielt habe. Seitdem gibt es für mich nichts anderes mehr. Ich war immer vom Jubel im Stadion begeistert. Ein Wochenende auf dem Fußballplatz war für mich normal, das gehörte einfach dazu.

Stimmung im Team: Die Stimmung im Team ist gut. Die Spieler versuchen in eine Lockerheit überzugehen. Aber die Anspannung steigt langsam.

Fiete Arp: Ich finde, dass Fiete ein sehr guter Spieler ist. Aber die letzten Wochen waren nicht einfach für ihn – mit der Bundesliga, der Schule usw. Es hat sich viel in seinem Leben geändert, es ist viel auf ihn eingeprasselt. Das muss Fiete verarbeiten, das gelingt von Woche zu Woche besser.

Nervosität seiner Spieler: Einige sind nervös, andere nicht. Aber das ist völlig normal. Der eine hört gerne Musik, um sich abzulenken, der andere macht ein paar Stretchingübungen. Wir haben aber in der Kabine eine Playlist mit den Lieblingssongs der Spieler. Die hören wir uns vorher an.

seine Familie: Wenn Spiele in der Nähe von Hamburg sind, ist meine Familie im Stadion. Da meine Tochter Kommunion hat, wird meine Familie das Spiel diesmal am TV verfolgen.

Motivation seiner Spieler in der Halbzeit: Ich habe viel von meinem Vater gelernt. Er war mein Trainer, hat mich erzogen. Es gibt viele Trainer, die herumschreien. Der Ratschlag meines Vaters war immer, sich mit Ruhe in die Kabine zu bewegen und klare Ansagen zu machen.  Ich versuche es immer mit Ruhe und Klarheit zu machen und eine gewisse Euphorie zu entfachen.

Lewis Holtby: Seine Leistung und seine Art sowie seine Emotionen sind sehr hilfreich. Er hilft uns weiter.

einen möglichen Klassenerhalt: Wenn wir es wirklich schaffen sollten, der Weg ist noch weit, aber dann werde ich richtig feiern und genießen. Aber bis dahin sind wir auf die nächsten Aufgaben fokussiert.

den Druck: Ich empfinde es nicht als Druck, sondern sehe als Chance. Am Ende des Tages ist es ein Fußballspiel. Genau mit dieser Einstellung gehen wir auf den Platz. Im Laufe eines Spiels nimmt die Anspannung aber zu. Als Trainer kann man während des Spiels nicht mehr einwirken. Ich freue mich, dass wir als Mannschaft so ein Spiel bekommen haben.

seine Erwartungen ans Spiel: Ich glaube, es wird ein Spiel sein, das sehr stark von kämpferischen Elementen geprägt sein wird.  Entscheiden ist, wie gut wir die PS auf den Platz bringen können. Ich erwarte von meinem Team, dass wir von Beginn an drauf gehen. Ich glaube, wir werden eine gute Kulisse haben. Das Spiel ist von der Spannung geprägt.

Didavis Aussagen: Das sind für mich normale Aussagen im Fußball. Das ist Säbelrasseln. Es ist ratsam , Fußball mit dem Fuß und nicht mit dem Mund zu spielen.

die Erfahrung im Abstiegskampf: Was bei uns in Kraft getreten ist, ist, dass die Fans und die Mannschaft wieder daran glauben. Es ist so, wenn man sich mit Spielern unterhält, die Erfahrungswerte haben, dass man diesen Glauben wecken kann. Und der Glaube ist bei uns vorhanden.

seine Retter-Rolle: Sie können mir glauben, ich habe mich nie mit dem Thema befasst, ob ich ein Retter sein könnte. Es ging nur darum, erfolgreicher mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich bin Ideengeber, aber ohne Mannschaft und Mitstreiter wäre dies nicht möglich. Mit zu viel Hektik und Reden kann man im Fußball nicht so viel erreichen. Wir sind von dem überzeugt, was wir tun. Der Glaube gilt meiner Mannschaft.

seine Kabinen-Ansprache: Ich bin eher der spontane Typ. Man hat über die Jahre ein paar Möglichkeiten im Repertoire. Ich weiß, was ich sagen möchte, spiele aber auch gerne mit der Spontanität.

Bobby Wood: Grundsätzlich würde ich nicht von gesetzt sprechen. Aber Bobby hat sehr gut trainiert. Er ist im Aufwind, hat es im letzten Spiel gut gemacht. Als Trainer ist es dankbar, wenn mann mehrere Optionen zur Verfügung hat.

den Teamabend beim Griechen: Die Jungs genießen diese Zusammenkünfte. Wir essen gemeinsam und tauschen uns aus.

die Angst vor einer Niederlage: Fokus gilt ganz klar der Zielsetzung, dass wir drei Punkte in Wolfsburg holen wollen. Ich weiß um die Schwere der Aufgabe. Wir beschäftigen uns nur mit der kommenden Partie, nicht mit dem, was danach eventuell folgen könne.

das Umfeld: Wir haben Ruhe, es ist sehr angenehm. Wir haben es geschafft, eine gewisse Euphorie zu entfachen. Die Fans haben wieder Hoffnung, wir schauen mit einem guten Gefühl nach Wolfsburg. Ich kann den VfL Wolfsburg nicht beurteilen, aber wir waren abgeschlagen und kommen jetzt von hinten. Die vor einem stehen, haben mehr zu verlieren. Das ist ein 50/50-Spiel für uns. Es ist wie ein Viertelfinale für uns. Die mentale Stärke wird entscheidend sein.

die Stimmung im Team: Ich finde wir haben einen guten Mix aus Selbstvertrauen und Spannung. Wir freuen uns, dass wir die Chance bekommen, so ein Spiel mit solch wichtiger sportlicher Bedeutung bestreiten zu können.

die Personalsituation: Stand heute sind Hunt, Papadopoulos und Pollersbeck einsatzfähig.

das Spiel in Wolfsburg: Wir brauchen eine gute Leistung, Willenstärke und ein Tor mehr als Wolfsburg. Wenn wir das abrufen können, was wir uns vorgenommen haben, haben wir gute Chancen, drei Punkte mitzubringen.