Beim HSV ging er mit unter, in Augsburg hat sich Michael Gregoritsch aber im Verlauf der Saison rasant entwickelt. Vor dem Gastspiel seines FCA morgen beim VfL Wolfsburg äußerte sich der Österreicher bei „Eurosport“ zur Situation seines Ex-Klubs: „Wenn ich wüsste woran es liegt, hätte ich schon beim HSV versucht, es umzusetzen und dort schon die zweistellige Torquote zu erreichen. Das ist mir leider nicht gelungen, was natürlich verschiedene Gründe hatte. Beim HSV ist teilweise einfach der Wurm drin. Und das seit Jahren. Das ist eigentlich unerklärlich, weil es ein riesiger Verein ist. Es ist auch dort nur Fußball, aber irgendwie bekommen es nicht immer alle Spieler hin, die es dann woanders hinkriegen. Vielleicht ist es ein mentales Problem. Als ich beim HSV war, habe ich es eigentlich nicht gemerkt. Ich habe mich in der Stadt, im Verein, in der Mannschaft und mit den Fans sehr wohlgefühlt. Aber auf dem Platz ist es eben keine Wohlfühloase, da stehen elf andere gegenüber, die genauso gewinnen wollen, wie wir. Vielleicht hat der HSV in den letzten Jahren zu hohe Ansprüche an sich selbst gehabt. Grundsätzlich war es in den letzten fünf, sechs Jahren eine Mannschaft, die gegen den Abstieg gespielt hat. Wenn man dann in jede Saison mit der Erwartung reingeht, dass es in den Europacup geht, ist man natürlich schwer enttäuscht, wenn es wieder gegen den Abstieg geht. Vielleicht hätte man einfach ein bisschen kleinere Brötchen backen sollen und versuchen, sich zwei, drei Jahre kontinuierlich ins Mittelfeld zu bringen und dann wieder vorne anzugreifen.“

Gegen Hertha BSC saß André Hahn auf der Tribüne, nun hat er sich in den Kader zurückgekämpft. Aberglaube dürfte dabei keine Rolle gespielt haben, Hahns Bilanz gegen den VfB Stuttgart aber liest sich ausgezeichnet. Keines seiner sechs Duelle mit den Schwaben hat Hahn verloren. Er feierte in den Trikots von Augsburg, Mönchengladbach und Hamburg fünf Siege gegen Stuttgart, ein Spiel endete unentschieden.

Gojko Kacar, der von 2010 bis 2016 beim HSV unter Vertrag stand, hat in dieser Saison einen schweren Stand beim FC Augsburg. Der 31-Jährige kam bisher nur fünfmal zum Einsatz. „Ich habe Ähnliches schon beim HSV erlebt. Natürlich ist es nicht schön, auf der Tribüne zu sitzen, aber ich gehe jeden Tag mit Freude zum Training. Ich weiß: Auch wenn wir ohne mich gewinnen, habe ich meinen Mini-Anteil daran durch meine Arbeit im Training. Vielleicht würde ich mehr spielen, wenn ich jede Woche Stress machen würde, aber ich bin nicht so. Ich weiß, wenn man positiv ist, kommt im Leben auch etwas zurück“, sagte Kacar im Interview mit dem „Kicker“. Der Vertrag des Serben läuft aus. Es gebe Anfragen. Er wolle seine Karriere auf jeden Fall fortsetzen, macht sich aber auch schon Gedanken über die Zeit danach. „Manchmal wünsche ich mir was anderes im Leben als Fußball, aber ich liebe diesen Sport. Es wäre irgendwie logisch, wenn ich nach all meiner Zeit dem Fußballgeschäft treu bleibe. Aber ich möchte mich auch noch einmal ganz neu in einem anderen Bereich definieren.“

Einmal mehr avancierte Michael Gregoritsch zum Matchwinner für den FC Augsburg, traf beim 3:1 in Hannover zwei Mal. Elf Saisontreffer hat der frühere Hamburger nun auf dem Konto. Seine Gedanken wandern aber auch immer wieder zum HSV, wie er nach dem Erfolg in Hannover zugab. „Ich leide natürlich ein bisschen mit“, erklärte Gregoritsch. „Es tut mir schon leid, weil es keiner in Hamburg verdient hat.“

André Hahn dürfte einer der Spieler sein, die den HSV im Abstiegsfall verlassen. Bereits am Dienstag hatte die MOPO berichtet, dass der FC Augsburg an einer Verpflichtung interessiert ist. Die bayerischen Schwaben wollten den Ex-Gladbacher bereits im vergangenen Sommer holen, der HSV aber setzte sich durch. In Hahns Vertrag ist nach einem Bericht der „Sport Bild“ allerdings eine Ausstiegsklausel über fünf Millionen Euro festgeschrieben. Der HSV hatte vor dieser Saison sechs Millionen Euro für Hahn gezahlt. Der aktuelle Marktwert des 27-Jährigen wird bei transfermarkt.de mit 3,5 Millionen Euro angegeben.

Während er mit dem FC Augsburg als Neunter ohne Sorge in die Rückrunde geht und sogar von der Europa League träumen darf, zittert der HSV als Vorletzter mal wieder um die Existenz. Dennoch warnt Trainer Manuel Baum vor dem Liga-Dino, der am Sonnabend beim Rückrunden-Start zu Gast ist. „Der HSV ist eine richtig gute Pressing-Mannschaft, eines der sprintstärksten Teams der Bundesliga. Sie sind sehr gefährlich im Umschaltspiel nach Balleroberungen“, sagte Baum, der taktisch eine klare Vorstellung hat: „Deshalb müssen wir unseren Spielaufbau gut verteidigen und weniger Kontergegentore als zuletzt kassieren.“

Nach sechs Tagen und acht Einheiten auf Teneriffa hat sich der FC Augsburg heute auf die Heimreise begeben. Coach Manuel Baum zog am Ende des Trainingslagers ein positives Fazit – und rechnet für das Duell mit dem HSV am Sonnabend mit der Rückkehr von Angreifer Alfred Finnbogason. „Wir sind in einer Top-Verfassung, was die Athletik betrifft. Inhaltlich haben wir uns gefestigt und ein paar Kleinigkeiten weiterentwickelt“, so Baum, der über den Isländer und dessen Achillessehnenprobleme sagte: „Es ist definitiv besser geworden, er läuft mit höheren Intensitäten. Es kann sein, dass es bis zum HSV-Spiel reicht, ich habe noch Hoffnung.“

Der FC Augsburg ist am 13. Januar erster Rückrunden-Gegner des HSV. Als einer von drei Klubs starteten die bayerischen Schwaben am Freitagvormittag bereits in die Vorbereitung. Das Team von Trainer Manuel Baum trotzte dabei auch leichtem Schneefall und eisigen Temperaturen. Stürmer Alfred Finnbogason (elf Tore in der Hinrunde) konnte wegen Achillessehnen-Problemen allerdings nur ein kurzes Lauftraining absolvieren. Verteidiger Martin Hinteregger fehlte wegen eines Trauerfalls in der Familie. Vom 2. bis 7. Januar reisen die Augsburger ins Trainingslager auf Teneriffa. Neben dem FCA nahmen am Freitag auch Eintracht Frankfurt und Hannover 96 das Training auf.