Im März vergangenen Jahres verlängerte der HSV den Vertrag mit Markus Gisdol bis 2019, am Sonntag wurde der Trainer wegen anhaltender Erfolglosigkeit und dem drohenden Abstieg entlassen. Laut „Sport Bild“ verzichteten Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt darauf, eine Abfindungsvereinbarung im neuen Arbeitspapier zu verankern. Daher steht Gisdol bis zum Ablauf sein Gehalt zu. Dank einer Klausel würde er sogar mehr kassieren, wenn Nachfolger Bernd Hollerbach mit dem Team die Klasse hält. Dann würden Gisdol laut dem Bericht statt bisher 150.000 Euro ab Juli 2018 sogar 170.000 Euro pro Monat zustehen. Im Falle des Abstiegs müsste er sich mit 75.000 Euro pro Monat begnügen.

Am vergangenen Sonntag wurde Markus Gisdol entlassen, einen Tag später Bernd Hollerbach als Nachfolger vorgestellt. Nun verriet Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen Details der Trainer-Suche, bei der er selbst nur eine Nebenrolle spielte. „Ich habe mich in der An­bahnungs-Pha­se her­aus- und bei der Fin­dung ein biss­chen be­deckt ge­hal­ten“, sagte Bruchhagen der „Bild“, die Gespräche überließ er Sportchef Jens Todt. „Wir haben meh­re­re Kan­di­da­ten kon­tak­tiert. Aber ich habe immer ge­hofft, dass wir kei­nen Trainerwechsel vor­neh­men müs­sen.“ Letztlich sah sich die HSV-Führung aber zu diesem Schritt gezwungen: „Wir haben die Ent­schei­dung ge­trof­fen, weil wir nicht zufrieden waren, wie sich die Dinge entwickelt haben. Wir brau­chen einen Impuls, um ein verändertes Bild zu bekommen.“

Die Stammkräfte dürfen sich ihrer Rolle nicht mehr sicher sein, die bisherigen Reservisten können hoffen. Denn Bernd Hollerbach interessiert sich nicht dafür, was unter Markus Gisdol war, der neue Coach bewertet alles neu, auch das Keeper-Duell zwischen Christian Mathenia, der erst zu Beginn der Rückrunde von Julian Pollersbeck abgelöst wurde. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass jetzt alles wieder offen ist. Das gilt auch für die Torwart-Position. Ich verschaffe mir in den kommenden Tagen ein Bild von den Spielern und werde dann vor dem Spiel in Leipzig Entscheidungen treffen“, sagte Hollerbach.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz im Profifußball: Wenn es schlecht läuft, erwischt es meist den Trainer. Da es beim HSV zuletzt fast durchgehend schlecht lief, erwischte es immer wieder den Trainer. Gestern nun Markus Gisdol, der einen gültigen Vertrag bis 2019 besitzt und in den kommenden Tagen seine Abfindung aushandeln wird. Wie viele seiner Vorgänger beim Liga-Dino. Allein in den zurückliegenden zehn Jahren zahlte der HSV mehr als acht Millionen Euro an Abfindungen. Nach der Einigung mit Gisdol dürfte die Zehn-Millionen-Euro-Marke durchbrochen werden, 2,4 Millionen Euro an Gehalt stünden ihm zu.

Im Verlauf der Hinrunde konnte sich Walace keinen Stammplatz erkämpfen, Anfang des Jahres streikte der Brasilianer für drei Tage, wurde daraufhin von Markus Gisdol aussortiert. Doch auch die Entlassung des Trainers hat beim 22-jährigen Mittelfeldspieler nicht zu einem Umdenken geführt. Walace will weiter weg, drängt auf einen Wechsel zu Flamengo Rio de Janeiro. Ein für heute geplantes Treffen mit Berater Rogerio Braun wurde von Sportchef Jens Todt verschoben.

Schauspieler Bjarne Mädel, bekannt aus „Stromberg“ und „Der Tatortreiniger, hofft darauf, dass Bernd Hollerbach die Zügel anzieht und die Kurve kriegt. „Holla die Waldfee! So wie ich Hollerbach in Erinnerung habe, wird er auch vier Stunden trainieren lassen – aber eben nicht in einer Woche wie Gisdol, sondern an einem Vormittag. Und ich persönlich habe keinen Bock und auch keinen Vertrag für die Zweite Liga“, sagte der HSV-Fan und Grimme-Preisträger der MOPO.