Der Stachel sitz noch immer tief! Obwohl Dirk Orlishausen gestern Abend in der Relegation bei Erzgebirge Aue (1:3) den Zweitliga-Aufstieg verpasste, denkt der Torwart des Karlsruher SC noch immer verbittert an die Niederlage in den K.o.-Spielen zur Bundesliga gegen den HSV im Sommer 2015 zurück. Bei Instagram hat der 35-Jährige unter dem Namen „HSV Abstieg“ ein Video veröffentlicht, das KSC-Fans in einer Kneipe beim Public Viewing zeigt, nachdem die Hamburger den Klassenerhalt trotz den Erfolgs über Gladbach (2:0) verpasst hatten. Auf die Frage eines Users („Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man es gerade selber verkackt hat?“) antwortete Orlishausen: „So wie ihr nehme ich an. Aber euer Abgang ist für mich eine Genugtuung. Gräfe kann halt nicht überall sein.“ Hintergrund: Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte damals in der Nachspielzeit einen umstrittenen Freistoß für den HSV gegegen, den Marcelo Díaz unhaltbar für den KSC-Keeper zum 1:1 verwandelte. In der Verlängerung setzten sich die Hamburger dann durch.

Geliebte Chilenen,

in diesem schweren Moment möchte ich jedem von Euch danken für die entgegengebrachte Unterstützung. Das lässt mich speziell und wichtig erscheinen. Ich möchte ihnen eine Geschichte erzählen: Vor 14 Jahren musste ich mit dem Tod meines Bruders den schmerzhaftesten Schicksalsschlag meiner Familie durchleben. Heute, 14 Jahre später, durchlebe ich die schmerzhafteste Situation meiner Karriere als Fußballer, verursacht durch einen katastrophalen Fehler, der die Chance auf den Confed-Cup-Sieg genommen hat.

Ich habe immer gesagt, dass mich der Fußball nie so leiden lassen wird wie damals vor 14 Jahren. Aber da lag ich komplett falsch. Denn so wie ich es damals durchlebt habe, wird es auch heute sein. Ich werde weinen, werde mich sehr schlecht fühlen. Es ist eine Trauer, die ich für den Rest meines Lebens in mir tragen werde.

Was ich aber ganz klar weiß, ist, dass ich wieder aufstehen und Tag für Tag aufs Neue kämpfen muss. Weil das Leben einfach so ist. Das Leben ist für die Mutigen und ich glaube mich dazu zählen zu können. Das hier wird sicherlich der schlimmste Fehler meiner fußballerischen Laufbahn gewesen sein. Aber ich glaube, dass ich auch am meisten daraus lernen werde. Ich werde alles dafür tun, um diesen Moment zu überstehen und das Schlechte zu korrigieren.

Ich möchte an dieser Stelle unendlich für die Unterstützung der Mannschaft, der Trainer und allen, die mit der chilenischen Nationalmannschaft zusammenarbeiten, danken. Auch danke ich allen, die mir geschrieben haben, um mich aufzumuntern. Ganz besonders danke ich meiner Familie und meinen Freunden, die mich wie immer bedingungslos unterstützen.

Ich habe keinen Zweifel, dass mich dieses Erlebnis für die Zukunft noch stärker machen wird. Verzeihung für meinen Fehler. Ich verspreche, so etwas zukünftig mit allen Mitteln zu vermeiden. Hinfallen ist erlaubt, Aufzustehen ist Pflicht!

Verdammt, es lebe Chile!

Ihr Marcelo Diaz

Der frühere HSV-Profi und Relegations-Held Marcelo Díaz hat sich mit einem emotionalen Eintrag auf seinem Instagram-Account für den entscheidenden Fehler vor dem deutschen Siegtor im Finale des Confed Cups entschuldigt. „Vor knapp 14 Jahren habe ich mit dem Tod meines geliebten Bruders die schmerzvollste Stunde in meinem Familienleben durchlebt. Heute, 14 Jahre später, war es die schmerzvollste Stunde im Fußball“, schrieb der 30-Jährige nach dem 0:1 mit Chile. Er habe nie gedacht, dass ihm der Fußball „einen ähnlichen Schmerz“ wie beim Tod seines Bruders Gonzalo, der sich 2003 im Garten des Elternhauses erhängt hatte, zufügen könne.

Schon vor den beiden Halbfinals hatte sich Marcelo Díaz, früherer HSV-Profi und Relegationsheld von 2015 in Karlsruhe, ein Wiedersehen mit dem deutschen Team im Endspiel des Confed Cups in Russland gewünscht. Heute bekommt der Mittelfeld-Stratege sein Traumfinale, um 20 Uhr (ZDF live) trifft Díaz in St. Petersburg mit Chile auf die DFB-Auswahl. Und ganz bestimmt werden ihm viele Hamburger Fans dabei wieder eine Träne hinterherweinen.