Ewald Lienen, Technischer Direktor und Kult-Figur des FC St. Pauli, glaubt, dass der HSV sich ähnlich wie sein eigener Verein durch die große Aufholjagd der Vorsaison hat blenden lassen. „Man darf nicht vergessen, dass man bei solchen Rettungsaktionen am Limit spielt“, erklärte er im TV-Talk „Sky 90“. „Das gaukelt so ein bisschen eine Spielstärke vor, die du im Normalfall, wenn du nicht mit dem Rücken zur Wand stehst, nicht hast.“

Acht Punkte Rückstand bei nur noch vier Spieltagen – so langsam schwindet in Hamburg die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Sollte es zum erstmaligen Abstieg in die 2. Liga kommen, wird es viele Premieren für den HSV geben. Gegen Sandhausen, Heidenheim, Regensburg, Union Berlin und Aue hat der Noch-Bundesliga-Dino noch nie ein Ligaspiel bestritten. Ein Wiedersehen würde es nach aktuellem Stand mit Mit-Absteiger Köln, Bielefeld, Bochum, Ingolstadt, Braunschweig, Dresden und Fürth geben. Aus der 3. Liga kommen aller Voraussicht nach Paderborn und Magdeburg hoch. Offen ist noch, ob es zum Stadtderby kommen wird. Den der FC St. Pauli kämpft gegen den Abstieg, steht auf Relegations-Platz 16. Mögliche Gegner für die Kiezkicker sind Karlsruhe und Wiesbaden. Unklar ist zudem, wer den Aufstieg in die Bundesliga schafft. Düsseldorf, Nürnberg und Kiel liegen derzeit auf den ersten drei Plätzen der 2. Liga. Auf den Abstiegsplätzen stehen Darmstadt und Kaiserslautern.

Nach einem Innenbandriss im Knie sowie einem Syndesmosebandanriss verbrachte Bjarne Thoelke in seinem ersten HSV-Jahr mehr Zeit im Rehazentrum als auf dem Trainingsplatz. Der 25-Jährige, vor der Saison vom Karlsruher SC verpflichtet, absolvierte keine Bundesliga-Minute, schaffte es bisher nicht mal in den Kader. Im Sommer trennen sich die Wege. Schnappt sich der FC St. Pauli das HSV-Phantom? Laut „Bild“ ist der Kiezklub an einer Verpflichtung des ablösefreien Verteidigers interessiert. Coach Markus Kauczinski arbeitete schon bem KSC mit Thoelke zusammen.

Nach seinem Debüt in der Bundesliga am Sonnabend in Stuttgart (1:1) hofft Stephan Ambrosius auf den Durchbruch im Profi-Kader. Er würde gern beim HSV bleiben, die Gespräche über eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrages waren bislang aber nicht erfolgreich. Laut „Bild“ werben auch der FC St. Pauli und Holstein Kiel sowie der österreichische Erstligist Admira Wacker Mödling intensiv um den 19-jährigen Verteidiger. Beim Kiezklub war Ambrosius ausgebildet worden, dort steht auch Bruder Michael (21) unter Vertrag.

Auf ihn wartet heute eine hammerharte Aufgabe. Stephan Ambrosius soll allem Anschein nach damit beauftragt werden, VfB-Stürmer Mario Gomez zu stoppen. Der 19-Jährige hatte schon unter Bernd Hollerbach dreimal zum Profi-Kader gehört, nun steht in Stuttgart sein Bundesliga-Debüt auf dem Plan. Wer aber ist dieser Ambrosius eigentlich? Interessant ist, dass der 1,82 Meter große Innenverteidiger selbst in der U23 zum Saisonstart nicht zum Stammpersonal zählte. Erst am achten Spieltag stand Ambrosius erstmals in der Startelf, startete dann aber kometenhaft durch. Im Spitzenspiel gegen Weiche Flensburg erzielte er im November sein erstes Saisontor – traf in der 92. Minute zum Ausgleich. Ein Mann mit guten Nerven also – und ein echter Hamburger. Ambrosius wurde in Wilhelmsburg geboren, lernte das Kicken beim SV Einigkeit, wechselte dann zu St. Pauli, wo sein Bruder Michael (21) immer noch spielt, und 2012 zum HSV. Zu den Trainingseinheiten wird Stephan Ambrosius gefahren. Er wohnt noch in Wilhelmsburg bei seinen Eltern.

Auf den ersten Blick hat die U21 des HSV in der Regionalliga Nord ein beruhigendes Polster auf die Verfolger. Doch das Tabellen-Bild ist verzerrt, denn Weiche Flensburg hatte drei Spiele weniger als die „Rothöschen“ absolviert und hätte mit drei Siegen bis auf einen Punkt herankommen können. Doch Stadtrivale FC St. Pauli leistete dem HSV Schützenhilfe und holte ein 1:1 durch einen Treffer in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Damit liegt Weiche Flensburg mit zwei Spielen weniger neun Punkte hinter dem HSV.

Bis Ende dieses Jahres läuft der Vertrag des beurlaubten Sportchefs Jens Todt beim HSV noch. Am Dienstag aber schließt sich das Kapitel Hamburg zu einem weiteren Teil für den 48-Jährigen. Das „Hamburger Abendblatt „berichtet, dass Todt morgen seinen Dienstwagen, sein Handy und sein Dienst-Tablet auf der Geschäftsstelle zurückgeben will. Seine Wohnung in Hamburg wolle er hingegen noch mindestens bis zum Sommer behalten. Er habe dort seit Kurzem übrigens einen neuen Nachbarn: St. Paulis Trainer Markus Kauczinski. Beide sind seit ihrer gemeinsamen Zeit in Karlsruhe miteinander befreundet.

Steffen Weiß ist Nachfolger von Christian Titz als Trainer der U21. Am Sonnabend hatte der 29-Jährige auf der Bank des Regionalliga-Tabellenführers seine Premiere gefeiert, spielte 1:1 im Derby gegen die U23 des FC St. Pauli. An die neue Rolle muss sich Weiß allerdings erst gewöhnen, wie er gestand: „Im Vergleich zur U16 ist das etwas völlig anderes. Da habe ich alles allein gemacht. Hier wurde ich vor dem Spiel weggeschickt, als ich die Sachen zur Bank tragen wollte.“