Neben Kiels Ralf Becker zählt auch Markus Krösche nach MOPO-Informationen zu den Kandidaten von HSV-Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann für die Besetzung des Sportvorstands-Postens. Zudem hatte sich Bernhard Peters als interne Lösung angeboten. Mehr als 8000 Fans beteiligten sich bei HSV24 an einer Online-Umfrage: Wen sollte Hoffmann als Sportvorstand zum HSV holen? Krösche, Geschäftsführer bei Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn, fiel durch, erhielt nur fünf Prozent der Stimmen. Für Becker votierten 38 Prozent, ebenso wie für Peters. 19 Prozent der Teilnehmer wollen keinen von ihnen als HSV-Sportvorstand.

Nach den Absagen von Jonas Boldt (Bayer Leverkusen) und Rouven Schröder (Mainz 05) gilt Ralf Becker von Holstein Kiel als heißer Kandidat auf den zu besetzenden Sportvorstands-Posten beim HSV. Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann befeuerte dies Mitte Mai mit folgender Aussage: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, sind mit Kandidaten im Gespräch, die frei auf dem Markt oder noch im Job sind, deren Saison vielleicht bis gestern, heute, morgen oder noch einige Tage laufen wird.“ Kiel misst sich bekanntlich in der Relegation zur Bundesliga mit Wolfsburg. Doch wie die MOPO erfuhr, wird im Kontrollgremium der HSV Fußball AG noch ein weiterer Name heiß gehandelt: Markus Krösche. Der Geschäftsführer Sport ist mit dem SC Paderborn in die Zweite Liga aufgestiegen, steht dort bis 2022 unter Vertrag.

Er ist einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten, gewann mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern die Champions League, holte den Weltpokal und sieben deutsche Meisterschaften. Nun verriet Ottmar Hitzfeld in der „Bild“, dass er nach seiner ersten Amtszeit in München 2004 vom damaligen Vorstandsvorsitzenden und aktuellem Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann nach Hamburg gelockt wurde. „Ich hatte ein Angebot des HSV, habe aber sofort abgelehnt. Ich hätte von Neuem beginnen müssen, die Meisterschaft wäre weit entfernt gewesen. Die Erwartungshaltung wäre dennoch riesig gewesen, ich hätte das kaum erfüllen können“, erklärte Hitzfeld, warum er sich dagegen entschied. So erhielt stattdessen Thomas Doll damals den Posten.

Für die Verantwortlichen des HSV fängt jetzt die heiße Phase der Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison an. Auf der Internetseite des Vereins hat Präsident und Chef-Kontrolleur Bernd Hoffmann erklärt, welche Ziele die Führung des Vereins verfolgt. „Wir haben einen Plan, den wir in enger Abstimmung zwischen Aufsichtsrat und Vorstand umsetzen werden. Wir wollen dabei keine Zeitpunkte benennen. Sie können sicher sein, dass wir als Aufsichtsrat die Vorstandsbesetzung vornehmen werden, dass die Vertragsverlängerung des Trainers ansteht und es sicherlich auch noch die eine oder andere Aktivität auf dem Transfermarkt geben wird, auf der Verpflichtungs- und Abgabeseite“, sagte Hoffmann und stellte fest: „Wir müssen jetzt sehr viel richtig machen. Wir als Aufsichtsrat und auch der operativ handelnde Vorstand werden alles verkünden, sobald es perfekt ist. Für mich ist entscheidend, dass wir am Wochenende des 3. bis 6. August optimal aufgestellt und vorbereitet in die Zweitligasaison starten.“

Nach den Absagen von Leverkusens Jonas Boldt und Rouven Schröder von Mainz 05 ist Ralf Becker auf der Wunschliste von Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann für den Posten des Sportvorstands beim HSV nach oben gerückt. Der frühere Chefscout des VfB Stuttgart ist seit 2016 als Geschäftsführer bei Holstein Kiel angestellt. Wechselt er nun nach Hamburg? „Wir haben vereinbart, dass wir zu allen Personalien bis nach dem Spiel am Montag warten“, sagte Becker der „Bild“. Damit meint der 47-Jährige das Relegations-Duell (17./21. Mai) mit dem VfL Wolfsburg.

Holstein Kiels Geschäftsführer Ralf Becker steht auf der HSV-Liste. (Foto: Imago)

Sportlich wurden Fakten geschaffen, der HSV ist abgestiegen und zweitklassig. Doch was bedeutet dies für die Zusammenarbeit mit Klaus-Michael Kühne? Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann sorgte für Aufklärung „Er bleibt auf jeden Fall im Boot. Das heißt nicht, dass es Vereinbarungen gibt, die irgendwelche zusätzlichen Gelder für den HSV ergeben. Das müssen wir an dieser Stelle mal aus dem Kopf kriegen. Ein Kernproblem des HSV in den letzten Jahren war ja, dass wir immer bis zum 28. Januar oder 28. August, am Ende einer Transferperiode, überlegt haben, ob nicht möglicherweise man doch noch mal nach Zürich fahren könnte, um Herrn Kühne Geld aus dem Kreuz zu leiern, um die sportlichen Fehlentscheidungen der abgelaufenen Saison ein bisschen zu korrigieren. Und das darf nicht sein, da müssen wir es selbstbestimmt und mit eigener Kreativität schaffen, dass wir an diese Art der Zusammenarbeit – nämlich Bittstellerei – nicht wieder hinkommen“, sagte Hoffmann bei Sky. Weiter betonte er: „Herr Kühne ist mit mehr als 20 Prozent Gesellschafter der HSV AG, also ein ganz wichtiger Partner des HSV. Und zwar nicht nur deswegen, weil er juristisch Anteilseigner ist, sondern weil er den HSV auch mit unglaublich viel Herzblut, Engagement und in der Vergangenheit mit einer Menge Geld unterstützt hat. Herrn Kühne kann man die Verwendung dieses Geldes nicht vorwerfen. Es gibt keinen einzigen Vertrag, der jetzt dem HSV auf die Füße fällt wirtschaftlich, der die Unterschrift von Herrn Kühne trägt. Das sind immer Verantwortliche des HSV gewesen. Wenn er sich dann darüber aufregt, dass mehr als 100 Millionen Euro mittlerweile dazu geführt haben, dass A das Geld weg ist und B der HSV abgestiegen ist, dann kann ich ihm das nicht vorwerfen. Ich bin sehr froh, dass wir ihn – und so würde ich das nennen – bei uns mit ihm Team haben und ich werde den Teufel tun und mich gegen Herrn Kühne aussprechen. Ich bin froh, dass wir ihn an der Seite haben und ich hoffe, dass das auch noch jahrelang so bleibt.“

In seiner Funktion als Direktor Sport ist Bernhard Peters beim HSV in erster Linie für die strategische Ausrichtung im Nachwuchsbereich zuständig. Nach der Beförderung von Christian Titz von der U21 zu den Profis, für die er sich intern starkgemacht hatte, war auch Peters nach oben gerückt. Doch wie geht es weiter für den 58-Jährigen? Er selbst hatte sich in einem Interview um den verwaisten Posten des Sportvorstands beworben, was im Aufsichtsrat um Boss Bernd Hoffmann gar nicht gut ankam: „So etwas sollte intern geschehen.“ Peters dürfte mit seinem Anliegen durchfallen – wie geht es weiter? Im Dezember vergangenen Jahres verlängerte er seinen Vertrag als Nachwuchschef bis 2020. Entweder kehrt der frühere Hockey-Bundestrainer in den „Campus“ zurück, oder er sucht eine neue Herausforderung.