Er wollte sich mit ihm treffen, die Gründe für die Entscheidung gegen ihn persönlich vortragen, das sei aufgrund der Entfernung aber nicht möglich gewesen. Also musste Frank Wettstein zum Telefon greifen, um Bernd Hollerbach zu feuern. Dieser sei „natürlich enttäuscht“ gewesen, berichete der HSV-Vorstand und lobte die Reaktion des Ex-Trainers: „Er hat nie gejammert und sich tadellos verhalten. Unter dem Strich war aber keine wesentliche Verbesserung erkennbar, zudem haben ihm positive Ergebnisse gefehlt.“

Nach der Entlassung von Bernd Hollerbach und der Beförderung von Christian Titz vom U21- zum Profi-Trainer des HSV stellen sich Vorstand Frank Wettstein und Direktor Sport Bernhard Peters bei einer Presserunde den Reportern. Ihre Aussagen:

Frank Wettstein: „Wir haben nicht aus der Emotion heraus nach dem Spiel in München entschieden, sondern uns die gebotene Ruhe genommen, um das sacken zu lassen. Wir sind nach intensiven Gesprächen am Sonntag und Montagmorgen zu der Entscheidung gekommen, uns von Bernd Hollerbach zu trennen. Ich habe versucht, ihn zu treffen, letztlich konnten wir nur telefonieren. Er war natürlich enttäuscht. Wir wollten einen Impuls setzen für die verbleibenden acht Spiele. Man hat in jedem Spiel, auch in München, eine Chance, wenn man couragiert auftritt. Christian Titz wird viele Dinge auf den Prüfstand stellen und wir erwarten gegen Berlin einen deutlich verbesserten Auftritt. Ich fühle mit Bernd Hollerbach, es ist nicht einfach gewesen, aber wir haben im Interesse des HSV entschieden. Auch bei Thomas von Heesen ist der Fokus auf die verbleibenden acht Spiele dieser Saison gerichtet. Bernhard Peters und ich haben seit Jahren Kontakt zu ihm und wir vertrauen seiner großen Expertise. Er wird dicht dran sein am Trainerteam und an der Mannschaft, um mit seiner Erfahrung und seiner Kompetenz zu helfen. Die Gesamtverantwortung auf der sportlichen Ebene liegt bei Bernhard Peters. Wir werden nun gemeinsam alles dafür unternehmen, dass unsere Mannschaft die Köpfe frei hat für das Spiel gegen Berlin. “

Bernhard Peters: „Ich arbeite seit drei Jahren intensiv und eng mit Christian Titz zusammen. Mich beeindruckt, mit welchem Ehrgeiz, mit welcher Akribie und welcher Leidenschaft er mit seinen Mannschaften arbeitet. Das hat er erst bei der U17, dann auch bei der U21 unter Beweis gestellt. In dieser Zeit haben wir beim HSV eine gemeinsame Idee entwickelt, wie wir Fußball spielen wollen. Wir geben ihm das Vertrauen. Wir hätten es nicht gemacht, wenn wir nicht daran glauben würden, mit ihm den Klassenerhalt noch zu schaffen. Wir werden alles in das Spiel gegen Hertha BSC reinhauen, dann folgt eine Länderspiel-Pause, in der er intensiv mit der Mannschaft arbeiten wird. Unser Ziel ist es, mit der U21 weiter möglichst jedes Spiel zu gewinnen und aufzusteigen. Aber da sind wir noch lange nicht. Den Trainerposten übernimmt mit Steffen Weiß (29, zuvor Assistent bei der U16, d. Red.) ein junger und ambitionierter Trainer.“

Jetzt ist es auch offiziell: Nach ganzen sieben Spielen (und nur drei Punkten) muss Trainer Bernd Hollerbach schon wieder gehen. Für ihn übernimmt wie erwartet U21-Coach Christian Titz (46). Er wird sein Debüt am Sonnabend im Heimspiel gegen Berlin geben. Titz wird dieses Amt vorerst bis zum Ende der Saison ausüben. Ob er das Mega-Wunder Klassenerhalt noch schaffen kann? Den HSV trennen acht Spieltage vor Schluss sieben Punkte von Relegationsplatz 16, auf dem momentan Mainz punktgleich (25) mit Wolfsburg steht. Morgen leitet Titz erstmals im Volkspark das Training. Zudem wird der frühere HSV-Profi und ehemalige Aufsichtsrat Thomas von Heesen künftig interimsmäßig als sportlicher Berater des Vorstandes fungieren. „Wir haben die sportliche Gesamtlage nach der 0:6-Niederlage in München intensiv analysiert und diskutiert“, sagt Vorstand Frank Wettstein, der dabei die Einschätzungen des Direktors Sport Bernhard Peters und des Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Hoffmann einbezog: „Am Ende sind wir zur Überzeugung gelangt, dass wir im Hinblick auf unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt handeln mussten.“ Wettstein dankte Ex-Coach Hollerbach: „Er hat nie gejammert und sich tadellos verhalten. Unter dem Strich war aber keine wesentliche Verbesserung erkennbar, zudem haben ihm positive Ergebnisse gefehlt.“

U21-Coach Christian Titz (Foto: Witters)

Ganze sieben Spiele durfte Ex-Profi Bernd Hollerbach Trainer seines HSV sein. Jetzt ist er seinen Job schon wieder los – ein für ihn äußerst trauriges Intermezzo. „Ich bin natürlich sehr enttäuscht“, sagte Hollerbach dem „Abendblatt“ zu seiner Entlassung. „Hollers“ bittere Bilanz: drei Unentschieden, vier Niederlagen. Die Hauptschuld am drohenden ersten Bundesliga-Abstieg tragen aber sicher andere.

Neben Chefcoach Bernd Hollerbach trennt sich der HSV auch von den Assistenten Steffen Rau, Rodolfo Cardoso und Stefan Wächter. Co-Trainer Matthias Kreutzer wird zu Titz’ Trainerteam gehören, ebenso wie dessen bisheriger U21-Co-Trainer Soner Uysal und der bisherige U21-Torwart-Trainer Nico Stremlau. Die Trainerposten im U21-Team werden intern neu besetzt.