Der HSV hofft auf Kölner Schützenhilfe, der VfL Wolfsburg auf Unterstützung durch Ex-Coach Dieter Hecking, der mit Gladbach in Hamburg antritt. Doch der ist im Hinblick auf den letzten Spieltag eher genervt von all den Rechnereien. „Die Bundesliga ist ein Haifischbecken, da denkt kein Klub an den anderen, da spielt jeder für sich. Und es ist alles offen, Wolfsburg kann ja auch am letzten Spieltag noch sehr viel erreichen und auf Platz 15 springen. Es ist ja nicht gesagt, dass Freiburg gegen Augsburg gewinnt, das ist doch kein Selbstläufer.“

Gladbach-Trainer Dieter Hecking hat aufkommende Gerüchte um eine Anfrage des HSV deutlich zurückgewiesen. „Ich habe klipp und klar gesagt, dass ich in der kommenden Saison Gladbach-Trainer sein werde“, sagte Hecking auf der Pressekonferenz am Freitag und meinte in Richtung des HSV: „Die haben doch einen guten Trainer. Ich finde es Wahnsinn, was in der Bundesliga gerade passiert, wie viel da spekuliert wird.“ Bekanntlich ist noch unklar, ob es in Hamburg für Christian Titz weitergeht. Trainer-Routinier Hecking (früher Verl, Lübeck, Aachen, Hannover, Nürnberg, Wolfsburg) hat bei der Borussia noch Vertrag bis 2019. Nach dem enttäuschenden Saisonverlauf ist er allerdings nicht unumstritten. Am letzten Spieltag kommt Gladbach übrigens in den Volkspark.

Dieter Hecking lässt sich durch das 0:8 des HSV in Gladbach nicht blenden, blickt der Partie aber bei allem Respekt vor den Hamburgern optimistisch entgegen: „Das Ziel ist ganz klar das Erreichen des Halbfinals. Es sind diese K.o.-Spiele, die man gerne spielt. Man weiß: Es gibt 90, 120 Minuten oder Elfmeterschießen – wir werden uns auf alles einstellen“, sagte der Borussen-Coach: „Wir sind mutig und selbstbewusst genug, um zu sagen, dass wir in Hamburg gewinnen können. Wir treffen auf einen guten Gegner, der zu Hause in den vergangenen Wochen ordentliche Spiele abgeliefert hat. Das haben wir zur Kenntnis genommen.“

Der jüngste Auftritt des HSV beim FC Bayern hat sogar bei Gladbachs Trainer Dieter Hecking Mitleid für den Gegner ausgelöst. „Ich glaube, es ist nicht angenehm, momentan Spieler vom HSV zu sein. Man kann sich gut vorstellen, was in den vergangenen Tagen alles auf sie eingeprasselt ist. Auch von der medialen Seite wurde das 0:8 rauf- und runterdiskutiert. Es wurde über die Einstellung diskutiert. Beim Bäcker wirst du damit konfrontiert, du liest die Überschriften am Zeitungsstand. Du kriegst permanent dieses 0:8 um die Ohren gehauen. Das kann man nicht mal eben so leicht abschütteln, auch wenn es ein anderer Wettbewerb ist. Ich stelle mir das sehr schwierig vor für die Spieler vom HSV. Ich gönne das keinem, so eine Klatsche verarbeiten zu müssen“, stellte Hecking fest.

Der heutige Pokal-Gegner des HSV kommt mit reichlich Rückenwind nach Hamburg. In der Europa League schaltete Gladbach den AC Florenz (0:1, 4:2) aus und zog ins Achtelfinale ein, in der Liga steht das Team von Dieter Hecking mit zwölf Punkten aus fünf Spielen auf Platz eins der Rückrundentabelle – vor dem FC Bayern (11). Zum Vergleich: Der HSV belegt Rang elf mit sieben Zählern. Aber der Pokal hat ja… Genau! Seine eigenen Gesetze.

Gladbach-Trainer Dieter Hecking lässt das Thema Belastung vor dem Viertelfinale beim HSV nicht als Entschuldigung gelten. „Für mich zählt das Thema Müdigkeit nicht. Es gibt nichts Schöneres, als alle drei Tage spielen zu dürfen“, sagte der Borussia-Coach. Nach dem 4:2-Erfolg am vergangenen Donnerstag in der Europa League beim AC Florenz folgte am Sonntag der 2:0-Erfolg beim FC Ingolstadt. Unterstützung erhielt Hecking von Sportdirektor Max Eberl: „Wenn man Erfolg hat, spielt die Müdigkeit keine Rolle. Wenn es nicht so gut läuft, sieht das ganz anders aus.“

„Natürlich hätte ich mir lieber ein Heimspiel gewünscht, zumal wir in dieser Phase der Saison ohnehin schon mehrere Auswärtspartien haben“, sagt Gladbachs Trainer Dieter Hecking zum Pokal-Viertelfinale beim HSV. „Dennoch müssen wir das Los so annehmen. Ich denke, die Chancen stehen 50:50. Unser Ziel ist das Endspiel in Berlin – und wenn wir dorthin möchten, müssen wir die Aufgabe in Hamburg lösen.“