Finanz-Vorstand Frank Wettstein hat bei der „Spobis“, Europas größtem jährlichen Branchentreff des Sports in Düsseldorf, eine deutliche Position in der laufenden Debatte um die Zukunft der 50+1-Regel bezogen. „Ich plädiere dafür, dass, dass jeder Klub über seine möglichen Investoren selbst entscheidet“, sagte er und schlug sich damit auf die Seite von Hannover 96-Präsident Martin Kind. „Wir haben bei 50+1 doch schon zu viele Ausnahmen“, erklärte Wettstein seinen überraschenden Vorstoß. „Die Regel ist schon lange ausgehebelt, auch durch RB Leipzig. Die etablierten Klubs werden behindert.“ Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen bremste aber die Erwartungen des Kollegen. „Mir fehlt das Vorstellungsvermögen, dass ein Investor, der sich in Gänze einen Verein einverleiben möchte, die Zustimmung der Mitglieder und der Stadt erhielte“, sagte er ebenfalls auf der „Spobis“. „Die Zeit ist bei uns noch nicht reif dafür.“

Am Tag nach der Ankunft im Trainingslager standen heute für Streik-Profi Walace die nächsten Krisengespräche beim HSV an. Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt geigten dem Brasilianer dabei in Anwesenheit von dessen Berater Rogério Braun die Meinung. Bruchhagen sprach dem 22-Jährigen dabei mündlich eine Abmahnung aus. „Es war ein formaler Vorgang. Wir haben ihn angehört, dann konfrontiert mit unserer Sichtweise und schließlich die Abmahnung im Beisein von Zeugen ausgesprochen“, erklärt Bruchhagen, der erklärte, dass Gespräch in einer ruhigen Atmosphäre stattgefunden habe. Die schriftliche Abmahnung werde noch folgen. „Es ist völlig klar, dass der Spieler bleiben soll.“ Am Sonnabend soll der abwanderungswillige Olympiasieger erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren.

 

Heribert Bruchhagen war nach dem 1:2 gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt schwer enttäuscht. Vor allem der krasse Leistungsabfall nach der Führung irritierte den Vorstands-Boss. „Nachdem ich glaubte, dass wir mit der 1:0-Führung unser Spiel durchdrücken könnten, haben wir uns vogelwild gezeigt“, sagte er. „Wir haben dem Gegner riesige Räume geboten. Da hätte auch das 3:1 oder 4:1 fallen können.“ Abschließend hielt Bruchhagen fest: „Das war eine bittere Niederlage. Wir befinden uns im Existenzkampf.“

Im Interview mit „Sport 1“ hat HSV-Boss Heribert Kühne auch erneut zur Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne Stellung genommen. Kühne war in dieser Woche von DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisiert worden. „Im Unterschied zu Herrn Rauball habe ich gesagt, dass Herr Kühne noch nie ins operative Geschäft eingegriffen hat. Und dass mir die Diktion der Aussagen von Herrn Kühne (Luschen, Jahrhundert-Flop, Anm.d.Red.) nicht gefallen hat. Ich bin davon überzeugt, dass Herr Kühne inzwischen weiß, dass das keine glücklichen Aussagen waren. Irgendwann muss die Geschichte auch beendet sein“, sagte Bruchhagen. „Wir sind Herrn Kühne dankbar, dass er immer da war, wenn der Verein in einer schwierigen Situation war.“ Auf die Frage, ob Kühne Fluch oder Segen für den HSV sei, antwortete Bruchhagen: „Herr Kühne kann niemals Fluch sein. Er war für den HSV in schwieriger Situation immer ganz, ganz wichtig und hat dem Verein nach bestem Wissen geholfen. Es gibt nicht den Ansatz eines Fluches. Nur wegen eines unglücklichen Interviews? Das ist eine Fehleinschätzung.“

Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen hat im Interview mit „Sport1″ eine Prognose zu einer eventuellen Zitter-Saison des HSV abgegeben. „Ich weiß, dass wir eine schwere Hinrunde haben werden. Die ersten Vier des letzten Jahres, die auch jetzt wieder oben stehen, haben wir hier zu Hause. Gegen die Mannschaften auf Augenhöhe müssen wir in der Regel auswärts spielen“, sagte er.  „Meine Erfahrung sagt mir, dass wir in der Hinrunde weitaus weniger Punkte holen als in der Rückrunde. Das wirkt sich auch tabellarisch aus. Es ist meine Aufgabe, die richtige Einschätzung vorzunehmen und dafür zu sorgen, dass die Aufregung um uns herum nicht zu groß wird.“

HSV-Boss Heribert Bruchhagen ist für 25 Jahre Mitgliedschaft beim Hamburger SV geehrt worden. Der 69-Jährige hat am Sonntag die silberne Ehrennadel und eine Ehrenurkunde für ein Vierteljahrhundert Mitgliedschaft im Verein erhalten. „Der HSV ist für mich seit meiner Jugend einer der besonderen Vereine in der Bundesliga. Als ich 1992 hier als Manager anfing, habe ich die HSV-Mitgliedschaft abgeschlossen und bin dem Verein treu geblieben“, sagte Bruchhagen, der im Dezember Dietmar Beiersdorfer an der Spitze des AG-Vorstands abgelöst hatte. „Es ist schön, dass mein Weg mich wieder hierher geführt hat und dass ich heute, 25 Jahre später, als HSV-Verantwortlicher diese Ehrennadel in Empfang nehmen kann.“ Bruchhagen erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass der kürzlich 130 Jahre alte gewordene Traditionsverein Anfang der 1990er Jahre rund 5000 Mitglieder hatte. „Heute sind es mehr als 77 000! Ich freue mich sehr, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein“, betonte Bruchhagen.

Am Sonnabend kommt es zum ersten wegweisenden Spiel im Volkspark. Der HSV trifft auf den  Erzrivalen aus Bremen. Beide Nordteams stecken aktuell in der Krise. HSV-Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen wünscht sich deshalb einen Sieg gegen die Mannschaft von der Weser, sagte zur MOPO: „Das würde uns guttun. Aber alle Ergebnisse sind möglich. Wir wissen unsere Mannschaft einzuschätzen. Unser Fokus liegt jetzt auf der Derby-Vorbereitung.“

Heribert Bruchhagen gibt sich angesichts der Übermacht des FC Bayern München vor dem direkten Duell am Sonnabend keinen großen Illusionen hin. „Zwischen beiden Vereinen gibt es einen Unterschied im Lizenzspieler-Etat von 450 Prozent. Das allein sagt schon eine Menge aus“, meinte der HSV-Vorstandsvorsitzende am Dienstag bei einem Termin zum „Hamburger Weg“ im Volksparkstadion. Auch einige schwächere Spiele des Tabellenführers und Titelverteidigers in der jüngeren Vergangenheit würden nichts an dessen klarer Favoritenrolle ändern.
„Für die Bayern sind die Spiele im März und April wichtig. Da werden – auch in der Champions League – die Schlachten geschlagen“, erklärte Bruchhagen. „Eigentlicher Gegner“ der Münchner sei Borussia Dortmund. Der BVB rangiert derzeit mit 13 Punkten Rückstand nur auf Platz drei.
Völlig chancenlos sieht er den HSV in München dann aber doch nicht. „Wir sind ja auch als totaler Außenseiter nach Leipzig gefahren“, erinnerte er an das überraschende 3:0 beim Tabellenzweiten. Und ergänzte grinsend: „Die Menschen gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“

Heribert Bruchhagen wird am Sonntagabend ab 19.30 Uhr in der TV-Sendung „Sky90“ zu Gast sein. Mit Moderator Patrick Wasserziehr, dem Gewalt- und Konfliktforscher Gunter Pilz, dem freien Journalisten Prof. Dr. Stephan Kaußen und Kicker-Chefredakteur Jörg Jakob diskutiert der Vorstandsvorsitzende u.a. über die aktuelle Lage des HSV.