Hannover 96 kann am Sonntagabend beim HSV mit Torjäger Niclas Füllkrug planen. Der zuletzt angeschlagene Angreifer meldete sich rechtzeitig fit. Ob Füllkrug in Hamburg wie zuletzt gegen den VfL Wolfsburg mit Martin Harnik an seiner Seite stürmen wird, ließ 96-Coach André Breitenreiter offen. „Wir versuchen immer, mutig aufzutreten. Mal sehen, für welche Formation wir uns entscheiden“, sagte Hannovers Trainer. Im Tor der Niedersachsen wird wieder Philipp Tschauner stehen. Trotz des Patzers bei der 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg vor einer Woche schenkt Breitenreiter seinem Stammkeeper weiter das Vertrauen. Daran, dass sein Team im Falle einer weiteren Niederlage den Blick in der Tabelle wieder nach unten richten müsste, verschwendet der Coach keinen Gedanken. „Wenn wir gegen Wolfsburg gewonnen hätten, würden wir jetzt hier nur über den Europapokal reden. Nein, das geht mir alles zu schnell.“

Martin Kind darf die Mehrheit an Hannover 96 nicht übernehmen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird dem Präsidenten des morgigen HSV-Gegners keine Ausnahmeregelung für eine Übernahme der Mehrheitsanteile gewähren. Die Aufwendungen Kinds bei den Niedersachsen seien nicht hoch genug. Hannovers Klubchef hatte den Antrag im Spätsommer 2017 eingereicht und für den Fall einer Absage angekündigt, gegen die Entscheidung klagen zu wollen. Die Stärkung der 50+1-Regel ist auch ein Rückschlag für HSV-Finanz-Vorstand Frank Wettstein, der sich jüngst auf der „Spobis“ in Düsseldorf dafür starkgemacht hatte, dass Investoren mehr Spielraum eingeräumt werden sollte.

Dieter Schatzschneider, der fünf Jahre für Hannover 96 und in der Saison 1983/84 für den HSV stürmte, schwärmt vor dem Derby seiner beiden Ex-Klubs von HSV-Stürmer Fiete Arp. „Er war schon in der Jugend außergewöhnlich, ist unser größtes deutsches Stürmer-Talent. Ich mag ihn. Er hat alles, was man als Stürmer haben muss. Fiete wird ein großer Star in der Nationalmannschaft werden“, sagt der Berater von 96-Präsident Martin Kind in der „Bild“. Sein Rat an Arp: „Er soll noch ein, zwei Jahre beim HSV reifen und dann den nächsten Schritt zu einem Topklub machen. Aber wenn der HSV absteigt, muss er sofort weg. 2. Liga darf er sich nicht antun.“

Am Sonntag tritt Hannover 96 beim HSV an und vor dem Nordderby zündet André Breitenreiter die nächste Stufe im Dauerzoff mit den eigenen Fans, die aufgrund der Übernahmepläne von Präsident Martin Kind einen Stimmungsboykott durchziehen. „Die Jungs freuen sich ja schon fast mehr auf Auswärtsspiele als auf Heimspiele“, berichtete der Trainer und stellte fest: „Es ist einfach schade und frustrierend. Das, was die Mannschaft leistet, ist Identifikation pur mit dem Verein und der Stadt. “ Breitenreiter stärkte auch seinem Boss Kind demonstrativ den Rücken: „“Welcher Verein bietet mehr Tradition und Identifikation als Hannover 96? Das geht schon beim Präsidenten los, der 20 Jahre hier ist. Andere Traditionsvereine würden sich so einen Präsidenten wünschen. Aber diese Klubs sind von der Fußballlandkarte verschwunden, retten sich von Insolvenz zu Insolvenz. Unser Präsident hat den Verein großgemacht und dahin geführt, wo er heute steht.“

Nur wenige HSV-Fans haben Matthias Ostrzolek bei seinem ablösefreien Wechsel im Sommer zu Hannover 96 eine Träne nachgeweint. Zu unbeständig waren die Leistungen des Linksverteidigers in Hamburg. Für den 27-Jährigen hat es sich aber ausgezahlt, bei den Roten ist Ostrzolek unumstrittener Stammspieler. Nur bei einer Partie war er nicht dabei, ansonsten stand der gebürtige Bochumer stets 90 Minuten auf dem Platz. So auch beim 2:0-Heimsieg gegen den HSV. Und immerhin konnte Ostrzolek bislang zwei Tore vorbereiten.

Foto: Witters

Hannovers Innenverteidiger Felipe hat sich bei seinem Zusammenprall mit HSV-Stürmer Sven Schipplock Mitte September weit schwerer verletzt als bisher angenommen. Der 30-jährige Brasilianer hat sich eine Sehne im Oberschenkel gerissen, als „Schippo“ auf ihn stürzte. In diesem Jahr wird Felipe nicht mehr zum Einsatz kommen können. Die Diagnose wurde erst getroffen, nachdem die Schwellung im Adduktorenbereich zurückgegangen war. Felipe soll nicht operiert werden.

Mit sieben Punkten aus drei Spielen ist Hannover 96 sehr gut in die Saison gestartet. Einzig die heftigen  Proteste vieler Fans gegen die Übernahmepläne von Präsident Martin Kind schlagen auf die Stimmung. Doch den Klub-Boss tangiert das nicht. „Das ist ein Thema, mit dem ich mich gar nicht beschäftige. Wir haben wichtigere Themen. Wir spielen Fußball“, sagte Kind und appellierte vor dem Nordderby am Freitag gegen den HSV: „Sie sollen die Mannschaft unterstützen, das ist deren Job. Wenn sie Politik treiben wollen, können sie es außerhalb des Platzes machen. Aber nicht auf dem Platz.“

Hat es Rick van Drongelen gestern doch nicht so schwer erwischt? Der Holländer musste gegen Leipzig verletzt raus, Trainer Markus Gisdol aber hofft: „Es könnte sein, dass es in Richtung Muskelverhärtung geht.“ Dennoch würde es für den Auftritt kommenden Freitag in Hannover „eng werden“. Der ebenfalls verletzte Filip Kostic wird in diesen Stunden eingehend untersucht.