In Hamburg wurde Michael Gregoritsch nicht so recht glücklich. Zwischen 2015 und 2017 gelangen ihm zwar zehn Treffer in 55 Bundesligaspielen, der Knoten platzte aber erst nach seinem Wechsel im vergangenen Sommer zum FC Augsburg. Beim 2:0 (1:0) gegen Mainz 05 wurde der Österreicher einmal mehr in dieser Saison zum Matchwinner, erzielte sein zwölftes Saisontor – und traf auch für den HSV. Durch den eigenen Erfolg hatte der Liga-Dino den Rückstand auf Freiburg und Wolfsburg auf fünf Punkte verkürzt. Weil Gregoritsch mit seinem FCA die 05er besiegte, schmolz der Mainzer Vorsprung auf die Hamburger ebenfalls auf fünf Zähler zusammen. Plötzlich hat der HSV drei Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg zumindest wieder in Sichtweise.

Es hat zum ersten Mal geklingelt im Kasten des Ex-Hamburgers René Adler! Der FC Augsburg führt gegen Mainz 05 nach einer halben Stunde mit 1:0, weil ein anderer Ex-Hamburger getroffen hat: Michael Gregoritsch! Für den Österreicher war es das zwölfte Saisontor – und der HSV feiert mit. Gewinnt der FCA, würde sich der Rückstand des Liga-Dinos auch auf Mainz auf fünf Punkte verringern.

Durch den gestrigen Sieg ist der HSV im Abstiegskampf wieder im Geschäft. Der Rückstand auf Freiburg sowie auf den VfL Wolfsburg (0:3 in Gladbach) beträgt nur noch fünf Punkte. Heute (15.30 Uhr) hoffen die Hamburger nun auf Schützenhilfe durch den FC Augsburg. Sollten Michael Gregoritsch und Co. gewinnen, wäre auch Mainz 05 dem HSV nur noch fünf Zähler voraus.

Schon jetzt laufen bei Borussia Mönchengladbach die Planungen für die kommende Saison. Vor allem in der Offensive will Manager Max Eberl neues Personal präsentieren. Laut „Express“ hat er dabei auch Bobby Wood wieder im Visier, den er schon im vergangenen Sommer verpflichten wollte, der dann aber seinen Vertrag beim HSV verlängerte und dort nach einer schwachen Serie auf das Abstellgleis geraten ist. Auch Augsburgs Michael Gregoritsch steht auf der Wunchliste, soll aber 15 Millionen Ablöse kosten. Hamburg würde profitieren, denn der Ex-HSV-Spieler bringt dem Klub bei einem Weiterverkauf zehn Prozent des Transfergewinns ein. 2017 war er für rund fünf Millionen Euro zum FCA gewechselt.

Beim HSV ging er mit unter, in Augsburg hat sich Michael Gregoritsch aber im Verlauf der Saison rasant entwickelt. Vor dem Gastspiel seines FCA morgen beim VfL Wolfsburg äußerte sich der Österreicher bei „Eurosport“ zur Situation seines Ex-Klubs: „Wenn ich wüsste woran es liegt, hätte ich schon beim HSV versucht, es umzusetzen und dort schon die zweistellige Torquote zu erreichen. Das ist mir leider nicht gelungen, was natürlich verschiedene Gründe hatte. Beim HSV ist teilweise einfach der Wurm drin. Und das seit Jahren. Das ist eigentlich unerklärlich, weil es ein riesiger Verein ist. Es ist auch dort nur Fußball, aber irgendwie bekommen es nicht immer alle Spieler hin, die es dann woanders hinkriegen. Vielleicht ist es ein mentales Problem. Als ich beim HSV war, habe ich es eigentlich nicht gemerkt. Ich habe mich in der Stadt, im Verein, in der Mannschaft und mit den Fans sehr wohlgefühlt. Aber auf dem Platz ist es eben keine Wohlfühloase, da stehen elf andere gegenüber, die genauso gewinnen wollen, wie wir. Vielleicht hat der HSV in den letzten Jahren zu hohe Ansprüche an sich selbst gehabt. Grundsätzlich war es in den letzten fünf, sechs Jahren eine Mannschaft, die gegen den Abstieg gespielt hat. Wenn man dann in jede Saison mit der Erwartung reingeht, dass es in den Europacup geht, ist man natürlich schwer enttäuscht, wenn es wieder gegen den Abstieg geht. Vielleicht hätte man einfach ein bisschen kleinere Brötchen backen sollen und versuchen, sich zwei, drei Jahre kontinuierlich ins Mittelfeld zu bringen und dann wieder vorne anzugreifen.“

Im vergangenen Sommer machte Michael Gregoritsch den Absprung beim HSV – und wurde richtig glücklich! Für den FC Augsburg traf der Österreicher in diese Saison schon elf Mal. Nun steht womöglich ein erneuter Umzug ins Haus. Nach Informationen der „Wolfsburger Nachrichten“ hat der VfL Wolfsburg großes Interesse an Gregoritschs Verpflichtung. Könnte ein Transfer werden, der für schlechte Laune beim HSV sorgen dürfte: Im raum steht eine Ablöse von 15 Millionen Euro! Der HSV erhielt vor einem Jahr nur rund ein Drittel dieser Summe aus Augsburg.

Für den früheren HSV-Profi Michael Gregoritsch läuft es seit seinem Abschied aus Hamburg im vergangenen Sommer weiter wie geschmiert. Für Augsburg hat er in der Bundesliga schon elfmal getroffen, heute feierte der 23-Jährige sein Tor-Debüt in der Nationalmannschaft. Beim 4:0 der Österreicher in Luxemburg gelang ihm das 3:0. Gregoritsch stand im siebten Einsatz erstmals in der Startformation.

Einmal mehr avancierte Michael Gregoritsch zum Matchwinner für den FC Augsburg, traf beim 3:1 in Hannover zwei Mal. Elf Saisontreffer hat der frühere Hamburger nun auf dem Konto. Seine Gedanken wandern aber auch immer wieder zum HSV, wie er nach dem Erfolg in Hannover zugab. „Ich leide natürlich ein bisschen mit“, erklärte Gregoritsch. „Es tut mir schon leid, weil es keiner in Hamburg verdient hat.“

Seine Rückkehr nach Hamburg hatte sich Michael Gregoritsch anders vorgestellt. Bei Augsburgs 0:1-Pleite am ersten Spieltag im Volkspark wurde der Österreicher, der den HSV für 5,5 Millionen Euro Ablöse verlassen hatte, ausgepfiffen – und er sorgte mit einer Schwalbe sowie folgender Gelber Karte selbst für den Tiefpunkt. Nach 67 Minuten wurde „Gregerl“ ausgewechselt. Dementsprechend motiviert ist der 23-Jährige für das morgige Rückspiel: „Sicher ist die Partie für mich etwas Besonderes. Es ist mein Ex-Verein. Wir haben etwas gutzumachen aus dem Hinspiel. Die Niederlage in Hamburg hat mir sehr wehgetan. Wir wollen zu Hause gewinnen, und natürlich wäre es schön zu treffen.“ Aber Gregoritsch warnt auch vor seinen Ex-Kollegen: „Sie werden pressen wie verrückt und schalten sehr gut um. Sie werden alles tun, um den Abstand zu verkürzen. Wir müssen höllisch aufpassen.“ Da Torjäger Alfred Finnbogason ausfällt, wird Augsburgs Top-Scorer (acht Tore, vier Vorlagen) die Hauptlast im Angriff tragen müssen.

Foto: Witters