Einen Tag vor dem Spiel gegen Hertha BSC (1:2) musste Christian Titz seinen Mammut-Kader von 28 Spielern auf 18 Profis reduzieren. Dabei traf es auch eine Reihe erfahrener Kicker. Wie die „Bild“ berichtet, führte der HSV-Coach mit Mergim Mavraj, André Hahn, Walace, Sven Schipplock und Dennis Diekmeier zwar Einzelgespräche, um sie zu informieren. Dabei sollen sie aber dem Bericht nach „wortlos und per Fingerzeig vor versammelter Mannschaft“ von Torwart-Trainer Nico Stremlau ins Büro des neuen Chefs zitiert worden sein, was viele Profis als „von oben-herab-Attitüde“ empfunden haben sollen.

Der frühere Nationalspieler Thomas Strunz nimmt in seiner „Sport1“-Kolumne den HSV aufs Korn. „Dass die Hamburger nach dem Spiel den Schiedsrichtern die Schuld am Gegentor gaben, fand ich eine Frechheit. Die Situation vor dem Eigentor von Rick van Drongelen war knifflig, das stimmt. Und man kann darüber geteilter Meinung sein. Aber die HSV-Verantwortlichen müssen auch darüber reden, dass Bobby Wood sich vorher anstellt wie ein Anfänger – oder über das Zweikampfverhalten von Papadopoulos, das auch nicht in Ordnung war. Stattdessen wird über den Schiedsrichter diskutiert“, schreibt Strunz. Er fordert: „Die Hamburger sollen sehen, wie sie selber zu Punkten kommen und nicht auf anderen rumhacken.“ Und weiter: „Unglaublich auch, dass André Hahn sich nach der Partie hinstellt und sagt: ‚Wir sind der HSV, wir haben es immer geschafft.‘ Bevor ich so einen Unsinn erzähle, gebe ich gar kein Interview, dann gehe ich in die Kabine.“

Er war ein Vorbild an Einsatz, konnte aber in der Offensive keine Impulse setzen. Kein Wunder, dass André Hahn voller Frust auf das Nordderby zurückblickte: „Wir haben 86 Minuten gekämpft, uns reingeworfen und als Team gut gearbeitet. In der ersten Halbzeit hatten wir leichte Vorteile, in der zweiten war Bremen einen Tick besser“, analysierte der HSV-Angreifer den Auftritt. Und weiter: „Es ist bitter, zu welchem Zeitpunkt und vor allem wie das Tor gefallen ist. In meinen Augen ist es Abseits und hätte nicht zählen dürfen. Auf diese Weise das Derby zu verlieren, ist ganz bitter. Ein 0:0 auswärts im Derby hätten uns natürlich gut getan, auch wenn wir unbedingt einen Sieg wollten. Aber es hätte ein kleines Erfolgserlebnis sein können und jeder Punkt ist enorm wichtig für uns.“

Lewis Holtby, Tatsuya Ito, Luca Waldschmidt, Bakery Jatta, Sven Schipplock und Nachwuchs-Mann Josha Vagnoman wurden von Bernd Hollerbach nicht nominiert. Dafür ist erneut Abwehr-Talent Stephan Ambrosius (19) dabei. Außerdem stehen noch neben der erwarteten Startelf im Kader Julian Pollersbeck, Fiete Arp, Dennis Diekmeier, André Hahn, Vasilije Janjicic und Mergim Marvaj.

Mehr als 8000 Hamburger Fans waren am Sonnabend in Dortmund dabei, unterstützen voller Leidenschaft das Team und fuhren enttäuscht wieder nach Hause. In der Mannschaft wird der Einsatz der Anhänger wahrgenommen. Angreifer André Hahn ist hellauf begeistert: „Es ist schon faszinierend, was für eine Fan-Kultur dieser Verein hat. Was sie Woche für Woche leisten, davor kann man nur den Hut ziehen“, sagte der HSV-Profi und versicherte: „Wir wollen sie endlich mal wieder belohnen. Allein für sie werden wir uns den Arsch aufreißen und immer wieder Vollgas geben. Auf diese Fans kann ein Verein stolz sein.“