Auf dem Platz leitet Manuel Gräfe die Partie, doch dem Schiedsrichter aus Berlin stehen beim Duell HSV gegen Eintracht Frankfurt gleich zwei Video-Assistenten zur Seite. Vor den Bildschirmen in Köln wird Benjamin Cortus aus dem bayrischen Röthenbach sitzen, der dabei von Martin Petersen (Stuttgart) unterstützt wird. Kann ja nichts schiefgehen…

Über diese Ansetzung werden sich viele HSV-Fans freuen. Manuel Gräfe ist morgen beim Spiel gegen Frankfurt der Schiedsrichter im Volkspark. Der 44-jährige Sportwissenschaftler aus Berlin hat sich mit seiner Freistoßentscheidung beim Relegationsspiel im Juni 2015 in Karlsruhe einen Platz in den HSV-Geschichtsbüchern gesichert. Auch an seinen letzten Einsatz im Volkspark gibt es gut Erinnerrungen. Es war das 2:1 gegen Wolfsburg am 34. Spieltag der vergangenen Saison. Im Anschluss wurde der Klassenerhalt gefeiert.

Bei allem Jubel gab es nach dem Abpfiff auch ernste Worte. Markus Gisdol kritisierte die Entscheidung des DFB, Manuel Gräfe als Unparteiischen für die gestrige Partie zu benennen. „Das war eine unglaublich schlechte Entscheidung des DFB“, polterte der Trainer. „Ein Schiedsrichter sollte nie im Mittelpunkt stehen. So eine Ansetzung ist verantwortungslos, wir haben alle mit dem Kopf geschüttelt.“ 

Wie HSV-Coach Markus Gisdol wurde auch Wolfsburgs Trainer Andries Jonker auf die Ansetzung von Manuel Gräfe als Schiedsrichter der Partie angesprochen. „Ich habe das gelesen und kenne jetzt alle Geschichten. Beim Verband sind Leute verantwortlich, die den Schiedsrichter abstellen. Wenn diese Leute der Meinung sind, dass Gräfe das Spiel pfeifen soll, dann ist das gut“, sagte Jonker, und Sportchef Olaf Rebbe ergänzte: „Der DFB ist sich seiner Verantwortung bewusst. Die besten Leute werden am letzten Spieltag dort eingesetzt, wo es brenzlig ist. Alle werden versuchen, ihre beste Leistung zu geben. Die Spieler, aber auch das Schiedsrichter-Team.“

Dass der DFB ausgerechnet Manuel Gräfe für den Anti-Relegations-Krimi gegen den VfL Wolfsburg angesetzt hat, also den Schiedsrichter, der den HSV in der Relegation 2015 mit seinem Freistoß-Pfiff in der Nachspielzeit zur Rettung verhalf, lässt auch Markus Gisdol nicht kalt. „Ich versuche das auszublenden und hoffe, dass für den Ausgang keine engen Entscheidungen notwendig sind. Und wenn es dazu kommt, hoffe ich auf klare und richtige Entscheidungen“, so der HSV-Coach.