Zumindest einer hatte nach dem Abpfiff in Frankfurt einen guten Grund zur Freude: Erstmals seit seinem Kreuzbandriss im August vergangenen Jahres stand Nicolai Müller wieder für den HSV auf dem Platz. „Darauf habe ich hingearbeitet – auf nichts anderes. Das war mein großes Ziel. Es ist ja nicht alles ganz nach Plan gelaufen und hat etwas länger gedauert. Zum Glück hat es geklappt.“ Ob er Angst vor einem Rückschlag hatte? Müller: „Vielleicht davor ein bisschen, als ich noch nicht auf dem Platz stand. Auf dem Platz habe ich aber nicht mehr daran gedacht. Ich wollte so gut es geht noch helfen und habe nicht an mein Knie gedacht.“ Nun fühlt sich der 30-jährige Angreifer bereit für mehr. Auch für einen Einsatz von Beginn an? „Das muss der Trainer entscheiden. Ich glaube nicht, dass ich kommende Woche von Beginn an spielen werde. Aber wenn er mich bringt – warum nicht?“

Eine schöne Randgeschichte bei der Niederlage in Frankfurt war Nicolai Müller, der nach einem zum Saisonauftakt erlittenen Kreuzbandriss endlich sein Comeback feierte. „Persönlich bin ich glücklich. Nach so langer Zeit wieder auf dem Platz zu stehen, war sehr emotional für mich“, sagte Müller. „Aber die Niederlage überlagert das natürlich. Wir wissen alle, was das bedeutet, auch wenn ich noch an die Rettung glaube.“

Pünktlich zum Saisonfinale zaubert der HSV einen Torgarant aus dem Hut. Nicolai Müller feiert nach seinem Kreuzbandriss am ersten Spieltag gegen Augsburg sein Comeback im Kader. Der Flügelflitzer hatte sich am 19. August bei einem Torjubel die schwere Knieverletzung zugezogen.Ob der Angreifer gegen Frankfurt zum Einsatz kommen wird, ist allerdings völlig offen. Denn der HSV reist mit 19 Spielern zur Eintracht, für den Spieltagskader muss sich Titz ohnehin noch von einem weiteren Spieler verabschieden. Nicht in den 19-Mann-Kader haben es derweil Fiete Arp (spielt A-Jugend gegen Bremen), Bjarne Thoelke, Vasilije Janjicic und Mo Gouaida (alle für die U21 im Einsatz) sowie Sven Schipplock und André Hahn (Leistungsgründe) geschafft.

Wie intensiv Nicolai Müller derzeit schon im Training mitmischt, macht viel Hoffnung auf sein baldiges Comeback. Kann der Langzeitverletzte vielleicht sogar schon für das Spiel am Sonnabend in Frankfurt ein Thema werden? „Ich glaube, dass Nicolai noch braucht, um in die Zweikämpfe hereinzukommen. Das ist der letzte Schritt, den man nach solch einer Verletzung gehen muss. Erfahrungsgemäß dauert das ein paar Wochen“, erklärte Trainer Christian Titz. Müller hatte sich bekanntlich beim Torjubel am ersten Spieltag gegen Augsburg das Kreuzband gerissen.

Nicolai Müller beim HSV-Training am 1. Mai (Foto: Witters)

Nicolai Müller hat sich in der Halbzeitpause bei „Sky“ zu seinen Comeback-Chancen geäußert. Es sei sein Ziel, in dieser Saison noch eingreifen zu können. „Es fühlt sich wieder gut an, ich freue mich, dass ich wieder so viele Sachen machen kann“, sagte der 30-Jährige, der die ersten 45 Minuten gegen Freiburg so analysierte: „Wir hatten einen guten Start, haben uns dann aber zurückgezogen und hatten dann Glück, dass unser Torwart uns im Spiel hält. Er macht das sehr, sehr gut.“ Trainer Christian Titz werde „jetzt die richtigen Worte finden und die Jungs noch mal heiß machen“. Ob theoretisch noch die Möglichkeit bestehe, ihn auch in der kommenden Saison im HSV-Trikot zu sehen, wollte Müller nicht eindeutig beantworten: „Ich habe mir darüber keine Gedanken mehr gemacht. Mein Ziel ist es, fit zu werden und der Mannschaft noch mal zu helfen.“

Im Training zeigte er schon wieder seine Qualitäten im Abschluss: Wird Nicolai Müller im Kampf gegen den Abstieg noch mal eine Option für den HSV? „Wir müssen nach wie vor sehr vorsichtig sein“, bremst Trainer Christian Titz die Erwartungen. „Das entscheidet sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Manchmal dauern Dinge länger, manchmal geht es aber auch ganz schnell. Das hängt jetzt wirklich davon ab, wie das Knie reagiert.“ Groß ist die Hoffnung des Trainers auf ein zeitnahes Comeback allerdings nicht. „Er ist noch in den Anfängen. Er kann kein volles Mannschaftstraining mitmachen, wir bauen ihn nur situativ ein. Das ist schon noch ein Stück hin“, erklärte Titz. Einen Termin für eine Rückkehr habe man „auch intern nie direkt festgelegt. Wir hoffen, dass er schnell gesund wird, aber wir geben ihm die Zeit, die er benötigt“. Auch auf Nachfrage wollte sich Titz nicht konkreter äußern. „Ich weiß es nicht. Am Samstag könnte er nicht spielen. Über die Zeit danach kann man erst nachdenken, wenn er voll das Mannschaftstraining mitmachen kann. Ich will mich auf nichts festlegen. Die Zeit muss unser Ratgeber sein.“ Vielleicht erhält Müller ja einmal mehr die Chance, in der Relegation zum Helden zu werden. Titz sagte: „Ich habe nichts dagegen, wenn wir in die Relegation kommen.“