TV-Experte Matthias Sammer lobt Trainer HSV-Trainer Christian Titz in den höchsten Tönen. „Gefühlt steht der HSV auf Rang zehn, gesichert. Dieses Gefühl hat sich der HSV mit Christian Titz hart erarbeitet. Das Team hat Willen und Charakter gezeigt“, sagte Sammer im Eurosport-Interview. „Wenn der HSV das über die ganze Saison mit Christian Titz gezeigt hätte, wäre der HSV doch niemals in der aktuellen Situation“, meinte Sammer. Die Herangehensweise von Titz imponiere ihm, sagte der 50 Jahre alte ehemalige Nationalspieler. „Er verwaltet nicht, er lässt agieren. Ballbesitz, Offensive und Mut. Er lässt nicht konservativ defensiv agieren, er will nach vorne spielen. Diese Art und Weise gefällt mir.“

Eurosport-Experte Matthias Sammer hat sich zum Kahlschlag beim HSV geäußert. „Es ist eine absolut außergewöhnliche Situation in Hamburg“, sagte er und äußerte Verständnis für die Entlassungen von Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt: „Außergewöhnliche Situationen erfordern auch manchmal außergewöhnliche Maßnahmen. Man muss Entscheidungen treffen, um möglichst kurzfristig Impulse setzen zu können. Gleichzeitig muss man strategisch aufbauen, dass der Verein wieder in ruhiges Fahrwasser gerät. Die Kommunikation muss in wenigen vertrauensvollen Händen bleiben. One-Man-Shows sind vorbei, aber es muss in wenigen Händen bleiben.“

Ex-Nationalspieler Matthias Sammer sieht beim HSV ein Strukturproblem. „Dieser rote Faden beim HSV, wie der ganze Verein organisiert ist, erscheint mir das Hauptproblem zu sein“, sagte der Europameister von 1996 im Eurosport-Interview: „Alle Situationen, Positionen, Menschen und Gremien müssen im Sinne des HSV so organisiert sein, dass man handlungsfähig ist und mit der nötigen Qualität agieren kann – aber das ist seit über einem Jahrzehnt das Riesenproblem!“ Neben der Kompetenz sei fehlendes Vertrauen zwischen den Klubgremien ein weiterer Faktor des Misserfolgs. „Du kannst in Hamburg alle Vorschläge schon nachlesen, bevor sie überhaupt entschieden sind. Damit geht so viel kaputt“, sagte der Eurosport-Experte: „Die Folge sind Vertrauensverlust und Handlungsunfähigkeit.“ Das Engagement von Investor Klaus-Michael Kühne befürwortet Sammer, der 2011 vor einem Engagement bei den Hanseaten stand. Dies habe jedoch klar koordiniert und kommuniziert werden müssen – vor allem in puncto Handlungsfähigkeit und Vertrauensbasis, was ihm nie gegeben schien. Positives in einer ungeordneter Struktur werde zum Bumerang, sagte der 50-Jährige.

Nach dem 0:0 in Freiburg vor zwei Wochen hatte Eurosport-Experte Matthias Sammer gegen den HSV vom Leder gezogen: „Die Hamburger sollen doch den Antrag stellen, dass sie ohne Ball spielen! Das ist für mich für die Bundesliga zu wenig. Sie wollen gar nicht richtig Fußball spielen.“ Morgen sieht man sich in Gladbach wieder. Man darf gespannt sein, wie Sammer den Auftritt des HSV bewerten wird.

Matthias Sammer, als Experte für Eurosport in Freiburg im Einsatz, schmipfte über die Spielweise des HSV bei eigenem Torabstoß: „Man kann den Ball mal lang spielen. Aber nicht sieben oder achtmal. Ich kann das nicht akzeptieren! Ich hasse den Begriff Fehlervermeidung, aber ich habe das in der Bundesliga gelernt. Sie wollen gar nicht richtig Fußball spielen. Da platzt mir der Kragen! Ich muss immer versuchen, im Rahmen meiner Möglichkeiten Fußball zu spielen.“ Sein Fazit zum Spiel: „Ich bin schon ein wenig enttäuscht. Freiburg kann mit dem Punkt eigentlich nicht leben. Und die Hamburger sollen doch den Antrag stellen, dass sie ohne Ball spielen. Eine Mannschaft, die so gut im Rhythmus ist und hier dann so auftritt, das ist für mich für die Bundesliga zu wenig. Sie waren total passiv und wollten das zu null hinten nur absichern.“

Der HSV eröffnet mit dem Gastspiel in Freiburg den 14. Spieltag, ist also live nur im Online-Stream bei Eurosport Player zu sehen. Die Hamburger Fans sind wenig begeistert, der Sender freut sich auf den Liga-Dino: Moderator Jan Henkel blickt mit Experte Matthias Sammer auf die Partie voraus, Philipp Eger wird den Keller-Krimi kommentieren. Nach dem Spiel analysiert Marco Hagemann, als Gäste hat er unter anderem die Ex-HSV-Profis Thomas von Heesen und Richard Golz eingeladen.