Zwei Tage vor der Präsidenten-Wahl wird Bernd Hoffmann von alten Verfehlungen eingeholt. Wie der „Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag“ berichtet, soll es während seiner Amtszeit als HSV-Vorstandschef in den Jahren 2010 und 2011 zu fragwürdigen Zahlungen gekommen sein. Das ist richtig – aber seit langer Zeit bekannt. Schon im Januar 2012 berichtete die MOPO im Vorfeld der damaligen HSV-Mitgliederversammlung ausführlich über die Vorwürfe gegen den Ex-Boss. Otto Rieckhoff, zu dem Zeitpunkt Aufsichtsrats-Chef, sagte vor den Mitgliedern: „Das Verhalten der ehemaligen Vorstände Katja Kraus und Bernd Hoffmann erscheint nicht in allen Aspekten angemessen und dem Vereinsinteresse zuträglich.“ Dennoch empfahl er die Entlastung Hoffmanns, die von den Mitgliedern auch erteilt wurde.

Präsidentschaftskandidat Bernd Hoffmann (55) hat sich für eine Neuordnung an der Spitze des HSV ausgesprochen. „Ich würde unglaublich gerne einen Vorstandschef aufbauen, der die AG gemeinsam mit dem Aufsichtsrat bestmöglich führt. Das stelle ich mir in der Tat als eine Art Doppelspitze vor“, sagte Hoffmann der „Sport Bild“: „Das ist ein Modell, das in vielen erfolgreichen Klubs im In- und Ausland funktioniert.“ Hoffmann, von 2003 bis 2011 Vorstandsvorsitzender, tritt bei der HSV-Mitgliederversammlung am Sonntag als Herausforderer gegen Amtsinhaber Jens Meier (51) um den Posten des Klubpräsidenten des Gesamtvereins an.

Auf der Zielgeraden entwickelt sich der Wahlkampf zwischen Jens Meier und Bernd Hoffmann zu einer Schlammschlacht. In der „Sport Bild“ schoss der Amtsinhaber nun scharf gegen seinen Herausforderer und reagierte auf den Vorwurf, das amtierende Präsidium habe bewusst eine zu kleine Halle für die Veranstaltung am Sonntag gemietet, nämlich die „Kuppel“ in Lurup. „Das ist Bestandteil einer Wahlkampfstrategie, das ist eine Kampagne von Team Hoffmann“, sagte Meier. „Genau wie der Vorwurf, dass wir Vereinsanteile in Höhe von 33 Prozent verkaufen wollen. Das ist alles eine Lüge, das muss ich so deutlich sagen. Ich verstehe nicht, warum man sich überhaupt mit solchen Themen beschäftigen kann. Anstatt sich mit inhaltlichen Dingen zu beschäftigen, um den HSV voranzubringen. Das ärgert uns maßlos.“ Übrigens: Sollte am Saisonende der Abstieg stehen, sieht Meier den Klub dennoch gut gerüstet: „Wir haben eine Struktur geschaffen, um gegebenenfalls einen Wiederaufstieg sofort anzugehen.“

Jens Meier und Bernd Hoffmann bewerben sich Sonntag um das Präsidentenamt beim HSV. Im Vorfeld schießt der Amtsinhaber gegen seinen Herausforderer, der vor allem die Macht im Aufsichtsrat der Fußball AG anstrebt und dort den Profibereich neu aufstellen will. „Ich glau­be nicht, dass es gut ist, dass der Prä­si­dent des e.V. der bes­se­re Vor­stand ist. Dann soll­te man sich als Vor­standsvorsitzender be­wer­ben“, so Meier in der „Bild“. Hoffmann betonte zuletzt immer wieder, dass er den Verein auf den entscheidenden Positionen zu schwach aufgestellt sehe, dazu Meier: „Das ist der Un­ter­schied zwi­schen ihm und mir. Ich führe sol­che Dis­kus­sio­nen nicht öf­fent­lich. Ich kann doch nicht meine ge­sam­te Füh­rungs-Crew in Schutt und Asche legen. Ich finde es ziem­lich ver­mes­sen, dass je­mand kommt, der sie­ben Jahre raus war, nun sagt, das kann ich alles bes­ser. Das finde ich be­mer­kens­wert.“ Für Sonntag kündigte der HSV-Präsident personelle Überraschungen an, um die Sportkompetenz auch außerhalb der Führungsgremien zu stärken: „Ich habe Ge­sprä­che ge­führt, wie man sich au­ßer­halb des Auf­sichts­rats mit kom­pe­ten­ten Leu­ten ver­stärkt, die be­ra­tend zur Ver­fü­gung ste­hen. Das werde ich auf der Mit­glie­derversammlung vor­stel­len. Da wird es keine Zwei­fel geben, dass das Men­schen sind, die den nö­ti­gen Sach­ver­stand mit­brin­gen.“