Die Profis des HSV gehen in den Urlaub, für die Verantwortlichen geht die Arbeit jetzt so richtig los. Präsident und Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann will „so schnell wie möglich“ einen Sportvorstand benennen, sieht sich dabei auf einem guten Weg. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, sind mit Kandidaten im Gespräch, die frei auf dem Markt oder noch im Job sind, deren Saison vielleicht bis gestern, heute, morgen oder noch einige Tage laufen wird.“ Zu den Kandidaten zählen Kiels Ralf Becker, Bielefelds Samir Arabi und Ingolstadts Harald Gärtner. Hoffmann mauerte: „Einzelne Namen werde ich nicht kommentieren, da muss man sich noch etwas gedulden.“

Am Morgen nach dem erstmaligen Abstieg des HSV hat sich Bernd Hoffmann in der Sendung „Wontorra“ bei Sky zu Wort gemeldet und ein vernichtendes Urteil über die Ultras gesprochen, die gestern mit ihrer Pyro-Aktion für eine 15-minütige Unterbrechung des Spiels gegen Gladbach (2:1) gesorgt hatten. „Leider sieht es so aus, dass man dem hoffnungslos ausgeliefert ist. Ich will mich aber nicht damit abfinden, dass eine kleine Gruppe in unserem Fanblock hochexplosives Material durch die Gegend schmeißt. Damit werden wir uns auseinandersetzen“, sagte der Präsident und Aufsichtsrats-Chef, der sich über die Reaktion der HSV-Fans freute: „Fakt ist, dass diese Chaoten erstmalig drastisch isoliert wurden von allen anderen Anhängern. Das freut uns sehr, aber was da passiert ist, das war eklatant, da können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Die Aufbruchstimmung trotz des Abstiegs ist überlagert worden von diesen bekloppten Idioten. Jetzt müssen wir wieder eine Strafe zahlen – und das Geld könnten wir wahrlich an anderere Stelle deutlich sinnvoller einsetzen.“

HSV-Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann war nach dem Abpfiff gestern gegen Gladbach (2:1) natürlich angefasst, zeigte sich mit Blick auf die Zukunft aber optimistisch: „Dies ist ein enorm schmerzhafter Moment für den gesamten HSV, der damit eine seiner Einzigartigkeiten verloren hat. Die Raute und auch wir als Klub haben trotz dieses bitteren Augenblicks viel Kraft – und werden in Zukunft auch wieder Stärke ausstrahlen.“

Vorstand Frank Wettstein strebt nach dem erstmaligen Abstieg des HSV die sofortige Rückkehr an: „Wir sind voll handlungsfähig und arbeiten ab jetzt intensiv an dem klaren Ziel, bestmöglich vorbereitet in die nächste Saison zu gehen und den direkten Wiederaufstieg zu realisieren.“
Klub-Präsident und Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann sagte zum Abstieg, es sei ein „enorm schmerzhafter Moment für den gesamten HSV, der damit eine seiner Einzigartigkeiten verloren ha“. Doch auch er strebt den baldigen Aufstieg aus der 2. Bundesliga an. „Die Raute und auch wir als Klub haben trotz dieses bitteren Augenblicks viel Kraft – und werden in Zukunft auch wieder Stärke ausstrahlen.“

25. August 2017: Der HSV gewinnt nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen den FC Augsburg auch das zweite Saisonspiel beim 1. FC Köln mit 3:1. Für eine Nacht sind die Hamburger Bundesliga-Tabellenführer.
28. Oktober 2017: Drei Monate und acht sieglose Punktspiele später folgt die große Ernüchterung: Die Mannschaft ist mittlerweile Tabellen-16. – der Abstiegskampf hat den HSV wieder.
26. November 2017: Die Hoffnung auf bessere Zeiten erhalten durch die überzeugenden Heimsiege gegen Stuttgart (3:1) und Hoffenheim (3:0) neue Nahrung. Der HSV rückt immerhin auf Rang 15 vor.
21. Januar 2018: Trainer Markus Gisdol wird nach der 0:2-Heimpleite gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln freigestellt. Einen Tag später stellt der Tabellen-17. Bernd Hollerbach als Nachfolger vor.
18. Februar 2018: Bernd Hoffmann wird als Nachfolger von Jens Meier zum neuen Präsidenten des HSV e.V. gewählt. Dadurch gehört der frühere Vorstandsvorsitzende automatisch dem Aufsichtsrat an.
08. März 2018: Der HSV-Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Hoffmann stellt Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt frei. Vorstand Frank Wettstein übernimmt die Geschäfte.
12. März 2018: Nach sieben weiteren sieglosen Partien wird Hollerbach schon wieder beurlaubt. Neuer Hoffnungsträger auf der Trainerbank ist der bisherige U21-Erfolgscoach Christian Titz.
18. März 2018: Mittelfeldspieler Walace streikt, will nicht in die Innenverteidigung. Da er das Berlin-Spiel auch nicht von der Tribüne aus verfolgt, wird Walace degradiert und muss in der U 21 trainieren.
18. März 2018: Der HSV verliert trotz einer guten ersten Halbzeit auch unter Neu-Trainer Titz sein Heimspiel gegen Hertha BSC (1:2). Der 1. FC Köln zieht an den Hamburgern vorbei. Der HSV ist Letzter.
26. März 2018: Die geplante Walace-Rückholaktion zu den Profis entfällt. Denn der Brasilianer reist nach Mailand und postet Bilder, statt zu trainieren. Folge: Walace bleibt bis Saisonende bei der U21.
07. April 2018: Nach 15 Spielen ohne Dreier gelingt im dritten Match unter Titz gegen Schalke (3:2) wieder ein Sieg. Der HSV hat fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und hofft als 17. wieder.
05. Mai 2018: Titz setzt auf den Nachwuchs und eine neue Spielidee – mit Erfolg: Nach zwei weiteren Siegen ist der Anschluss da, die Fans stehen wieder hinter ihrem Team.
12. Mai 2018: Das 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach reicht nicht. Im Fernduell verteidigt der VfL Wolfsburg den Relegationsrang. Der Endspurt unter Titz kam zu spät. Nach 55 Jahren ist für den HSV in der Bundesliga Schluss. Immerhin: Titz darf als Coach den Neuaufbau angehen – für die schnelle Rückkehr in die Bundesliga.

Mit dem Leverkusener Jonas Boldt sowie dem Mainzer Rouven Schröder haben sich bereits zwei Kandidaten zu ihren Klubs bekannt, mit denen HSV-Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann über einen Wechsel nach Hamburg gesprochen hatte. Laut „Bild“ sind nun drei Zweitliga-Manager auf der Liste nach oben gerutscht: Ralf Becker von Relegations-Teilnehmer Holstein Kiel, Samir Arabi von Arminia Bielefeld sowie Harald Gärtner vom FC Ingolstaldt. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen, um die Planungen für die nächste Saison vorantreiben zu können.

Zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel gegen Gladbach hat der HSV bekanntgegeben, mit Christian Titz über die Saison hinaus weitermachen zu wollen. Wie reagiert der Trainer auf den Treue-Schwur von Vorstands-Boss Frank Wettstein und Aufsichtsrats-Chef Bernd Hoffmann? Titz: „Ich hatte mit dem Vorstand sehr gute Gespräche. Wir haben uns darauf verständigt, dass die letzten Details nach Saisonende geklärt werden.“ Entweder am Sonntag oder nach der Relegation.